Neuseeland IV – on the road again

Da ist man mal einen Tag nicht online (ist hier ja nicht wie in Frankfurt…) und schon gibt es Mecker, weil der Blog fehlt… :)

Dafür gibt es heute 2 Stück. Also erst einmal der Nachtrag zu gestern:

Wir haben zu wenig Zeit.

Das ist vermutlich für Menschen mit Montags-, Dienstags- oder sonst irgendeinem Blues etwas hart, aber es stimmt: Wir stellen fest, dass unsere Zeitplanung für Neuseeland einfach nicht ausreichend war, um dem Land gerecht zu werden.

Ist aber nicht schlimm, schließlich geht es ja vor allem darum, Neues zu entdecken – und nicht darum, das Neue dann auch abschließend und umfassend auszuforschen. Dafür mögen dann weitere Reisen dienen.

Unsere Tagesplanung sah vor, dass wir rund 160 Kilometer bis ans Cape Reinga fahren, uns den nördlichsten Punkt Neuseelands anschauen und dann einen Platz zur Übernachtung ansteuern. Die Restriktionen eines gemieteten Wohnmobils ohne 4-Rad-Antrieb machten uns aber einen Strich durch die Rechnung: Strandfahrten und Schotterpisten sind für uns tabu.

Damit war eine Fahrt auf dem Ninety-Mile-Beach, der eine regelrechte Sandpiste ist (auf der man im übrigen schneller fahren darf als „an Land“), leider ebensowenig drin wie die Fahrt ans Cape Reinga, denn die letzten 20 Kilometer bis dorthin werden im Augenblick erst geteert. Und da wir Touristen aus Deutschland sind, hielten wir uns natürlich an die Restriktionen… für Neuseeländer nicht komplett nachvollziehbar, denn ein Bauer, den wir auf dem Weg zurück trafen, meinte nur trocken: „You should have gone there! They won’t never know anyway…“

So geht das dann 90 Kilometer (nicht: Meilen!) weiter: Blick nach Norden am Beginn des Ninety-Mile-Beaches.

So geht das dann 90 Kilometer (nicht: Meilen!) weiter: Blick nach Norden am Beginn des Ninety-Mile-Beaches.

Das ist die Geschwindigkeitsbegrenzung, wenn man VOM STRAND kommt...

Das ist die Geschwindigkeitsbegrenzung, wenn man VOM STRAND kommt...

...und das ist der Hinweis, wenn man AUF DEN STRAND drauffährt - alles klar?

...und das ist der Hinweis, wenn man AUF DEN STRAND drauffährt - alles klar?

So jedenfalls führte uns unser Weg bei Waipapakauri zumindest bis auf den Ninety-Mile-Beach. Von dort ging es zunächst ein Stück auf dem Highway 1 entlang, bis wir bei Kaitaia auf eine Nebenstraße abbogen. Die nächsten 70 bis 80 Kilometer schlängelten sich durch Wälder, an großen Weideflächen vorbei, über Hügel und Berge,

Hügel und Berge

Hügel und Berge

durch winzige Ortschaften

winzige Ortschaften: Towncenter von Broadwood.

winzige Ortschaften: Towncenter von Broadwood.

und über kleine Brücken

ungefähr zwei Zentimeter breiter als unser Wohnmobil: eine der kleinen Brücken unterwegs

ungefähr zwei Zentimeter breiter als unser Wohnmobil: eine der kleinen Brücken unterwegs

bis nach Rangiora, wo wir mit der Fähre über den Hokianga Harbour übersetzten und uns bei Omanaia wieder auf den „Highway“ 12 einklinkten.

Dräuende Wolken über Hokianga Habour

Dräuende Wolken über Hokianga Habour

Highway steht deshalb in Anführungstrichen, weil dieser Weg direkt durch den Waipoua Forrest führt, und zwar auf solchen Wegen:

Grün, wohin man schaut - der "Highway" durch den Urwald

Grün, wohin man schaut - der "Highway" durch den Urwald

Der Waipoua Forrest ist Teil des Northland Forrest Parks und vor allem für seine riesigen Kauri-Bäume bekannt. Den mächtigsten kann man über einen kleinen Fußweg erreichen: Der Tane Mahuta ist den Maori heilig und spielt in ihrer Mythologie die Rolle des Lebensspenders (man fühlt sich bei der Geschichte ein bisschen an Prometheus erinnert – nur ohne die Igitt-Nummer mit dem Geier und der Leber). Aber auch ohne den mythologischen Überbau ist Tane Mahuta ziemlich beeindruckend: 52 Meter hoch, 2.000 Jahre alt und einen Stammumfang von fast 14 (!) Metern. Für die, die sich an Michael Groß erinnern können: Das entspricht 6 1/2 Mal seiner Spannbreite… Und apropos Frankfurt: Tane Mahuta  sieht irgendwie aus wie der natürliche Bruder des Ginnheimer Spargels.

Der Spargel im Forrest: Hier schauen 2.000 Jahre auf den Betrachter... da wird man ganz schön klein!

Der Spargel im Forrest: Hier schauen 2.000 Jahre auf den Betrachter... da wird man ganz schön klein!

Der Weg durch den Forrest ist unbeschreiblich: Die Kurven sind eng und man kann nur erahnen, was dahinter folgt, die Straße ist überwölbt von einem Dach aus Baumkronen und uralten Farnen und der Wald selbst ist so dicht, dass man gerade mal einen halben Meter zu beiden Seiten hineinsehen kann.

Auf dem Weg durch den Wald - mitten durch die Bäume...

Auf dem Weg durch den Wald - mitten durch die Bäume...

...an Fußgängerüberwegen vorbei (wo sollen die denn bitte aus dem Wald herauskommen)...

...an Fußgängerüberwegen vorbei (wo sollen die denn bitte aus dem Wald herauskommen)...

...und durch unbeschreibliches Grün.

...und durch unbeschreibliches Grün.

Als wir den Waipoua schließlich verließen, neigte sich der Tag schon dem Ende zu und die letzten 60 Kilometer bis Dargaville, wo sich heute unser „Liegeplatz“ befindet, waren dann eher schnell bewältigt.

Viele Dinge, die wir heute unterwegs gesehen haben, sind gar nicht auf Photos gekommen – es sind Bilder für unser geistiges Album: ein Pferd etwa, das neben der Straße durch einen Wald lief; ein weißer Hund, der in einem Vorgarten voller Orangebäumen stand; die Herde Kühe, die auf einem Bergkamm von weitem aussahen wie die Touristen auf dem Bridgeclimb in Sydney; die beiden Maori-Jungs, die uns auf Pferden ohne Sattel entgegenkamen; der Zaun auf dem Weg zum Ninety-Mile-Beach, der über hundert Meter mit alten Fahrrädern behängt war; die abgestorbenen Kauri-Bäume, die auf den hügeligen und grünen Weiden ihre weißen Arme in den Himmel strecken…

Und auch dafür sind wir schließlich unterwegs: Die Erinnerung anzufüllen mit Erlebnissen, die in der Zukunft kleine Urlaube für die Seele sind.

1 comment

  1. Christian’s avatar

    Ihr Urlauber,

    grandioser Bericht, sehr kurzweilig, extrem belustigend (insbesondere die Geschwindigkeitsbegrenzung vom Strand und zum Strand – ich glaube ja das 100er-Schild ist für die Richard Bransons dieser Erde, die mit einem Amphibienfahrzeug/Unikat neuerer Bauart auf den Strand zufahren, jene sollen dann auf dem Wasser bitte die 100 nicht überschreiten …)

    …habe heute den Donnerstags-Blues (auch wenn bis dato nicht empirisch nachgewiesen!) – verreise daher ‘mal ein paar Minuten via Eures einzigartigen Blogs …

    @Melissa: Ist Dein Tess Gerritsen schon durch? Oder hält Dich die atemberaubende Landschaft zu sehr vom Schmökern ab? Melde mich hiermit als Sekundär-Leser, sofern Du das Exemplar mit nach Deutschland bringen solltest …

    Apropos Urlaub in Deutschland – die aktuelle Printausgabe des Focus hat Schloss Elmau (http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps/wellness-urlaub/wellness-ranking-deutschland-die-zehn-besten-wohlfuehl-hotels_aid_340598.html) über den grünen Klee gelobt und wärmstens für Wellness empfohlen. Habe letztes Wochenende schon mit Simon unsere “Vendome-Abrede” erneuert – sollte also was werden mit dem Wiedersehen in 2009 …

    Euch weiter viel Spass und gute Weiterreise,

    Christian & Anke mit A-C

Comments are now closed.