3. Japan

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Noch ein kurzer Eintrag am Flughafen. Wir sitzen nun hier und warten darauf, mit dem größten Flugzeug der Welt zu fliegen. Und obwohl das sicher sehr lustig werden wird, sind wir doch traurig, dass damit Japan erst einmal hinter uns liegt.

Wir haben ein unglaublich spannendes, kulturreiches, kulinarisch inspirierndes und lebendiges Land erlebt mit freundlichen, höflichen und auch sehr lustigen Menschen, mit denen man trotz aller Sprachbarrieren (wir können kein Japanisch und viele Japaner können zwar einigermaßen englisch, trauen sich aber nicht, es anzuwenden) wunderbar zurecht kommen kann.

Die vergangenen 12 Tage haben uns viel gegeben und sie haben die Tür in eine neue Kultur zumindest einen Spaltweit aufgemacht. Wir werden sicher wiederkommen und die ersten Eindrücke noch einmal vertiefen. Und bis dahin werden wir sie im Geist behalten und wirken lassen.

Domo arigato gozeimasu! Sayonara!

And looking forward to down under – oder, wie es eine Weile in der Imagewerbung Australiens hieß: “So, where the bloody hell are you?!?”

Tokyo V – Edo und das moderne Tokyo

Bevor wir von heute berichten, möchten wir noch einmal ein dickes Dankeschön an alle loswerden, die unser Reisetagebuch so treu verfolgen und mit Kommentaren nicht geizen. Bitte entschuldigt, dass wir nicht jeden einzelnen beantworten – aber die Botschaften kommen an und freuen uns ganz ungemein! Danke dafür!

Heute war unser letzter vollständiger Tag in Tokyo. Und nachdem wir gestern wieder einmal Kilometer geschrubbt haben, sollte es heute etwas lockerer gehen.

Wir starteten im Tokyo-Edo-Museum, dass der Lonely Planet unter “anderswo”  aufführt, obwohl die Anreise aus dem Zentrum der Stadt wirklich easy ist. Die nachdrückliche Empfehlung für einen Besuch haben wir erneut Masako und Sebastian zu verdanken und auch in diesem Falle können wir nur sagen: Jawoll, das hat sich wirklich gelohnt.

Das Museum zeichnet die Entwicklung des alten Edo zum modernen Tokyo vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis heute nach und das didaktisch in einer Weise, von der unsere Museen noch sehr viel lernen können. Zu Beginn faszinieren vor allem die wunderbar ausgeführten und detaillierten Miniaturansichten von Shogun-Herschaftssitzen und Straßenszenen im “H0-Format” (für die Märklin-Fans), die man sich mit kleinen Ferngläsern heranholt. Dann aber wartet ein Kabuki-Theater in Originalgröße auf die Besucher, und viele der Ausstellungsstücke kann man anfassen: Sich zum Beispiel in eine Sänfte aus der Edo-Zeit setzen, das Gewicht einer Feuerwehrbrigaden-Standarte spüren, Hochräder vom Ende des 19. Jahrhunderts besteigen etc.

Miniaturöandschaft im Edo-Museum

Miniaturöandschaft im Edo-Museum

Sicher mit am spannendsten war das Kapitel über die Druckerzeugnisse im alten Edo – mit einem sehr lebendigen Zeitungswesen und einer “Druckindustrie”, die auf Holzdrucktechnik basierte. Interessant dabei die bildlichen Darstellungen, bei denen sicher Ando Hiroshige am meisten hervorsticht. Eines der bekannteren Bilder von ihm ist diese Ansicht des Fuji-san:

Sieht ziemlich modern aus, ist aber gute 15o Jahre alt: Wellen vor dem Fuji-San

Sieht ziemlich modern aus, ist aber gute 150 Jahre alt: Wellen vor dem Fuji-San

Besonders reizvoll an diesen Bildern ist ihre Modernität – oder anders herum gesagt: Aktuelle Comic-Zeichnungen haben sicher sehr viel von der Bildsprache dieser japanischen Kunstepoche gelernt. Auch hier also wieder das Faszinosum, das uns mit den Geishas und den Cosplay-zoku schon einmal begegnet ist.

Doch auch das beste Museum schlaucht irgendwann und so machten wir uns auf den Weg, japanische Plattenläden zu besuchen.

Nicht vergessen: Schirm aus dem Regenschirm-Schloss auslösen...

Nicht vergessen: Schirm aus dem Regenschirm-Schloss auslösen...

Wir fuhren nach Shibuya, das als das Zentrum für Musikbegeisterte in Tokyo gilt und stöberten ein wenig in einem der vielen Plattengeschäfte – doch merke!: Nicht nur die Sprach- und Lektürebarriere macht es manchmal schwierig, das zu finden, was man sucht…

Shibuya kann außerdem mit einer der bekanntesten Kreuzungen weltweit aufwarten (lassen wir den Times Square in NYC und den Zebrastreifen in der Abbey Road in London einmal weg). Auch wir waren also an der Shibuya-Kreuzung – aber so beeindruckend war sie dann doch nicht, zumal die anderen Stadtteile hier durchaus ähnliches zu bieten haben. 

Viel los, aber soooo besonders dann doch auch nicht...

Viel los, aber soooo besonders dann doch auch nicht...

...Ginza ist zum Beispiel auch nicht schlecht.

...Ginza ist zum Beispiel auch nicht schlecht.

 

Zum Thema Shopping ein Nachtrag aus Kyoto: Messerkauf ist Vertrauenssache…

Natürlich konnten wir Foodies nicht aus Japan abreisen, ohne uns mit einem ordentlichen Küchenutensil einzudecken. Wir kauften in Kyoto bei den besonders gut beleumundeten Schmieden von Aritsugu und es hat einen Heidenspaß gemacht.

Gibt's zwar wohl auch in Frankfurt, aber hier war's schöner: Aritsugu-Laden im Nishiki-Markt in Kyoto

Gibt's zwar wohl auch in Frankfurt, aber hier war's schöner: Aritsugu-Laden im Nishiki-Markt in Kyoto

Wir kauften zwei Messer und eine Wasabi-Reibe aus Kupfer. Schon die Auswahl machte viel Freude, aber das Sahnehäubchen kam, als unsere neuen Küchenfreunde dann auch noch mit unsern Namen (verlautsprachlicht und auf Japanisch übersetzt) graviert wurden.

Finger weg von meinem Messer! Besitzansprüche werden eingraviert.

Finger weg von meinem Messer! Besitzansprüche werden eingraviert.

Und als Melissa wegen des ganzen betriebenen Aufwands meinte, es sei ein wenig wie beim Juwelier, da strahlten uns die beiden Verkäufer an, als hätte man gerade zwei Halogenstrahler angeknipst.

Und jetzt sind die Messer per Post auf dem Weg nach Deutschland… Daumen drücken!

 

Ach ja, gegessen haben wir heute natürlich auch noch: Ginza hat, neben anderem, auch den angeblich besten Nudelladen in Tokyo zu bieten. Das haben wir aus mehreren Quellen gehört und uns heute selbst davon überzeugt, dass hier wirklich außerordentliche Qualität geliefert wird. @Amelie: Die Japaner müssen nicht nur Wespenlarven essen, hier gibt es auch sehr gute Nudelsuppen…

Wir aßen eine Tempura Udon und eine Kakiage Udon und waren von beidem begeistert. Die Suppe war sicher eine der besten auf Miso-Basis, die wir bisher hatten, die Nudeln waren wunderbar dick, flutschig und handgemacht (Japaner sind sicher Geräuschweltmeister im Schlürfen von solchen Leckerlichkeiten) und Tempura und Kakiage waren cross fritiert, aber die Gemüse bzw. die Meeresfrüchte frisch und saftig. Sehr fein!

Unser letztes warmes Essen in Japan: Tempura Udon...

Unser letztes warmes Essen in Japan: Tempura Udon...

... und Kakiage Udon im Sakata Restaurant in Ginza. Das werden wir vermissen!

... und Kakiage Udon im Sakata Restaurant in Ginza. Das werden wir vermissen!

Morgen geht es nach Australien, aber da wir mit dem A380 fliegen, melden wir uns vielleicht aus der Lounge noch einmal vor dem Abflug.

Der Tag begann früh – zumindest teilweise: Der erste Besuch auf dem Fischmarkt hatte Sebastian noch nicht gereicht und so machte er sich heute morgen schon um 5:45 Uhr noch einmal auf “Fotosafari” in der Frischfischabteilung:

“Die meisten Touristen kamen erst so gegen 7 Uhr und so konnte ich mich ziemlich ungestört bewegen. Die Marktarbeiter ließen auch gerne zu, dass man sich einmal für einen Moment dazu stellte und sie bei der Filetierung der zum Teil mannsgroßen Thunfische oder beim Ausnehmen jedeweder kleinerer Fische beobachtete – solange man nicht im Weg herumsteht, ist alles in Ordung und sie laden einen sogar dazu ein, einen Reiscracker mitzuessen und ähnliches. Sobald es aber voller wird, ist man beim Photographieren nicht mehr alleine und da die Zwischengänge zum Teil ja nur einen halben Meter breit sind, hat man bei drei Touris auf einem Haufen einen Stau…”

Zurück im Hotel war um 7:45 Uhr ein schnelles Frühstück angesetzt und dann machten wir uns auf den Weg nach Nikko. Umsteigen in Tokyo Main Station ist in der Rush-hour ein echtes Erlebnis. Der Bahnhof ist zwar nicht ganz so stark frequentiert wie Shinjuku, wo täglich 3 Millionen Menschen durchgeschleust werden und den wir uns heute zur abendlichen Rush-hour gegeben haben – aber seine 2,5 Millionen Pendler wird Tokyo Main schon pro Tag verarbeiten.

Nicht scharf aber ganz schön hektisch: Tokyos Hauptbahnhof zur Rush-hour

Nicht scharf aber ganz schön hektisch: Tokyos Hauptbahnhof zur Rush-hour

Nachdem wir unseren Shinkansen gefunden hatten (was hier, ehrlich gesagt, ziemlich simpel ist), ging es Nikko entgegen, der heiligen Stadt, die bereits seit Mitte des 8. Jahrhunderts eine wichtige religiöse Rolle spielt.

Richtig wichtig wurde das Kaff (denn außer den Tempelanlagen ist es das dann doch eher) jedoch in der Edo-Zeit, also mit Beginn des 17. Jahrhunderts. Denn in Nikko wurde der erste Tokugawa-Shogun Ieyasu begraben, der eine 250 Jahre dauernde Herrschaft seiner Sippe eingeläutet hatte.

Wenn man also dorthin fährt, dann vor allem, um Tempel und Schreine anzuschauen – das haben wir gemacht und es war eine wunderbare Abwechslung zum hektischen und quirligen Tokyo. Die religiösen Stätten Nikkos liegen an den Berghängen in dichten Zedernwäldern und wenn man Glück hat und einmal einen der Tempel (oder einen Teil davon) für sich alleine hat, dann hört man außer dem Rauschen der Bäume… nichts. Dann und wann den Schlag einer Tempelglocke oder eine Flöte und hin und wieder das Rauschen eines Flusses, der durch Nikko fließt, aber sonst: nichts.

Idylle im Wald - die Schreine in Nikko

Idylle im Wald - die Schreine in Nikko

Einsame Wege am Taiyuin-Byo

Einsame Wege am Taiyuin-Byo

Natürlich ist man nur in den allerseltensten Fällen mal alleine, denn Schulklassen und Reisebusse werden zu Dutzenden hierher gebracht. Aber weil die Anlagen so schön liegen, ist es kein Problem, sich aus dem Weg zu gehen, wenn man möchte – wenn nicht, dann nicht. Wir wollten nicht immer :)

Zukünftige japanische Fremdenführerinnen bei der Ausbildung - Klassenfahrt nach Nikko

Zukünftige japanische Fremdenführerinnen bei der Ausbildung - Klassenfahrt nach Nikko

Wir wollen nicht viel über die einzelnen Stätten erzählen – wer nach Japan kommt, hat Nikko eh auf dem Programm. Und wenn nicht, sollte er es schleunigst draufsetzen. Spannend ist aber, dass sich hier ein Stil zeigt, der für Japan an sich ungewöhnlich ist und einen starken chinesischen Einfluss offenbart: In Nikko sind die Verzierungen an den Schreinen und Tempeln sehr figürlich, während sie ansonsten in Japan eher reduziert und abstrakt gehalten sind.

Opulente Verzierungen am Tosho-gu

Opulente Verzierungen am Tosho-gu

Figuren, wohin man schaut - Detail eines Tempeltores im Tosho-gu

Figuren, wohin man schaut - Detail eines Tempeltores im Tosho-gu

...und noch ein Detail...

...und noch ein Detail...

In Nikko hat auch ein sehr berühmtes Bild seinen Ursprung, das eigentlich die drei Prinzipien des Tendai-Buddhismus versinnbildlicht, aber längst ein Eigenleben entwickelt hat:  

Nichts Böses hören, nichts Böses sehen oder sagen

"Nichts Böses hören, nichts Böses sehen oder sagen" - die drei Affen von Nikko

Bekannt ist Nikko auch für die Shin-Kyo, die rote Brücke, die so viele Bilder von Japan ziert und die eigentlich nur für Mitglieder des kaiserlichen Hofs und hohe Militärs gedacht ist – aber mittlerweile darf man da auch als Touri mal drauf.

Die Brücke am Daiya - ein schönes Bild für das Japan der Edo-Zeit

Die Brücke am Daiya - ein schönes Bild für das Japan der Edo-Zeit

Der Lonley Planet empfiehlt, sich zwei Tage in Nikko aufzuhalten – keine Ahnung, was man da alles anfangen soll. Wir haben uns die heiligen Stätten erwandert, sie in aller Ruhe genossen und uns am Nachmittag wieder zurück nach Tokyo gemacht. Es war schön, aber es war auch ausreichend für den ersten Eindruck, den wir ja bekommen wollten.

Nach einem Besuch der Aussichtsplattform im 45. Stock der Tokyo Metropolitan Government Offices (=des Rathauses) – keine Großstadt ohne Bild von oben – waren wir nicht mehr sonderlich kreativ für das Abendessen. Unser bestes Sushi musste für einen zweiten Abend den Standard halten – und das haben die Jungs hinter der Theke des Midori locker geschafft. Während Melissa sich dieses Mal mit einer etwas kleineren Portion begnügte, wählte Sebastian ein Tuna Special, um im Anschluss noch eine Runde Maki mit Lachs, Lachs- und Flyingfish-Rogen zu vertilgen (”Wer weiß, wann wir so etwas wieder vorgesetzt bekommen…”). Und sogar ein Photo haben wir noch geschossen:

Die Ultimate Platte im Midori - Sushi-Freude für 2.100 Yen

Die Ultimate Platte im Midori - Sushi-Freude für 2.100 Yen

Einen Nachtrag zum letzten Besuch müssen wir leisten: Die vermutete rohe Muschel waren in Wirklichkeit Lachsrogen, allerdings in ihrer ursprünglichen, unbehandelten Form direkt aus dem Fisch…. aber es war wirklich lecker.

Tokyo III – Mangas im Regen

Heute war ein ziemlich erholsamer Tag – wir haben es heute einmal unterlassen, schon um 7.00 Uhr auf der Matte zu stehen und im Laufe des Tages hat dann auch der mit Nachdruck einsetzende Regen dafür gesorgt, dass wir es ruhiger angehen ließen.

Geplant war heute ein Besuch im Akihabara Electric Town und in Shinjuka. Außerdem wollten wir in den Yoyogi-Park, um uns die Cosplay-zoku anzusehen, eine Gruppe weiblicher Teenager, die sich in die wildesten Manga-, Anime- und visual kei-Kostüme schmeißen, um am Wochenende “in einer anderen Welt” zu sein.

Und dann kam der Regen…

Wir hatten in den vergangenen Tagen immer wieder einmal von Einheimischen gehört, dass wir mit dem Wetter unglaubliches Glück hätten. Denn normalerweise ist im Juni Regenzeit und auch wenn diese in Japan eher kurz ist, so kommt’s halt doch in Strömen von oben herunter. Bis heute haben wir davon wenig gemerkt.

Wir machten uns auf den Weg nach Akihabara. Rund um den Bahnhof sind mehrere Straßen zu einem einzigen großen Elektronik-Volksfest zusammengeschmolzen. Man treibt mit Massen junger Japaner durch die Straßen und wird schier überrollt von der Masse des Angebots: Da steht ein 6-stöckiges Elektronikkaufhaus neben einem Manga-Laden neben einem Computerspielegeschäft neben einem Discounter für Anime-Verkleidungen neben einem Elektronikkaufhaus mit 8 Stockwerken neben etc. etc. etc. Und aus jedem dringt eine ohrenbetäubende Mischung aus Rockmusik, europäischen Kindermeldodien, die von japanischen Comichelden gesungen werden, und Werbebotschaften, die per Megaphon von den “Türstehern” verbreitet werden.

Menschen, Manga, Megaphone - Akihabara Electric Town

Menschen, Manga, Megaphone - Akihabara Electric Town

Grundsätzlich ist der Geräuschpegel eines der auffallendsten Dinge, wenn man nach Tokyo kommt. Hier macht alles irgendwelchen Lärm, was zum Teil sicher zur Erleichterung für Sehbehinderte gedacht ist, aber irgendwie doch ein Eigenleben entwickelt hat: Die Ampeln zierpen wie Vögel, Rolltreppen und Lifte sprechen, für Züge gibt es mindestens vier verschiedene Glockensignale (eines bei der Einfahrt, eines vor dem Türenschließen, eines im Zug zur Ankündigung des nächsten Halts und eines beim Anhalten), Ausgänge an Bahnhöfen klingeln, Werbetafeln rufen ihre Botschaften ins Volk, Sicherheitshinweise wiederholen sich in regelmäßigen Abständen und so weiter.

Am extremsten war das in einem der Kaufhäuse im Electric Town, das wir uns von innen angesehen haben. In einem Stockwerk, in dem sonst wirklich und ehrlich kein Mensch war, stand eine einsame junge Dame mit einem Schild und einem Mikrophon in der Hand und redete in einem fort… Werbebotschaften für das leere Stockwerk.

Man muss sich Tokyo ein bisschen wie Los Angeles im Film ”Blade Runner” vorstellen – nicht so bedrückend und dunkel, aber mit der gleichen permanenten Beschallung.

Kaufhaus im Electric Town

Kaufhaus im Electric Town

Als wir wieder in der S-Bahn saßen, um nach Shinjuku zu fahren, konnten wir aus dem Augenwinkel eine Versammlung seltsam gekleideter junger Leute sehen, die sich vor einem Bürogebäude tummelten. Wir kehrten um und gerieten in einen Contest, in dem es offenbar um die besonders gelungene Verkörperung von Anime-Figuren ging.

Anime Contest in Akihabara - El Dorado für Fans und Freaks

Anime Contest in Akihabara - El Dorado für Fans und Freaks

Es war eine bunte Mischung aus Kunstwesen, Zuschauern, ein paar ver(w)irrten Touristen und mehr oder minder professionellen Photographen, die da unter den Arkaden des Gebäudes gesammelt hatte. Die kostümierten Jugendlichen photographierten sich gegenseitig in Posen, die sie aus Comic-Heften nachstellten. Und man fragt sich dabei schon, ob “kostümierte Jugendliche” eigentlich zutreffend ist, oder ob sie gerade mit den Bildern nicht wirklich eine Art “Gegenwelt” erzeugen wollen.

Images from the real world? Vermenschlichte Comicfiguren.

Images from the real world? Vermenschlichte Comicfiguren.

Es ist naheliegend, sich darüber Gedanken zu machen, ob die Verkörperung von Manga- und Anime-Figuren eigentlich eine moderne Variante der Idee ist, die sich hinter den Geishas verbirgt: Ein Kunstwesen, das bestimmten Ritualen und Regeln folgt und daraus seine Faszination und Attraktivität bezieht. Aber wahrscheinlich gibt es darüber auch schon Tonnen an wissenschaftlicher Literatur…

Kunstwesen Anime - Zugang für einen durchschnittlich begabten Mitteleuropäer schwierig.

Anime-Kunstwesen - Zugang für einen durchschnittlich begabten Mitteleuropäer schwierig.

Nach Shinjuku sind wir dann auch noch gefahren, doch da hatte bereits der Regen eingesetzt, der bis in den Abend andauern sollte. Und weil die Museen eben auch schon um 16 oder 17 Uhr schließen, haben wir den Rest des Tages einfach einmal ausgespannt. Tat auch mal gut.

Morgen geht es nach Nikko.

Der heutige Tag war brutal heiß – die Luft stand hier in der Stadt und hat (zumindest uns) jeden Schritt zu einer Herausforderung gemacht. Wie machen das die Tokyoterinnen bloß, bei diesem Wetter nicht komplett zu “zerfließen”?

Gestern Abend haben wir erfreut festgestellt, dass unser Hotel in wunderbarer Fußwegdistanz zu Ginza liegt: Hier (wie wahrscheinlich in ziemlich vielen anderen Gegenden Tokyos auch) steppt abends der Bär und man bekommt gute Sachen zu essen. Gestern zum Beispiel sind wir über eine Filiale des Itame Sushi gestolpert und hatten viel Spaß an der Bar:

Nettigkeiten an der Bar - die Itamae-Filiale in Ginza

Nettigkeiten an der Bar - die Itamae-Filiale in Ginza

Das Sushi war sehr gut, aber wir wussten ja noch nicht, was uns heute erwarten sollte…

Der Tag begann um 6:00 Uhr, weil wir einen Besuch bei den “fliegenden Fischen” auf dem Tsukiji-Fischmarkt angesetzt hatten. Der Fischmarkt ist der größte der Welt und laut Wikipedia werden hier jeden Tag (!) über 2.000 Tonnen Fisch umgesetzt. Natürlich waren wir um 7 Uhr schon ein bisschen spät, um die wirklich großen Umsätze anzuschauen – wenn also die Paletten mit den tiefgefrorenen ganzen Thunfischen durchgeschleust werden. Aber um diese Zeit sind die kleineren Händler unterwegs und überhaupt wuselt jede Menge Volk durch die engen Gassen der Markthallen:

Enge Gassen, viele Besucher, viel frischer Fisch: Der Tsukiji-Fischmarkt

Enge Gassen, viele Besucher, viel frischer Fisch: Der Tsukiji-Fischmarkt

Kleine Händler in den Hallen

Kleine Händler in den Hallen ...

...mit großen Werkzeugen.

...mit großen Werkzeugen.

Der Geruch ist eine Mischung aus Meer, Fisch, Tee, Zigaretten und Abgasen, denn durch die wirklich schmalen Gänge (die “Hauptverkehrswege” sind maximal 1,80 Meter breit) sausen in halsbrecherischem Tempo kleine Wagen, die die Ware von den Ständen zu den bereitstehenden Lieferwagen / Kühllastern transportieren. Man ist also ständig auf der Hut, nicht in eine der laufenden Bandsägen zu fallen (mit denen die gefrorenen Thunfische zerteilt werden), jemanden mit einem großen Messer bei der Arbeit zu behindern oder einfach nur von einem Motorwagen umgenietet zu werden… kurz: Es ist fantastisch!

@Gunnar: Das ist nicht der Koy, den Du sehen wolltest, oder?

@Gunnar: Das ist nicht der Koy, den Du sehen wolltest, oder?

Wir haben Meeresbewohner gesehen, mit denen wir vorher noch nie zu tun hatten, aber vor allem natürlich die beeindruckenden Tunas:

Ein Blick in die "Schatztruhe"...

Ein Blick in die "Schatztruhe"...

...oder doch in der Auslage?

...oder doch in der Auslage?

Ganz egal - man einigt sich.

Ganz egal - man einigt sich.

Was vom Thunfisch übrigblieb...

Was vom Thunfisch übrigblieb...

Eigentlich hatten wir vor, im Anschluss direkt auf dem Marktgelände Sushi zu essen, allerdings war Melissa’s Appetit zwischenzeitlich etwas zurückgegangen und wir haben diese Erfahrung vertagt – aber nur um ein oder zwei Tage.

Sightseeing in Tokyo ist gar nicht so einfach. Die Stadt hat massive Kriegsschäden erlitten und so ist man mit der Suche nach “historischen Stätten” ziemlich schnell fertig. Wir haben uns den kaiserlichen Palast angeschaut – besser gesagt: eine Brücke davor (weil man in den Palast nur zwei Mal im Jahr hineindarf, denn schließlich lebt der Tenno hier auch) und einen Teil des kaiserlichen Gartens (der, bei aller gebotenen Zurückhaltung, im Vergleich zu dem, was wir in Kyoto gesehen hatten, wirklich nichts besonderes ist).

Das ist, was der Kaiser an normalen Tagen von seiner Wohnung zeigt: Die Brücke hinein...

Das ist, was der Kaiser an normalen Tagen von seiner Wohnung zeigt: Die Brücke hinein...

Danach schauten wir uns das Nationalmuseum an, das wirklich sehenswert ist. Hatte ich erwähnt, dass es sauheiß war? Uns jedenfalls reichten die beiden “historischen” Punkte und wir haben eine ausführliche Pause eingelegt. Sightseeing in Tokyo heißt wohl eher: Nach spannender Architektur, Kunst und Shopping-Möglichkeiten schauen und den Puls dieser Stadt erleben… und das machen wir ab jetzt.

Heute Abend ging es erneut nach Ginza hinein, das mit der Chuo-dori und den angrenzenden Nebenstraßen eine glitzernde Welt voller Leben, Luxus und Lifestyle bietet. Und hier haben wir auch (eher zufällig) eines der besten Sushi-Restaurants der Stadt entdeckt (@Christian: Jawoll, wir haben es gefunden!):

Uns waren bereits gestern die Warteschlangen vor dem Midori aufgefallen und als wir heute abend dort vorbeikamen, haben wir uns angestellt. An dieser Stelle einen herzlichen Gruß und ein dickes Dankeschön an Masako und Sebastian, die mit ihrem kleinen Sohn ebenfalls anstanden und uns davon überzeugten, dass es sich lohnen würde: Es war großartig und die Gespräche beim Sake haben uns viel Freude gemacht.

Das Midori in Ginza gilt nicht zu Unrecht als bestes Sushi-Lokal Tokyos.

Das Midori in Ginza gilt nicht zu Unrecht als eines der besten Sushi-Lokale Tokyos.

Und in die übliche Warteschlange haben wir uns eingereiht - die halbe Stunde hat sich definitiv gelohnt

Und in die übliche Warteschlange haben wir uns eingereiht - die halbe Stunde hat sich definitiv gelohnt

Wir aßen ein Ultimate und ein Special Sushi-Assortment, wie es auf der dankenswerterweise auch in englisch vorliegenden Karte hieß, und begannen mit einer halbgegarten Garnele, deren Innenleben man “auszuttzelt” – speziell, aber spannend. Und dann folgte das beste Sushi, das wir bislang hatten: Nigiris mit Garnele und Kaviar, Jakobsmuscheln (die einem die Tränen in die Augen trieben), Makrele, Omlette, Krabbe und mit verschienden Thunfischarten, die so zart waren, dass sie auf der Zunge zergingen. Es folgten Maki mit Seeigelrogen und rohen Muscheln und ein Unagi, also Aal mit süßer Soße. Das Vergnügen endete mit einer “Waffel” aus Seetang, gefüllt mit Reis und Thunfischtartar.

Und weil wir so begeistert waren, gibt es leider auch nur zwei Photos – beim Rest haben wir über den Genuß das Photographieren einfach vergessen…

Der beste Platz ist doch immer noch an der Theke

Der beste Platz ist doch immer noch an der Theke

Eine Tüte voller Genuss

Eine Tüte voller Genuss

Morgen steht Tokyo als Stadt der Elektronik auf dem Programm.

Heute sind wir in Tokyo angekommen und damit wieder “internet-fähig”. Und weil wir gestern nicht schreiben konnten, gibt’s heute ein paar Bilder mehr.

Nach vier Tagen Kyoto ging war es gestern „auf’s Land“. Ziemlich historisch haben wir einen kleinen Teil des alten Postwegs zwischen Tokyo und Kyoto besucht: den Nakasendo. Hier ist besonders das Teilstück zwischen den beiden „Städten“ Magome und Tsugamo zum Erwandern ausgebaut. Unsere Planung sah vor, dass wir per Zug und Bus bis Magome fahren, in der dortigen Touristeninfo unsere Koffer abgeben, die dann per Shuttle-Bus nach Tsumago verfrachtet werden, und uns selbst per Pedes auf den Weg machen.

Das funktionierte nur bedingt: In Magome mussten wir feststellen, dass der Gepäck-Shuttle nur an Wochenenden funktioniert. Die unglaublich hilfsbereite Mitarbeiterin der Touristeninfo, die (by the way) die seltsamste Lache hatte, die wir seit langem gehört haben, bot uns gar an, die Koffer in ihrem Privatwagen zu transportieren, aber das wollten wir nun wirklich nicht annehmen. Also haben wir uns (und die Koffer) in ein Taxi gesetzt und sind nach Tsumago gefahren. Unterwegs haben wir den Nakasendo mehrfach gekreuzt – und je häufiger, desto mehr haben wir uns zu der Entscheidung „Taxi“ gratuliert: Es ging steil bergauf, genauer gesagt: von 600 auf 800 auf 420 Höhenmeter in 7,8 Kilometern. Und das bei sengender Hitze… Glück gehabt :o )

Magome und Tsumago sind touristisch besonders hergerichtet, so dass man beim Anblick der Häuser ein Gefühl dafür bekommt, wie es hier zur Edo-Zeit ausgesehen hat.

Jetzt wissen wir, warum sich Japaner in der Drosselgasse so wohl fühlen...

Jetzt wissen wir, warum sich Japaner in der Drosselgasse so wohl fühlen...

...in Magome ist es nämlich genauso pittoresk

...in Magome ist es nämlich genauso pittoresk

In Tsumago kann man einige der Gasthäuser besichtigen. Dabei fällt die unglaubliche Variabilität auf, die durch die Papier-Schiebewände entsteht. Im Prinzip kann man das komplette Erdgeschoss der Häuser in einen großen Raum verwandeln – oder aber in viele abgeschlossene Kammern, je nach Bedarf.

Waki-honjin: Altes Gasthaus auf dem Postweg in Tsumago...

Waki-honjin: Altes Gasthaus auf dem Postweg in Tsumago...

...mit entzückendem Garten - hier der eine...

...mit entzückendem Garten - hier der eine...

...und hier der andere.

...und hier der andere.

Unsere Übernachtung war im Ryokan Fujioto gebucht. Ryokans sind klassische japanische Gasthäuser, eben auch mit Papierwänden, Tatami-Matten auf den Fußböden, Etagen-Toiletten und „Gemeinschaftsbädern“, die man aber privat nutzen kann. Häufig sind auch zwei Mahlzeiten im Preis inbegriffen: Dinner zu einer festen Uhrzeit (18:00 Uhr) und Frühstück. Und um 22:00 Uhr gilt: Licht aus und Ruhe im Haus.

Wir hatten es mit den Fujioto sehr gut getroffen: Ein beeindruckendes Zimmer mit wunderbarem Blick auf den Innengarten einerseits und die umliegenden Berge andererseits, einen Onzen (=eine japanische Badewanne, die wirklich extrem heiß ist – wir haben es nicht im Wasser ausgehalten!) und ein besonderes Abendessen.

Unser Ryokan in Tsumago

Unser Ryokan in Tsumago

Der Vorgarten (!)

Der Vorgarten (!)

Unser Zimmer...

Unser Zimmer...

...mit Blick auf den Innengarten...

...mit Blick auf den Innengarten...

...und auf die umliegenden Reisfelder.

...und auf die umliegenden Reisfelder.

Zum Abendessen zwei Dinge vorweg: Ja, Sebastian hat Wespenlarven gegessen! Und: Nein, sie schmecken nicht nach Hühnchen…

Wir starteten mit Yamanosachi Gozen, einer in Salz gebratenen Miniforelle aus dem örtlichen Teich – auch die kann man mit Stäbchen essen, sogar sehr gut.

Die Vorspeisen: oben die gebratene Forelle, unten die Teller mit den Leckereien

Die Vorspeisen: oben die gebratene Forelle, unten die Teller mit den Leckereien

Dazu gab es Forellen-Sashimi aus eben demselben Teich, die wunderbar frisch schmeckte. Und einen Teller mit kleinen Besonderheiten: rohe Zuckerschoten, grüne Bohnen, ein Tofubällchen, Brechbohnen und Aubergine als Tempura zubereitet und eben die Larven einer Lehmwespenart, die angebraten bzw. gekocht und als “hachi-no-ko” serviert werden. Melissa wollte dann doch lieber verzichten, aber Sebastian hat sie wacker probiert – und als sie gut schmeckten, auch komplett verzehrt.

Hachi-no-ko, gekochte Wespenlarven

Hachi-no-ko, gekochte Wespenlarven

@Reinhold und Nicole: Amelie würde jetzt wohl sagen: "Bist Du eklig, ich brech' gleich!" - aber in Wirklichkeit schmecken die Dinger ganz gut.

@Reinhold und Nicole: Amelie würde jetzt wohl sagen: "Bist Du eklig, ich brech' gleich!" - aber in Wirklichkeit schmecken die Dinger ganz gut.

Hauptgänge waren Hoba Miso Teishoku, am Tisch in Misosuppe und mit einem Magnolienblatt zubereitetes Gemüse, das man zum Reis isst (hm!), dazu eine Miso-Suppen-Variante und verschiedene eingelegte Gemüse.

Suppe, Gemüse und Sättigungsbeilage - fast wie in der deutschen Küche

Suppe, Gemüse und Sättigungsbeilage - fast wie in der deutschen Küche

Und es schmeckte.

Und es schmeckte.

Dem folgte ein Goheimochi, eine lokale Spezialtät, die aus einem in Soja-Nuss-Soße marinierten und gegrilltem Reiskuchen besteht.

Sieht aus wie ein überdimensionierter Reiskuchenlolli und schmeckt ganz großartig.

Sieht aus wie ein überdimensionierter Reiskuchenlolli und schmeckt ganz großartig.

Und weil wir immer noch nicht geplatzt waren, gab es eine kleine Portion kalte Buchweizennudeln ebenfalls kalter würziger Tunke und als Nachtisch einen süßen Pudding aus Getreide. Wow!

Kalte Buchweizennudeln mit pikantem Dip...

Kalte Buchweizennudeln mit pikantem Dip...

... und Pudding zum Nachtisch. Tja!

... und Pudding zum Nachtisch. Tja!

Wir schliefen auf Futons und mit Kirschkernkopfkissen überraschend gut und machten uns nach einem herzhaften japanischen Frühstück heute morgen auf den Weg nach Tokyo: Vielen Dank, Fujioto!

Für Tokyo stellvertretend nur ein Bild:

Streetlife in Ginza

Streetlife in Ginza

Wir sind angekommen im modernen Japan – und morgen früh wartet der Fischmarkt auf uns.

Kyoto IV – Für Geist und Körper

Die gestrige Rallye hat heute ihren Tribut gefordert - der Wecker um 7.00 Uhr wurde schnöde ignoriert, so dass wir erst zu einer normalen Touri-Zeit auf der Bahn waren. Aber auch wenn heute der letzte Tag hier war, haben wir es doch etwas entspannter angehen lassen. Die Entscheidung, dass wir sicher noch einmal nach Japan und damit auch nach Kyoto kommen werden, ist eh gefallen und insofern laufen uns die Sehenswürdigkeiten nicht davon.

Vielleicht haben wir aber auch nur heute Nacht etwas zu lange über die Bedeutung dieses Schilds nachgedacht, das wir gestern im Nijo-ji gesehen hatten:

Hilfe bei der Übersetzung willkommen: Wir wussten nicht, wie wir uns richtig verhalten sollen...

Hilfe bei der Übersetzung willkommen: Wir wussten nicht, wie wir uns richtig verhalten sollen...

Seltsamerweise waren die heutigen Sehenswürdigkeiten nur bedingt von ”langnasigen” Touristen besucht, dafür aber umso mehr wieder einmal von japanischen Schulklassen. Unser erster Stopp war der To-ji Tempel, dessen Pagode das Wahrzeichen von Kyoto ist. Gegründet wurde der Tempel bereits 794 (!), aber die heutigen Gebäude stammen zum Großteil aus dem 17. Jahrhundert, weil 14irgendwas ein großer Brand das meiste ins Schutt und Asche legte. Die Buddhas in der Haupthalle sind sehr sehenswert – wir haben sie natürlich nicht photographiert, weil sie weiter im zeremoniellen Gebrauch sind. Der To-ji ist übrigens auch ein UNESCOWKE.

Wahrzeichen Kyotos - die Pagode des To-ji

Wahrzeichen Kyotos - die Pagode des To-ji

Im Garten des Tempels trafen wir einen jungen japanischen Photographen, der mit einer Geisha offenbar für Auftragsarbeiten unterwegs war. Unsere Reaktion auf die Geisha war dabei ganz unterschiedlich zu unserem ersten Tag hier: Denn während wir am Sonntag noch voller Begeisterung die Kameras zückten, wenn eines dieser “Kunstwesen” auftauchte, so nahmen wir das heute eher zur Kenntnis. Denn in den vergangenen Tagen haben wir einige Damen gesehen und so faszinierend sie als “Kunstprodukt” weiterhin sind – der Zauber und der Reiz des Geheimnisvoll-Außergewöhnlichen gehen eben doch ein bisschen verloren, wenn man sieht, dass sie eigentlich sehr profan für jeden Hobbyphotographen “zu mieten” sind und sie damit auf das Äußere reduziert werden.

Rent-a-Geisha. War auch früher schon so, aber die Art der Unterhaltung hat sich doch stark gewandelt.

Rent-a-Geisha. War auch früher schon so, aber die Art der Unterhaltung hat sich doch stark gewandelt.

Weiter ging es zum Tofuku-ji, der trptz seiner enormen Ausdehnung etwas versteckt liegt. Auf dem Weg dorthin ist uns wieder einmal die überwältigende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Japaner aufgefallen: Eine Dame, die an uns vorbeilief und die wir nach dem Weg fragte, machte kehrt und brachte uns faktisch bis vor den Eingang des Tempels – für sie sicher ein Umweg von 10 Minuten.

Der Tempel selbst ist wegen mehrerer Dinge berühmt. Zum einen hat er einen wunderbar angelegten Laubbaumgarten, der im Herbst in den schönsten Farben leuchten soll – nun, es ist noch nicht Herbst, aber der Garten ist eine Pracht (@Reinhold und Nicole: Sorry, aber die Gärten müssen einfach sein :) ):

Eingan zum Garten des Tofuku-ji

Eingan zum Garten des Tofuku-ji

Brücke des Himmels - Überdachter Weg von der Haupthalle in den Garten des Tofuku-ji

Brücke des Himmels - Überdachter Weg von der Haupthalle in den Garten des Tofuku-ji

Zum anderen wird die Meditationshalle an allen vier Seiten von kleinen Gärten umgeben, was für Tempel dieser Art ungewöhnlich ist.  Der Steingarten jedenfalls ist sehr sehenswert, obwohl nicht so faszinierend wie der Garten des Ryoan-ji, den wir gestern besuchten. Das mag daran liegen, dass für diesen Garten, der 1938 erst in seiner jetzigen Form angelegt wurde, auch Erklärungen vorliegen und er damit eben nicht mehr das Unbestimmt-Abstrakte hat, das den Garten Ryoan-ji so besonders macht.

Nicht so abstrakt, aber sehr meditativ: Steingarten im Tofuku-ji

Nicht so abstrakt, aber sehr meditativ: Steingarten im Tofuku-ji

Und schließlich ist der Tempel für sein Zen-Tor berühmt, das das älteste Japans ist.

Von 1425: Das älteste Zen-Tor Japans

Von 1425: Das älteste Zen-Tor Japans

Dieses Tor ist groß – aber nicht so groß wie das des Choen-in Tempels, den wir heute dann doch endlich einmal offen erleben konnten. Hier das versprochene Bild:

34 Meter hoch: Das ist das Größte in Japan!

34 Meter hoch: Das ist das Größte in Japan!

Natürlich war der Choen-in nicht ganz offen, denn die Gründungshalle wurde (na?) renoviert (genau!). Auch in diesem Tempel ist der Nachtigallenboden verbaut worden, über den wir gestern bei der Burg von Kyoto berichtet haben. Ansonsten ist die Anlage ziemlich überdimensioniert – anscheinend muss in diesem Tempel alles eine Nummer größer sein als anderswo (hier gibt es auch die größte Tempelglocke, die nur von 17 Mönchen zusammen überhaupt zum klingen gebracht werden kann).

Schön groß hier: Der Choen-in hat geöffnet.

Schön groß hier: Der Choen-in hat geöffnet.

Damit waren die Tempel für heute abgehakt und wir haben uns den weltlichen Genüssen genähert: dem Nishiki-Food-Market. Was wir noch nicht kannten, haben wir probiert (ok, die Wasserflöhe und noch ein oder zwei andere Sachen haben wir weggelassen) und es hat großartig geschmeckt:

Frittierter Fischteig mit allem möglichen...

Frittierter Fischteig mit allem möglichen...

...lecker!

...lecker!

Sieht seltsam aus: Eingelegtes Gemüse - haben wir aber bei anderer Gelegenheits schon mal gegessen. Schmeckt deutlich besser.

Sieht seltsam aus: Eingelegtes Fleisch - haben wir aber als Gemüse bei anderer Gelegenheits schon mal gegessen. Schmeckt deutlich besser.

 

Azuki-Bohnenpaste in allen Geschmacksrichtungen: Macht schon vom Hinschauen satt!

Azuki-Bohnenpaste in allen Geschmacksrichtungen: Macht schon vom Hinschauen satt!

  

Feine Leckerei: Eine Art Pancake mit Azuki-Füllung. Klingt mächtig, schmeckt aber mächtig gut!

Feine Leckerei: Eine Art Pancake mit Azuki-Füllung. Klingt mächtig, schmeckt aber mächtig gut!

So gesättigt reichte uns eine wunderbare Bento-Box Sushi in aller Ruhe heute abend auf dem Zimmer. (@Christian: Ja, der Fischmarkt in Tokyo wartet schon auf uns – so einen Langnasen-Einfall erleben die bestimmt nicht so häufig…)

Und morgen geht es weiter nach Tsumago, wo eine Nacht in einem Ryokan auf dem alten Nakasendo-Postweg auf uns wartet. Internet wird dort schwierig, wir melden uns am Freitag aus Tokyo.

Uff!

Heute sind wir tatsächlich um 7:00 Uhr zumindest aufgestanden, um dann um kurz nach 8:00 Uhr vor der ersten Sehenswürdigkeit zu stehen. Denn heute war “world heritage rallye day” oder einfacher gesagt: So viele UNESCO-Weltkulturerbestätten wie machbar in einem Tag.

Wir haben 6 Stück geschafft.

Als erstes war der Higashi-Honganji Tempel angesetzt. Selbst kein UNESCOWKE (UNESCO-Weltkulturerbe, der Einfachheit halber mal abgekürzt) ist er eigentlich untrennbar mit dem nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Nishi-Honganji Tempel verbunden. Beide wurden um 1600 von Toyotomi Hideyoshi gegründet (der Higashi später und als ”Gegentempel” zum Nishi) und sind Tempel der Jodo-Shinshu-Schule, die ziemlich einflussreich war. Das alles wüsste man in Ansätzen auch ohne Reiseführer, wenn man die Tempel gesehen hat: Die sind so groß und massig, dass die dahinterstehende Schule ordentlich Mittel zur Verfügung gehabt haben muss (vulgo: ziemlich mächtig war).

Lange Vorrede, kurze Besichtigung: Der Higashi (das heißt übrigens schlicht und einfach: “Osten”) war komplett eingerüstet, wie so einiges in Kyoto, und insofern nicht zu sehen und auch im Nishi (was wenig überraschend “Westen” bedeutet) war die Gründerhalle (der Goe-Do) in Restauration. Aber immerhin ein Photo aus dem UNESCOWKE Nishi haben wir gemacht:

Das schaut einen von der Unterseite der Deckenlampen im Nishi-Hongaji an

Das schaut einen von der Unterseite der Deckenlampen im Nishi-Hongaji an

Von dort ging es per Bus zum nächsten WKE-Stopp, dem Nijo-jo,der 1603 erbauten Burg Kyotos. Die schieren Ausmaße dieses Komplexes sind schon beeindruckend:

Überblickt nur einen Teil der Anlage: Auf dem Nordwest-Turm der inneren Burg

Überblickt nur einen Teil der Anlage: Auf dem Nordwest-Turm der inneren Burg

Und auch die Mauern zeugen von einer gewissen Wehrhaftigkeit, die allerdings eher als Machtdemonstration gedacht war:

Dick=stark=mächtig - einfache architektonische Gleichung zum Beginn der Edo-Zeit

Dick=stark=mächtig - einfache architektonische Gleichung zum Beginn der Edo-Zeit

Wesentlich interessanter, aber in unserem Blog wegen des Fotoverbots im Innern der Burg nicht darstellbar, ist der Boden, der die Versammlungsräume umgibt. Er ist als sogenanntes “Nachtigallen-Parkett” gearbeitet, was bedeutet, dass er Geräusche wie Vogelstimmen erzeugt, sobald jemand darüberläuft (oder auch schleicht) – ein ziemlich wirksamer Trick gegen sich anschleichende Attentäter.

Wieder in den Bus, nächstes UNESCOWKE war der Kinkakuji Tempel, der auch der “goldene Tempel” genannt wird. Keine Ahnung, woher der Name kommt…

Der ist wenigstens golden - was man in der Entsprechung vom Silbernen Tempel (siehe gestern) nicht behaupten kann

Der ist wenigstens golden - was man in der Entsprechung vom Silbernen Tempel (siehe gestern) nicht behaupten kann

Diese Anlage ist, wie eigentlich alle, die wir angeschaut haben, wunderbar eingebettet in eine Garten, verschiedene “Vorgärten” und “-höfe”, deren genaue religöse Funktion uns (noch) nicht bekannt ist, deren spirituelle Atmosphäre man aber in jedem Fall (und gleich welcher Glaubensrichtung man angehört) deutlich wahrnimmt.

Glocke im Kinkakuji Tempel

Glocke im Kinkakuji Tempel

An allen WKEs waren wir in enger Begleitung mehrerer Schulklassen, die offenbar ebenfalls Japans cultural heritage auf dem Stundenplan hatten. Zum Teil in traditionellen Gewändern werden die Gruppen von einem Lehrer, einer Fremdenführerin und einem professionellen Fotografen (!) begleitet. Letzteres hindert nicht am Possieren vor den mitgebrachten Digicams:

"Schulmädchen vor Tempel" kann auch so aussehen

"Schulmädchen vor Tempel" kann auch so aussehen

Ein Höhepunkt heute war sicher der Ryoan-ji, dessen Steingarten aus dem 15. Jahrhundert ein wirkliches Faszinosum ist. Diese Gärten dienen ja vor allem der ästhetischen Betrachtung und damit verbunden einer spirituellen Erfahrung. Und es gibt genaue Regeln, wie man sie betrachten sollte – im Ryonji zum Beispiel gibt es vier Positionen, von denen man aus das “Steinbeet” betrachten sollte, und keine der Positionen “erklärt” den Garten wirklich komplett. So weit, so schön – Nachteil für uns: Auch hier wurde gebaut…

Gleichwohl geben die Bilder zumindest ein ganz bisschen einen Eindruck, wie der Garten wirkt:

Einblick in eine andere Welt: Steingarten im Ryon-ji

Einblick in eine andere Welt: Steingarten im Ryon-ji

Detail im Steingarten

Detail im Steingarten

Auch das ist Zen: Wasserbecken im Garten des Ryon-ji

Auch das ist Zen: Wasserbecken im Garten des Ryon-ji

Natürlich ist der Garten um das Hauptgebäude, in dem sich das Steinbeet befindet, wunderbar angelegt und voller kleiner Überraschungen. Das folgende Tor etwa steht auf einer kleinen Insel in einem riesigen Teich voller Koys und Seerosen in voller Blüte.

Versteckte Schönheiten im Garten des Ryoan-ji

Versteckte Schönheiten im Garten des Ryoan-ji

Nächster Stop auf der WKE-Route war der Ninna-ji, der bereits 842 gegründet wurde. Auch hier ist die Größe der Anlage beeindruckend und insbesondere die Pagode ein echter ”Hingucker”:

Trohnt etwas abseits der Hauptrichtung: Pagode im Ninna-ji

Trohnt etwas abseits der Hauptrichtung: Pagode im Ninna-ji

Blick über die Hauptweg des Tempels bis zur Stadt

Blick über die Hauptweg des Tempels bis zur Stadt

Fiese Type: Tempelwächter im Ninna-ji

Fiese Type: Tempelwächter im Ninna-ji

Mit dem Tenryu-ji haben wir unsere Runde beendet. Und wieder einmal war der Garten die eigentliche Hauptsache, auch wenn wir mittlerweile ziemlich “gesättigt” waren mit den Eindrücken und Perspektiven, die wir bis dahin aufgenommen hatten. Erstellt im 14. Jahrhundert ist das erneut ein Landschaftsgarten, der mit Teichen, Wäldern, Brunnen und scheinbarem Dschungel aufwartet, in dem aber jedes noch so zufällige Detail eben doch eine Bedeutung hat.

Hier hatte es die dicksten Fische: See des Tenryu-ji

Hier hatte es die dicksten Fische: See des Tenryu-ji

Letzter Blick voll Ehrfurcht: Den Tenryu-ji verlässt man durch einen riesigen Bambuswald

Letzter Blick voll Ehrfurcht: Den Tenryu-ji verlässt man durch einen riesigen Bambuswald

Danach waren wir platt – und, wie gesagt, satt von den Eindrücken dieser Monumente. Das hatte allerdings auch etwas für sich, denn essenstechnisch sind wir heute etwas verratzt – nichts außergewöhnliches, experimentelles oder aufregendes, sondern einfach einen Teller Udon (Nudeln), die so lala schmeckten. Deshalb auch kein Bild davon – wir haben ja einen Ruf zu verlieren…

Kyoto II – Gärten und kein Ende

Auch der zweite Tag hier in Kyoto war mit intensiven Fußmärschen verbunden… und doch haben wir erst einen Bruchteil davon gesehen, was hier eigentlich “auf dem Programm” steht.

Der Tag begann sehr verregnet, erst gegen 11 Uhr war überhaupt daran zu denken, dass wir uns auf den Weg machen. Zuvor hatten wir versucht, eine Reinigung für ein paar T-Shirts und eine Hose zu finden: Glücklicherweise erläuterte uns die Dame bei der Annahme, dass die Sachen erst am 3. Juli fertig sein würden – dann hätte sie es uns nach Australien nachsenden müssen. 14 Tage für T-Shirts… so schmutzig waren die Sachen nun auch nicht :)

Mit dem Ginkakuji-Tempel hatten wir gleich ein UNESCO-Weltkulturerbe als ersten Stopp ausgesucht. Den sogenannte Silbernen Tempel konnten wir allerdings nicht direkt besichtigen, weil er schon seit 2008 und noch bis 2010 renoviert wird (der muss also richtig schmutzig gewesen sein ;) ). Der Garten des Ginkakuji hat uns dafür allerdings mehr als entschädigt. Schon der Eingang zum eigentlichen Tempel ist ein “Korridor in eine andere Welt” – ein heckengesäumter Gang zwischen erstem und zweitem Tor sollte genau diese Funktion erfüllen und ist in seiner Art wohl ziemlich einzigartig in Japan:

Der Weg in die andere Welt - Tempeleingang zum Ginkakuji

Der Weg in die andere Welt - Tempeleingang zum Ginkakuji

Der Tempel selbst stammt aus dem 15. Jahrhundert und seine Gartenanlage gilt als eine der kunstvollsten und harmonischsten in ganz Kyoto.

Fassade im Ginkakuji

Schön von außen...

...berückend von innnen...

...berückend von innnen...

Philosophisches Rechen: Der Steingarten im Ginkakuji
…und ein philosophischer Steingarten in der Mitte: der Ginkakuji

Der Steingarten wurde in der frühen Edo-Zeit in den Tempel integriert, also irgendwann um 1600 herum – und seither in dieser Form immer wieder neu inszeniert. Das macht dem Kreislauf von Werden und Vergehen ziemlich anschaulich … und verführt einen selbst zu “meditativen” Fotos:

Der Weg im Garten im Ginkakuji

Der Weg der Steine im Garten des Ginkakuji

Uns führte, ganz passend, der Philosophenweg zum nächsten Tempel. Dieser schmale Pfad windet sich am alten Kanal in Kyoto entlang und muss besonders zur Kirschblüte besonders sehenswert sein (wie fast alles in Japan, wenn man den üblichen Reiseführern glauben kann).

Der Honen-in ist nach seinem Gründer Honen benannt - und nach dessen Tod im 13. Jahrhundert auch erst einmal verfallen..

Der Honen-in ist nach seinem Gründer Honen benannt - und nach dessen Tod im 13. Jahrhundert auch erst einmal verfallen..

Der nächste Tempel und vor allem der nächste Garten erwarteten uns im Eikan-do. Sorry, aber auch hier werdet Ihr einige “Gartenbilder” aushalten müssen – der Schwärmerei muss Genüge getan werden:

Das ist nur der "Vorgarten" - ein kleines Steinbeet vor dem Tempeleingang des Eikan-do

Das ist nur der "Vorgarten" - ein kleines Steinbeet vor dem Tempeleingang des Eikan-do

Auch wenn es wild aussieht - die Gärten sind meisterhaft gestaltet...

Auch wenn es wild aussieht - die Gärten sind meisterhaft gestaltet...

...und voll malerischer Ausblicke...

...und voll malerischer Ausblicke...

...malerischer Landschaften...

...betörender Landschaften...

 

...und spannender Perspektiven.

...und spannender Perspektiven.

Eigentlich standen im Anschluss noch zwei weitere Tempel auf dem Programm, der Shoren-in und der Chion-in. Während wir ersteren noch schafften

Nur der Nebeneingang: Der Shoren-in ist von riesigen Kampferbäumen umgeben.

Nur der Nebeneingang: Der Shoren-in ist von riesigen Kampferbäumen umgeben.

und dabei einem japanischen Fotokurs begegneten (Durchschnittsalter: 7o Jahre)

Volle Ausstattung: Hier verdient kein Fotohändler mehr etwas...

Volle Ausstattung: Hier verdient kein Fotohändler mehr etwas...

standen wir beim Chion-in (wie gestern auch) vor verschlossenen Toren – die übrigens beeindruckend sind, denn der Chion-in wird vom größten Tempeltor Japans bewacht. Das zeigen wir, wenn wir dann endlich mal drinnen waren. Denn heute machte uns eine japanische Eigenart einen Strich durch die Rechnung: Sehenswürdigkeiten öffnen hier extrem früh (zum Teil bereits um 6:30 Uhr) – dafür schließen sie aber auch um 16:00 Uhr schon wieder. Für morgen haben wir uns darauf eingerichtet, damit wir nicht wieder vor einem solchen (zugegeben: wunderbar zu lesenden) Schild stehen:

@Karsten: "All your bases are belong to us" ist keine Erfindung des Internets - so spricht man hier manchmal...

@Karsten: "All your bases are belong to us" ist keine Erfindung des Internets - so spricht man hier manchmal...

Ganztätig geöffnet haben hingegen Schreine, von denen wir uns dann auch noch einen (den Yasaka-Schrein, auch genannt: Gion-san) anschauten, bevor wir die Konsumtempel auf der Haupteinkaufsstraße Shijo-dori besuchten.

Auch wenn die spirituellen Tempel geschlossen haben - Konsumtempel haben kundenfreundlichere Öffnungszeiten...

Auch wenn die spirituellen Tempel geschlossen haben - Konsumtempel haben kundenfreundlichere Öffnungszeiten...

Kein Tag ohne Essen! Heute haben wir eine lokale Süßspeise ausprobiert: süße rote Azuki-Bohnenpaste mit Nüssen. Das ist so mächtig, wie es sich anhört. Mit dem kleinen Päckchen, das Sebastian auf dem Foto in der Hand hält, haben wir uns zu Zweit über den Tag satt gehalten:

"leichter Genuss": Azuki-Bohnenpaste. Schmeckt und macht satt.

"leichter Genuss": Azuki-Bohnenpaste. Schmeckt und macht satt.

Ok, danach gab es dann noch für jeden 1,5 Kushitako-Bällchen, das sind kleine frittierte Teigkugeln mit Tintenfisch darin…

Drei für zwei - Frittierte Teigbällchen mit Tintenfisch

Drei für zwei - Frittierte Teigbällchen mit Tintenfisch

…und danach eine warme Mahlzeit in einer Dependance eines der ältesten Nudelläden Kyotos (Honke Owariya gibt es 1465 und sie sind mal Hofliefernat gewesen):

Tempura Kamaage Udon (also Nudeln mit würziger Tunke und frittiertem Gemüse)...

Tempura Kamaage Udon (also Nudeln mit würziger Tunke und frittiertem Gemüse)...

Itawasa (oben: Fischkuchen) und Nabe Yaki Udon (=einfach nur leckere Nudelsuppe)

Itawasa (oben: Fischkuchen) und Nabe Yaki Udon (=einfach nur leckere Nudelsuppe)

Und morgen geht es um 7:00 Uhr los…

Bringt der Wind neue Kunde,
auf die ich warte?
Kieferninsel des Wartens,
der leise sich naht
das Boot einer Fischerin.

Das ist ein Zitat einer alten japanischen Dichtung – die genaue Quelle muss man wohl nachreichen, da wir hier eine Sekundärquelle zitieren (=unseren Reiseführer…). Gleichwohl steht es in seiner Fremdheit ziemlich gut für das, was uns der Tag heute gebracht hat. Und deshalb steht es zu Recht am Anfang unseres Japan-Berichts.

Unterwegs: Ein Ryokan lädt zur Übernachtung ein

Unterwegs: Ein Ryokan lädt zur Übernachtung ein

Nippon ist, das kann man schon jetzt sagen, sicher einer der Höhepunkte unserer Reise. Waren wir gestern noch von der Effizienz der Reiseabwicklung beeindruckt, so sind wir heute in die faszinierende Welt des “alten Japans” eingetaucht – immer schön auf touristischen Pfaden, doch das Schöne hier ist, dass die Touristen hier wie überall auf der Welt sind: nämlich Japaner. 50 Millionen (in Worten: Fünfzig!) Menschen kommen jedes Jahr aus den anderen Teilen des Landes nach Kyoto – was bei einer Gesamteinwohnerzahl von 126 Millionen in etwa so wäre, als würde alles südlich des Weißwurstäquators jedes Jahr Hamburg heimsuchen.

Kyoto haben wir uns erneut erlaufen – sind allerdings längst noch nicht fertig damit und können jetzt schon sagen, dass wir sicher noch einmal wiederkommen werden. Wir folgten einer Fußwegempfehlung aus dem Lonely Planet, die uns durch das südliche Higashiyama führte, das zu den sehenswertesten Teilen der Stadt zählen soll, wenn man denn bei einer UNESCO-Weltkulturerbedichte von 16 wirklich einen Stadtteil hervorheben kann.

Ebenfalls unterwegs: Unbekannter Mönch vor unbekanntem Tempel

Ebenfalls unterwegs: Unbekannter Mönch vor unbekanntem Tempel

Unser erster Weg führte uns durch die sogenannte Teekannengasse hinauf zum Kiyomizu-dera, einem der berühmtesten Wahrzeichen Kyotos. Da heute Sonntag ist, zogen mit uns Heerscharen von (japanischen) Touristen zu diesem Tempel, der neben seinem spirituellen “Alltagsgebrauch” auch mit einigen Features für die Abergläubischen aufwarten kann. So sollte man zunächst einmal die Höhle Tainai-Meguri besuchen, in der man sich im Vertrauen auf die “Perlen Buddhas” in totaler Finsternis bis zu einem “Wunschstein” vortastet.

Das mächtige Hauptor des Kiyomizu Dera ist eines der Wahrzeichen Kyotos

Das mächtige Hauptor des Kiyomizu-dera ist eines der Wahrzeichen Kyotos

Gewaltige Pagode im Innern

Gewaltige Pagode im Innern

Architektonisches Streben nach Harmonie

Architektonisches Streben nach Harmonie

Hauptattraktion für die zahlreichen Jugendlichen (und älteren Paare) sind die Liebessteine. Der Weg zwischen diesen beiden Felsen muss mit geschlossenen Augen zurückgelegt werden: Trifft man den Zielstein, hat man Glück in der Liebe! Und wenn man schon an so etwas glaubt, ist man für die Horoskope und Glücksbringer auch aufgeschlossen, die man drumherum käuflich erwerben kann. Wobei das mit den Horoskopen so eine Sache ist: Wir sahen, wie einige die gerade erworbenen Papiere an einen Ständer knüpften und haben zunächst angenommen, dass es sich dabei um “gute Wünsche” handelt. Weit gefehlt: Wenn man ein schlechtest Horoskop bekommt, wird man es auf diesem Weg elegant wieder los…

Auf dem Weg zu den "Liebessteinen"

Auf dem Weg zu den "Liebessteinen"

"Abwurfstelle" für missliebiege Horoskope

"Abwurfstelle" für missliebiege Horoskope

Kalligraph im Kiyomizu: Hier kann man sich die "Signatur" des Tempels in Bücher, auf Kimonos oder Tücher tuschen lassen

Kalligraph im Kiyomizu: Hier kann man sich die "Signatur" des Tempels in Bücher, auf Kimonos oder Tücher tuschen lassen

Wir sind wohl alles in allem über eine Stunde durch den Kiyomizu-dera gewandert und haben uns nicht satt sehen können an der Architektur, den wunderbaren Gärten, dem Gewusel der Menschen und der “Belebtheit” der Anlage. Heute war ein sehr bildreicher Tag: Melissa ist mit fast 200 digitalen Bildern zurückgekommen und Sebastian hat fast dreieinhalb analoge Filme verschossen…

Vom Kiyomizu-dera führt eine kleine Gasse mit vielen Geschäften wieder zurück in die Stadt. Hier ist angenehm, dass selbst die “Nippes”-Läden auf eine ansprechende Darbietung ihres Sortiments Wert legen und dass der Umgang der Menschen untereinander sehr rücksichtsvoll und höflich ist (zumindest haben wir bisher diese Erfahrung machen können). “In die Stadt” heißt auf dem Rückweg vom Kiyomizu, dass man sich in vielen kleinen, sehr pittoreske Gässchen wiederfindet, in denen heute auch Geishas wandelten. Wir vermuten, dass die Damen von der Stadt finanziert werden, damit sie an Sonn- und Feiertagen in den Gassen flanieren, um das alte Flair des Viertels – hier grenzt das ehemalige “Vergnügungsviertel” Kyotos an – aufleben zu lassen. Faszinierend anzuschauen sind sie allemal:

Nicht nur ein Fotomotiv: Geishas gibt es auch noch als wirklichen Berufstand

Nicht nur ein Fotomotiv: Geishas gibt es auch noch als wirklichen Berufstand

... und auch andere traditionelle Gewänder sieht man häufiger

... und auch andere traditionelle Gewänder sieht man häufiger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein besonders schönes Gässchen ist die Ishibei-koji, die wir auf unserem Walk ebenfalls besuchten. An der Kopfsteinpflasterstraße stehen Wirtshäuser und Ryokans im klassischen japanischen Stil, also zur Straße hin eigentlich verschlossen, doch kann man bei einigen geöffneten Türen einen Blick in die wunderbaren Gärten der Häuser erhaschen:

Verschlossen, aber nicht abweisend: Die Häuser in der Ishibei-koji

Verschlossen, aber nicht abweisend: Die Häuser in der Ishibei-koji...

... und wenn die Türen erst offen sind...

... und wenn die Türen erst offen sind...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Apropos Gärten: Ein weiteres Faszinosum heute waren die wundervoll angelegten Gärten, die wir immer und überall zu sehen bekamen. Sei es in einem Teehaus, in dem wir eine kleine Pause bei kaltem grünen Tee und Melon-Soda mit Vanilleeis (schmeckt echt!) machten…

Goldfischteich? Im Teehaus die Seele baumeln lassen

Goldfischteich? Im Teehaus die Seele baumeln lassen

… oder im Kodai-ji, in dem wir unsere heutige Besichtigungstour beendeten. Einer der großen Landschaftsarchitekten Japans, Kobori Enshu, legte den Garten 1605 an – und während uns heute die Gärten in Sanssouci vielleicht ein bisschen barock vorkommen, ist das hier zeitlos elegant.

Überdachter Wandelgang zum Teehaus im Kodai-ji...

Überdachter Wandelgang zum Teehaus im Kodai-ji

Große Ruhe und Friedlichkeit

Große Ruhe und Friedlichkeit

 

Auch das ist Garten: Bambuswald im Kodai-ji

Auch das ist Garten: Bambuswald im Kodai-ji

Ich merke gerade, dass ich sehr “schwärmerisch” geworden bin in meiner Beschreibung unserer ersten Eindrücke. Aber es ist nicht zu leugnen: Japan hat uns gefangen genommen und wir sind gespannt, was die nächsten Tage bringen werden.

Gutes Essen ist sicher dabei.

Unser Abendessen: Tempure Menü...

Unser Abendessen: Tempure Menü...

...und Yellowfin-Terijaki im Restaurant Asuka: Lecker!

...und Yellowfin-Teriyaki im Restaurant Asuka: Lecker!

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