9. Rückflug

You are currently browsing the archive for the 9. Rückflug category.

Die Heimat hat uns wieder… und obwohl wir uns durch den Sonntag quälten, hat uns der Jetlag dann doch erwischt. Aber vielleicht ist es ja keine schlechte Art des Nach-Hause-Kommens, sich die schlafende Stadt um 4 Uhr Nachts anzuschauen. (@Rudi: Vielleicht sollten wir auch Tomaten sortieren – ist das wie “Schäfchen-zählen” und wird man davon müde??)

Frankfurt, 4 a.m.: the city sleeps - wir nicht.

Frankfurt, 4 a.m.: the city sleeps - wir nicht.

Der Stop-over in Los Angeles hatte noch einmal viel Spaß gemacht und als wir am Samstag Mittag dann in den Flieger stiegen, war da zum ersten Mal seit 8 Wochen keine Spannung, was uns am Ziel erwarten würde, sondern einfach die Freude, nach Hause zu kommen.

Der Flug war kurzweilig und für die Foodies wollen wir natürlich nicht verpassen, die Menufolge noch einmal nachzuzeichnen. Offenbar war das Gejammer über die wenig ansprechende Darbietung des Essens beim letzten Mal angekommen, denn das Essen von Jacques Sorci (Restaurant “2 West” im Ritz Carlton Battery Park, New York) kam deutlich “augenschmackhafter” daher.

Wir starteten mit mariniertem Lachs, gehobeltem Fenchel, Gurke und Joghurt mit Minze…

Rückflug Vorspeise

um im Hauptgang einen gebratenen Seesaibling mit roten Balsamico-Zwiebeln, neuen Kartoffeln, dicken Bohnen und Meerrettichsauce zu genießen.

Rückflug Hauptgang

Als Nachtisch gabe es Madeleines mit Erdbeeren und Schlagsahne…

...aber die hatten leider schon das Zeitliche gesegnet, bevor die Kamera scharf gestellt hatte :)

...aber die hatten leider schon das Zeitliche gesegnet, bevor die Kamera scharf gestellt hatte :)

Der Rückflug war natürlich auch der Abschied von acht Wochen “on the beaten track”, die wir sehr genossen haben. Wir verließen Frankfurt am 15. Juni in östlicher Richtung und landeten gestern aus Westen kommend. Dazwischen liegt die Welt und dazwischen liegen wundervolle Erfahrungen, die wir machen durften, und die uns in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten sicher immer wieder beschäftigen werden.

Könnten wir ein Ranking für die Plätze machen, die wir gesehen haben? Ja und Nein. Denn letztlich waren es doch gerade die Differenzen und Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Stationen, die den Reiz unserer Reise ausgemacht haben: So können wir nicht an Japan denken, ohne nicht das chaotische Hong Kong vorher und das fast menschenleere (und eiskalte) Outback im Anschluss mit zu erinnern. Der Grand Canyon ist immer auch verbunden mit dem Blick in die Blue Mountains und wenn wir über Brücken sprechen, werden wir wohl von nun an den Blick von der Harbour Bridge auf das Opernhaus in Sydney im Kopf haben und die Nebelbänke um die Golden Gate. Macau und Las Vegas ließen uns taumelnd zurück, die schroffen Klippen der Coromandel fanden wir in Big Sur wieder und beim Blick auf die Urwaldriesen in Tortuguero erinnerten wir uns an die Kauri-Titanen im Waipoua-Forrest. Wir nutzten fast alle zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel (außer Luftschiffen und U-Booten) und  ”erfuhren” und “erliefen” uns unsere Ziele.

Wir haben uns um die Welt gegessen und damit neben den Bildern im Kopf auch ein “Olfaktorium” der wunderbaren Städte eingesogen, in denen wir waren, und eine Reise des Geschmacks erlebt.

Und wir haben in Euch allen großartige Begleiter auf unseren Wegen gehabt. Es hat uns Freude gemacht, Eure Kommentare und damit Eure Teilnahme an den “Abenteuern auf ausgetretenen Pfaden” zu lesen. Vielen Dank dafür.

Nichts von alledem lässt uns unberührt zurück.

Wir hatten gestern bereits geschrieben, dass der Tag in L.A. eigentlich ein stopp-over auf dem Weg nach Hause ist. Folgerichtigerweise lief der heutige Tag unter dem Stichwort “Pause auf der Heimreise”.

Wir haben die Pause genutzt, um uns in L.A. umzusehen. Und um die Petrolheads gleich zu beruhigen: Dieses Mal waren wir auf zwei Rädern unterwegs und weil wir im Mutterland der Big Twins sind, musste es eine Harley sein. Wir buchten eine Fat Boy und bekamen eine Heritage Softail…

Immerhin haben wir auf diesem Bild doch einen Fat Boy... wenn auch nur AUF der Heritage Softail...

Immerhin haben wir auf diesem Bild doch einen Fat Boy... wenn auch nur AUF der Heritage Softail...

…was uns aber nicht weiter verdross. Verdrießlich war allenfalls, dass direkt vor uns eine Gruppe schwedischer Moppedabhängiger bei Verleih auftauchte und erst einmal 27 Maschinen abholte, was uns eine Wartezeit von 1,5 Stunden bescherte. Es bescherte uns aber auch einen sehr netten Plausch mit zwei Amerikanern, die mit uns warteten und uns gleich auf eine Tour über den Highway 1 einladen wollten…

Diese Erfahrung begleitete uns den Tag über: Immer wieder kamen wir mit Big Twin-Aficionados in’s Gespräch. Es ist doch eine große länderübergreifende (und mittlerweile weitgehend grauhaarige) Gemeinschaft der Biker.

Mit einiger Verpätung und knurrendem Magen (wir hatten das Frühstück zunächst ausfallen lassen) bollerten wir schließlich los. Es ging tatsächlich auf den Highway 1, den wir aber am Sunset Boulvard wieder verlassen wollten.

Glücklicherweise begegnete uns unterwegs eine dieser Gelegenheiten, die man nicht auslassen kann, und wir fielen in die Bay Cities Italian Deli and Bakery in Venice Beach ein.

Italien trifft Amerika im Bay Cities Deli. Nicht im Bild, dafür umso authentischer: das komplett vergilbte Poster von "Italia Copa del Mundo 1982"

Italien trifft Amerika im Bay Cities Deli. Nicht im Bild, dafür umso authentischer: das komplett vergilbte Poster von "Italia Copa del Mundo 1982"

Diese Mischung aus italinieschem Supermarkt, warmer Mittagstischtheke und vor allem frischer Panini-Zubereitung war genau nach unserem Geschmack: voll, wuselig und mit vielen rundlichen Männern hinter der Theke (alter Spruch: “dünnen Köchen traut man nicht”). Man zieht eine Nummer, wartet, bis man aufgerufen wird, hat in der Zwischenzeit (so wie wir) eine sehr nette Unterhaltung mit ebenfalls fotobegeisterten Amerikanern und bestellt dann sein Wunschpanini. Wir lagen mit unserer Wahl (ein Caprese- und ein Tunasalad-Panini mit allem) nicht falsch und genossen alsbald eines der besten belegten Brote, die wir seit langem hatten.

Tunasalad-Panini mit allem - eindeutig über der Maulsperregrenze

Tunasalad-Panini mit allem - eindeutig über der Maulsperregrenze

Damit gestärkt machten wir uns auf die Tour durch die Stadt der Engel und als wir das Motorrad heute abend abstellten, hatten wir fast 80 Meilen auf der Uhr – und die waren nur in der Stadt erfahren. Das mag einen Eindruck geben, wie unglaublich weitläufig dieser Moloch eigentlich ist.

Der Sunset Boulevard schlängelt sich von der Pazifikküste, die wir heute ohne Stau erlebten, bis tief in die Stadt hinein und führt vorbei an den wohl berühmtesten Wohnvierteln: Bel Air und Beverly Hills. Für beide Viertel verkaufen fliegende Händler Straßenkarten, auf denen die Wohnhäuser der Stars eingezeichnet sind. Wir haben uns den Kauf verkniffen und sind statt dessen “blindlings” nach Bel Air hineingefahren.

Von den Häusern sieht man nicht immer etwas, meist sind es die eher abweisenden Toreinfahrten, die man wahrnimmt… und natürlich die Heerscharen mexikanischer Gärtner, die die Anwesen in Schuss halten. Aber man kann dann und wann einen Blick erhaschen und sieht die volle Bandbreite:

Von "Sehr viel Geld trifft sehr viel weniger Geschmack" in Beverly Hills...

Von "Sehr viel Geld trifft sehr viel weniger Geschmack" in Beverly Hills...

...bis zu "es war schon immer etwas teurer, einen guten Geschmack zu haben" (hier in Bel Air). @Tim und die Alfa-Gang: Das ist natürlich ein 8C Compteizione, der da im Hof steht.

...bis zu "es war schon immer etwas teurer, einen guten Geschmack zu haben" (hier in Bel Air). @Tim und die Alfa-Gang: Das ist natürlich ein 8C Compteizione, der da im Hof steht.

Gemeinsam ist den Bauten aber etwas, das uns Mitteleuropäer dann doch erschaudern lässt: Das meiste hier besteht aus Holz, auch wenn es nach Stein aussieht. Denn die Bauweise ist fast immer gleich: tragende Holzkonstruktion mit aufgesetzten Pressspanplatten, die dann verputzt und gestrichen werden. Und dafür werden dann Preise im mittleren Millionenbereich aufgerufen. Glaubt man nicht?

Doch! (Neubau in Bel Air)

Doch! (Neubau in Bel Air)

Dafür ist der Ausblick natürlich schon etwas besonderes – macht aber andererseits auch klar, dass man in L.A. ohne mindestens ein Fahrzeug pro Familienmitglied verratzt ist.

In weiter Ferne so fern - Los Angeles downtown von Bel Air aus gesehen

In weiter Ferne so fern - Los Angeles downtown von Bel Air aus gesehen

Nachdem wir uns in den Hügeln von Bel Air beinahe verfranst hatten und erst nach einer guten halben Stunde wieder zurück auf dem Sunset Boulevard waren, machten wir nach Beverly Hills nur einen kleinen Abstecher (für die Filmfreunde: Seit “Pretty Woman” weiß man ja, dass Bel Air oben und Beverly Hills immer unten liegt :) ).

Durch die Straßemn von Beverly Hills - zwei "Celebrities" auf dem Bock

Durch die Straßen von Beverly Hills - zwei "Celebrities" auf dem Bock

Unser Weg führte uns weiter in Richtung Hollywood, bis wir schließlich zum ersten Mal das Wahrzeichen in der Ferne entdecken konnten…

Noch so 'ne Sehenwürdigkeit: Der Hollywood-Schriftzug ist zwar in einigen Action-Filmen schon zerlegt worden, steht aber in Wirklichkeit immer noch.

Noch so 'ne Sehenwürdigkeit: Der Hollywood-Schriftzug ist zwar in einigen Action-Filmen schon zerlegt worden, steht aber in Wirklichkeit immer noch.

Wir näherten uns aber nicht weiter, sondern machten Halt auf dem Hollywood Boulevard, direkt gegenüber des Kodak Theatres, wo alljährlich die Oskars verliehen werden. Es mag dann eine besonders große Show geben, aber die kleine Freakshow, die hier täglich geboten wird, kann da locker mit. Die gut 400 Meter zwischen Highland Avenue und Madam Toussauts sind bevölkert von Touristen jeder Herkunft und Doppelgängern jeder Qualität. Wir zählten einen Michael Jackson (im Alter von 6 Jahren), jeweils einen Chewbaka, einen Joda und einen Shrek, mindestens drei Captain Jack Sparrows, vier Indiana Jones, einen Elvis und mindestens fünf Marilyn Monroes (von denen eine knapp 70 Jahre alt war). Ach ja, außerdem noch Mikey Mouse, irgendwelche Pokemons, Spidermans und was die Pop-Kultur sonst noch hergibt.

Nur von hinten einigermaßen zu erkennen - Elvis und Marilyn... aber die können sich ja auch nicht mehr wehren.

Nur von hinten einigermaßen zu erkennen - Elvis und Marilyn... aber die können sich ja auch nicht mehr wehren.

Der “Walk of Fame”, die Gallerie der in den Boden eingelassenen Sterne von Schauspielern, Sängern, Entertainern und Wodka-Marken (warum gibt es eigentlich einen Star für “Absolut Vodka”??)), spiegelt den Zustand der Stadt in besonderer Weise: Während die Stars in saubere und intakte Granitplatten eingelassen sind, sind die Platten direkt daneben gesprungen, ausgefranst und zum Teil einfach herausgerissen.

Der Star von Michael Jackson ist eine Pilgerstätte

Der Star von Michael Jackson ist eine Pilgerstätte

Wir unterhielten uns mit einem Harley-Fahrer, neben dessen Maschine wir unsere geparkt hatten. Seine Erkenntnis gibt am besten wieder, wie man sich das Treiben hier vorstellen muss: “You know, I live in this area. And whenever I feel a little depressed, I come here, take a good look and realize where the real freaks are. Makes me feel better immediately.”

Und so verabschiedeten wir uns von der “Kulturindustrie”, vor der uns Adorno doch immer gewarnt hat, und machten uns noch einmal auf den Weg zum Ozean, wo wir zu Abend essen wollten. Wir kamen nicht bis ganz dahin, sondern entdeckten unterwegs die Santa Monica Seafood Company, ebenfalls eine nette Mischung aus Frischfischhalle, Restaurant und italinischem Feinkostladen. Bilder gibt es dieses Mal keine, aber wir aßen zum Abschluss noch einmal sehr gut. Der Start mit einem Garnelen-Cocktail und wunderbar zarten Muscheln glückte und auch bei den Hauptspeisen konnten wir nicht jammern: Klassische Fish and Chips, die beide hervorragend knusprig und geschmacklich absolut top waren, und eine gegrillte Meerbrasse auf Feldsalat mit angeschmortem Pfirsisch.

Und obwohl wir uns für diesen Tag doch einiges vorgenommen hatten (die Getty Villa, einige der Case Study Houses, ein bisschen Shopping, den alten City Center ansehen etc.), sind wir doch nur “gecruised”, haben uns noch einmal die Sonne auf den Pelz brennen lassen und die Stadt so “erfahren”. Und es hat gut getan!

Nun ist unser letzter Abend “on the beaten track” beinahe herum und morgen werden wir definitiv die Heimreise antreten. Zeit für ein Fazit und für den Abschied vom Leben aus dem Koffer bleibt morgen noch, aber eine Erkenntnis steht schon jetzt fest: Die Welt ist klein geworden – und sie ist überwältigend großartig geblieben.