6. Neuseeland

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Der Abschied aus Neuseeland fiel uns schwer. Aber er eröffnete uns die Möglichkeit, eine völlig neue Erfahrung zu machen: Nach einem 12-Stunden-Flug zeitlich früher zu landen als wir abgeflogen sind.

Das “Geheimnis” ist natürlich schlicht die Datumsgrenze, die wir irgendwo im Pazifik überflogen haben. So konnten wir am 17. Juli um 19:15 Uhr in Auckland starten und am 17. Juli um 12:15 Uhr in Los Angeles landen… und das fühlt sich wirklich seltsam an.

Der Flug selbst war sehr angenehm und nach den bisherigen Erfahungen hat Air New Zealand die beste Businessclass (@Andreas: die haben auch die schönsten “Schlappen-Beutel”).

Schon wieder oder immer noch der 17. Juli?? Egal, der obligatorische Sparkling Wine an Board.

Schon wieder oder immer noch der 17. Juli?? Egal, der obligatorische Sparkling Wine an Board.

Das Essen (von Peter Gordon (”dine” in Auckland und “The Providores und Tapa Room” in London) und Geoff Scott (Vinnies Restaurant in Auckland)) war sehr lecker und auch in der Darbietung bislang einmalig:

Geoff Scott: In Vanille pouchierter Lachs mit Kirschtomaten, Endiviensalat und Dill-Creme fraiche

Geoff Scott: In Vanille pouchierter Lachs mit Kirschtomaten, Endiviensalat und Dill-Creme fraiche

Peter Gordon: Neuseeland-Snapper auf Yuzu-Fenchel mit Kartoffeln, grünen Bohnen und roten Pfeffer, Kapern und Macadamia-Salsa

Peter Gordon: Neuseeland-Snapper auf Yuzu-Fenchel mit Kartoffeln, grünen Bohnen und roten Pfeffer, Kapern und Macadamia-Salsa

Das Coolste bei ANZ sind aber deren Sitze bzw. Betten, denn man kann wirklich ein richtiges (=waagrechtes!) Bett aus dem Sitz machen:

Na dann: Gute Nacht! Das Bett bei Air New Zealand

Na dann: Gute Nacht! Das Bett bei Air New Zealand

Das alles ist, wie vermutet, einigermaßen erholsam und lässt die zwölf Stunden gut herumgehen. Und auch die Einreise gestaltete sich viel einfacher als erwartet (wir hatten Befürchtungen wegen der verschiedenen alten Visa in unseren Pässen (Vietnam, Kambodscha, Indien, Indonesien etc.)).

Doch als wir auf dem Highway Richtung Santa Barbara waren, kamen erst der Jetlag und dann ungefähr 10 Staus zusammen und machten unsere Augenlider schwer. Daran konnten auch die wunderbaren Strände von Venice (Stau), Santa Monica (Stau!), Malibu (Stau!!), Santa Barbara (Stau!!!) nichts ändern.

Auf dem Highway...

Auf dem Highway...

...und noch gut gelaunt (hinten übrigens der Pazifik von der anderen Seite)

...und noch gut gelaunt (hinten übrigens der Pazifik von der anderen Seite)

Wir kamen also in Santa Barbara an, gingen eine Kleinigkeit essen (japanisch mit kalifornischem Einschlag) und fielen dann ins Bett – im garstigsten Hotel, das wir bislang hatten (Ramada Santa Barbara - wir ersparen uns und Euch die Bilder!).

Ein kurzer Eintrag noch vom Flughafen in Auckland.

Heute verabschieden wir uns von Neuseeland und machen uns auf nach Los Angeles. Es ist also wieder einmal Zeit für ein kurzes Zwischenfazit.

Die sieben Tage NZ sind wie im Flug herumgegangen. Obgleich wir im Winter hier waren und das Wetter dem entsprechend war (gerade regnet es wieder fürchterlich), hat uns das Land doch gefangengenommen. Die Landschaft hier macht einen sprachlos und ehrfürchtig, vor allem wegen der unglaublichen Vielfalt, die man auf einem Daytrip erleben kann: Vom Urwald über die großen Weiden auf den sanften Hügeln über die schroffen Klippen bis zu den samtigen Sandstränden – und das alles innerhalb von 50 Kilometern.

Die Entscheidung, einen Campervan zu nehmen, hat sich als goldrichtig erwiesen. Auch wenn man NZ wahrscheinlich ziemlich problemlos nur mit dem Auto (und Bed&Breakfast) oder auch “per Daumen” machen kann, so war doch diese Art des Reisens sehr angenehm und entspannend. Es war schön, einfach einmal anzuhalten, die Espresso-Kanne aufzusetzen und dann am Strand einen Kaffee zu nehmen – was will man mehr.

Und die Begegnungen auf den Campingplätzen hatten durchaus Unterhaltungswert. Unsere übriggebliebene Verpflegung (Käse, Olivenöl, Balsamico etc.) wurden wir heute morgen etwa bei einem älteren Ehepaar von der Südinsel los, die noch bis September mit ihrem Minicamper unterwegs sein werden und einen Riesenspaß hatten mit dem Essen.

Die sieben Tage haben uns sehr gut getan und vor allem gut gefallen. Sie waren zu kurz (natürlich), aber sie haben uns einen ersten Eindruck dieses wunderbaren Landes gegeben. Und sie haben die Tür für einen weiteren Besuch aufgemacht.

Der Abschied von hier ist auch ein bisschen der Start unserer Heimreise, auch wenn das mit “another 3 1/2 weeks to go” ein bisschen seltsam klingt. Aber die Station, die am weitesten von zu Hause entfernt war, liegt nun hinter uns und von hier aus ist jede Richtung “nach Hause”.

Wir sind gespannt, wie sich der Sommer an der Westküste der USA anfühlt.

Unser letzter „ganzer“ Tag hier begann heute Nacht mit einem riesigen Regenguss. Wir konnten uns nachhaltig von der Dichtheit des Wohnmobils überzeugen – auf dem Campingplatz hätte man heute morgen durchaus auch ein Gummiboot benutzen können, um in die Dusche zu kommen. Das ist eine der Konstanten hier in Neuseeland: Die Nächte beginnen mit einer Abendlektüre in den diversen Tess Gerittsen, die wir mittlerweile hier versammelt haben, und gehen dann nahtlos in das stete Trommeln des Regens auf unserem Camper-Dach über.

Wir starteten den Tag mit einem Besuch auf dem Wikato Beach – auch im early morning eine beeindruckende Veranstaltung, den Sunset hatten wir dann eben doch nicht.

Waikato im Morgengrauen - auch beeindruckend

Waikato im Morgengrauen - auch beeindruckend

Danach ging es los in Richtung Coromandel. Neben der gleichnamigen Stadt ist die Coromandel vor allem eine Halbinsel, die Auckland im Osten gegenüberliegt, getrennt durch den Hauraki-Golf und die Firth of Thames. Letztere hat ihren Namen von Captain Cook, der bei Ansicht der Flußmündung eine gewisse Ähnlichkeit zur Themse bei London festgestellt haben soll. Eigentlich ist die Coromandel auch der Platz, auf dem die Maori zum ersten Mal mit weißen Siedlern in Kontakt kamen, aber davon zeugt hier eigentlich nichts mehr.

Um hinzukommen fuhren wir einmal quer durch Neuseeland auf dem Highway 25 bis nach Hikuai und von dort die Ostküste der Coromandel entlang nach Norden. Alleine die Fahrt hätte den Tag schon gelohnt:

Atemberaubende Ausblicke von unterwegs irgendwo auf der SH 25

Atemberaubende Ausblicke von unterwegs irgendwo auf der SH 25

Doch auch die Zwischenstationen machten uns Freude. Den ersten richtigen Stopp machten wir, als wir bei Whenuakite den SH 25 verließen und zum Hot Water Beach fuhren. Neuseeland ist bekanntermaßen ein „heißes“ Gebiet (alleine Auckland ist auf 50(!) Vulkanen errichtet worden) und die geothermische Kraft zeigt sich in heißen Quellen (wie zum Beispiel bei Rotorua, das wir nicht besuchen werden) oder eben im Hot Water Beach: Bei Ebbe kann man sich hier mit einer Schaufel am Strand des Pazifik ein kleines Loch in den Sand graben, von unten sprudelt heißes Wasser aus der Erde und man hat eine natürliche Badewanne… hätte man heute gegen 18:30 Uhr haben können, denn erst dann war Ebbe.

Da wir aber schon gegen Mittag da waren und der Strand sonst, nun ja, eben ein Strand wie andere auch ist, haben wir das zur Kenntnis genommen und sind weitergefahren. Vielleicht schaffen wir es morgen noch, die heißen Quellen bei Thames zu besuchen und so zumindest ein bisschen was vom „Hot Spot“ Neuseeland mitzubekommen.

Kein heisses Wasser diesesmal - obwohl die beiden Jungs links im Bild die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatten

Kein heißes Wasser dieses Mal - obwohl die beiden Jungs links im Bild die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatten

Ganz in der Nähe allerdings, kurz hinter dem Nest Hahei, liegt die Cathedral Cove, die wir uns ansahen. Der Fußweg vom Parkplatz aus sollte 45 Minuten dauern… auch eine Form von Erwartungsmanagement: Wir brauchten 25 und der Weg führte durch einen Dschungel aus Farnen, Palmen, Gräsern und Blüten.

Durch den gruenen Tunnel

Durch den gruenen Tunnel

Für die Cove selbst hat der Pazifik in jahrelanger mühevoller Kleinarbeit einen beeindruckenden Durchgang in den Kalkstein gefräst und obschon dieser Ort im Sommer vermutlich völlig überlaufen ist, hatten wir nur die Gesellschaft einiger weniger Touristen und vieler Möwen. Und wieder einmal war uns das Wetter mehr als gnädig: Die Fahrt nach Coromandel ging unter bedecktem Himmel dahin, doch kaum näherten wir uns der See, riss die Wolkendecke auf und die Sonne strahlte uns an, während wir durch diese bezaubernde Bucht spazierten.

Wie im Reiseprospekt

Wie im Reiseprospekt

Ungelogen, der Himmel war 30 Minuten vorher noch grau und trüb...

Ungelogen, der Himmel war 30 Minuten vorher noch grau und trüb...

...aber auch so war der Pazifik ein bisschen zu kalt, um darin zu baden.

...aber auch so war der Pazifik ein bisschen zu kalt, um darin zu baden.

Wir fuhren weiter bis zur Fähre nach Whitianga, nur um dort festzustellen, dass das eine reine Personenfähre ist… macht nichts, so kamen wir in den Genuss von weiteren 30 Kilometern neuseeländischer Holperstrecke :)

Kleine Entschädigung für durchgeschüttelte Knochen: Der Blick auf den Pazifik bei Kuaotunu

Kleine Entschädigung für durchgeschüttelte Knochen: Der Blick auf den Pazifik bei Kuaotunu

Der letzte Pass vor Coromandel Town beschwerte uns einen wunderbaren Blick in den Golf von Hauraki und entlohnte für die (gefühlten 100) Serpentinen, die es vorher zu bewältigen galt.

Lohnt den Aufstieg: Ausblick auf dem letzten Pass vor Coromandel Town

Lohnt den Aufstieg: Ausblick auf dem letzten Pass vor Coromandel Town

Schließlich landeten wir in Coromandel Town, wo wir für heute Quartier bezogen haben. Dieses winzige Städtchen mit knapp 1.600 Einwohnern bietet wenig mehr als eine ganz schnuckelige Hauptstraße, in der viele „alte“ Ladengeschäfte überlebt haben, und die lokale Spezialität: geräucherte Muscheln.

Örtliche Spezialität: Geräucherte Muscheln - in beeindruckender Größe

Örtliche Spezialität: Geräucherte Muscheln - in beeindruckender Größe

Wir haben sie natürlich probiert und sie schmecken…

nach Muschel…

nur eben geräuchert…

Und als wüsste Neuseeland, dass wir heute zum letzten Mal hier nächtigen, verabschiedete uns die Insel mit einem wunderbaren Farbenspiel zum Sonnenuntergang. Und so, zuletzt, können wir doch noch ein Strandbild mit Sunset (der allerdings hinter der Kuppe rechts stattfand) zeigen.

Farbenfroher Abschied von Neuseeland - der Blick von unserem letzten Campground

Farbenfroher Abschied von Neuseeland - der Blick von unserem letzten Campground

Morgen geht es über die Westküste der Coromandel zurück nach Auckland, wo wir am frühen Nachmittag schon das Wohnmobil wieder abgeben werden. Und dann steht der längste Non-Stop-Flug unserer Reise bevor: 12 Stunden nach Los Angeles.

Wir melden uns vom Flughafen noch einmal.

Wenn wir auf der Rallye Paris-Dakar unterwegs wären, dann würde der Tag heute als Verbindungsetappe zwischen zwei Wertungsprüfungen gelten.

Sind wir aber nicht und deshalb ist es profanerweise einfach ein Tag des Transfers gewesen: Von Dargaville ging es über die M 12 und die M1 nach Pokeno, wo wir den „Highway“ Richtung Tasmanische See verließen. Bilder von unterwegs sind rar und die Erlebnisse ebenfalls, aber wir haben die Fahrt sehr genossen.

Eine Felsnadel irgendwo an der M 12 zwischen Dargaville und Brynderwyn

Eine Felsnadel irgendwo an der M 12 zwischen Dargaville und Brynderwyn

Auckland im Vorbeifahren

Auckland im Vorbeifahren

 

Der Waikato River irgendwo zwischen Te Kohanga und Port Waikato

Der Waikato River irgendwo zwischen Te Kohanga und Port Waikato

Heute nächtigen wir in Port Waikato, das sich vor allem durch drei Dinge auszeichnet:

  1. Es ist der nördlichste Punkt in Neuseeland, an dem Szenen für die „Herr der Ringe“-Filme gedreht wurden: Etwa 10 Kilometer von hier befinden sich auf dem Gelände einer Farm ein paar Kalksteinklippen, die im Film die Wetterspitze darstellten.
    Die vielen Filmfreaks haben offenbar den Farmern gehörig auf dem Acker und den Nerven herumgetrampelt, denn man kann diese Location nun nicht mehr besuchen… deshalb also keine Photos davon.
  2. Hier gibt es einen ziemlich coolen Sunset-Beach, der (beinahe logischerweise) zur Tasmanischen See hin liegt, schwarzen Sand hat und einen guten Surf hat. Der Surf ist in diesem Falle wirklich nur im Sommer aktuell und die Sonne versteckte sich für den Untergang heute hinter einer dicken Wolkendecke. Deshalb gibt es nur ein Bild aus der Dämmerung – morgen eventuell dann noch mal mehr.

    Zum Glück war es noch nicht ganz dunkel... schwarzer Sand in der Dämmerung

    Zum Glück war es noch nicht ganz dunkel... schwarzer Sand in der Dämmerung

  3. Und hier liegt relativ verkehrsgünstig einer der Campingplätze unseres Vertrauens (Top 10 Holiday Park Port Waikato).

Um letzteres ausführlich nutzen zu können, stoppten wir in Auckland in einem Einkaufszentrum und versorgten uns mit neuem Lesestoff und Zutaten für das Abendessen. Hier wieder etwas für die Foodies (man kann also auch im Wohnmobil einigermaßen gut kochen):

  • Kräuterblattsalat mit einem Avocado-Tomaten-Pilz-Ragout und einem Dressing aus neuseeländischem Olivenöl, Honig und Balsamico.

    Das alles...

    Das alles...

  • Souttiertes Lachsteaks auf Kräuterbett mit einem Kumara-Tomaten-Kompott

    ...und noch viel mehr...

    ...und noch viel mehr...

  • Dazu tranken wir einen Morton Brut Sparkling und zum Nachtisch gibt es gerade neuseeländische Schokolade…

    ...gibt's aus unserer kleinen Küche.

    ...gibt's aus unserer kleinen Küche.

Morgen steht die Coromandel Halbinsel auf dem Programm und am Freitag werden wir dann leider schon wieder abreisen… hatten wir schon gesagt, dass wir zu wenig Zeit haben???

Da ist man mal einen Tag nicht online (ist hier ja nicht wie in Frankfurt…) und schon gibt es Mecker, weil der Blog fehlt… :)

Dafür gibt es heute 2 Stück. Also erst einmal der Nachtrag zu gestern:

Wir haben zu wenig Zeit.

Das ist vermutlich für Menschen mit Montags-, Dienstags- oder sonst irgendeinem Blues etwas hart, aber es stimmt: Wir stellen fest, dass unsere Zeitplanung für Neuseeland einfach nicht ausreichend war, um dem Land gerecht zu werden.

Ist aber nicht schlimm, schließlich geht es ja vor allem darum, Neues zu entdecken – und nicht darum, das Neue dann auch abschließend und umfassend auszuforschen. Dafür mögen dann weitere Reisen dienen.

Unsere Tagesplanung sah vor, dass wir rund 160 Kilometer bis ans Cape Reinga fahren, uns den nördlichsten Punkt Neuseelands anschauen und dann einen Platz zur Übernachtung ansteuern. Die Restriktionen eines gemieteten Wohnmobils ohne 4-Rad-Antrieb machten uns aber einen Strich durch die Rechnung: Strandfahrten und Schotterpisten sind für uns tabu.

Damit war eine Fahrt auf dem Ninety-Mile-Beach, der eine regelrechte Sandpiste ist (auf der man im übrigen schneller fahren darf als „an Land“), leider ebensowenig drin wie die Fahrt ans Cape Reinga, denn die letzten 20 Kilometer bis dorthin werden im Augenblick erst geteert. Und da wir Touristen aus Deutschland sind, hielten wir uns natürlich an die Restriktionen… für Neuseeländer nicht komplett nachvollziehbar, denn ein Bauer, den wir auf dem Weg zurück trafen, meinte nur trocken: „You should have gone there! They won’t never know anyway…“

So geht das dann 90 Kilometer (nicht: Meilen!) weiter: Blick nach Norden am Beginn des Ninety-Mile-Beaches.

So geht das dann 90 Kilometer (nicht: Meilen!) weiter: Blick nach Norden am Beginn des Ninety-Mile-Beaches.

Das ist die Geschwindigkeitsbegrenzung, wenn man VOM STRAND kommt...

Das ist die Geschwindigkeitsbegrenzung, wenn man VOM STRAND kommt...

...und das ist der Hinweis, wenn man AUF DEN STRAND drauffährt - alles klar?

...und das ist der Hinweis, wenn man AUF DEN STRAND drauffährt - alles klar?

So jedenfalls führte uns unser Weg bei Waipapakauri zumindest bis auf den Ninety-Mile-Beach. Von dort ging es zunächst ein Stück auf dem Highway 1 entlang, bis wir bei Kaitaia auf eine Nebenstraße abbogen. Die nächsten 70 bis 80 Kilometer schlängelten sich durch Wälder, an großen Weideflächen vorbei, über Hügel und Berge,

Hügel und Berge

Hügel und Berge

durch winzige Ortschaften

winzige Ortschaften: Towncenter von Broadwood.

winzige Ortschaften: Towncenter von Broadwood.

und über kleine Brücken

ungefähr zwei Zentimeter breiter als unser Wohnmobil: eine der kleinen Brücken unterwegs

ungefähr zwei Zentimeter breiter als unser Wohnmobil: eine der kleinen Brücken unterwegs

bis nach Rangiora, wo wir mit der Fähre über den Hokianga Harbour übersetzten und uns bei Omanaia wieder auf den „Highway“ 12 einklinkten.

Dräuende Wolken über Hokianga Habour

Dräuende Wolken über Hokianga Habour

Highway steht deshalb in Anführungstrichen, weil dieser Weg direkt durch den Waipoua Forrest führt, und zwar auf solchen Wegen:

Grün, wohin man schaut - der "Highway" durch den Urwald

Grün, wohin man schaut - der "Highway" durch den Urwald

Der Waipoua Forrest ist Teil des Northland Forrest Parks und vor allem für seine riesigen Kauri-Bäume bekannt. Den mächtigsten kann man über einen kleinen Fußweg erreichen: Der Tane Mahuta ist den Maori heilig und spielt in ihrer Mythologie die Rolle des Lebensspenders (man fühlt sich bei der Geschichte ein bisschen an Prometheus erinnert – nur ohne die Igitt-Nummer mit dem Geier und der Leber). Aber auch ohne den mythologischen Überbau ist Tane Mahuta ziemlich beeindruckend: 52 Meter hoch, 2.000 Jahre alt und einen Stammumfang von fast 14 (!) Metern. Für die, die sich an Michael Groß erinnern können: Das entspricht 6 1/2 Mal seiner Spannbreite… Und apropos Frankfurt: Tane Mahuta  sieht irgendwie aus wie der natürliche Bruder des Ginnheimer Spargels.

Der Spargel im Forrest: Hier schauen 2.000 Jahre auf den Betrachter... da wird man ganz schön klein!

Der Spargel im Forrest: Hier schauen 2.000 Jahre auf den Betrachter... da wird man ganz schön klein!

Der Weg durch den Forrest ist unbeschreiblich: Die Kurven sind eng und man kann nur erahnen, was dahinter folgt, die Straße ist überwölbt von einem Dach aus Baumkronen und uralten Farnen und der Wald selbst ist so dicht, dass man gerade mal einen halben Meter zu beiden Seiten hineinsehen kann.

Auf dem Weg durch den Wald - mitten durch die Bäume...

Auf dem Weg durch den Wald - mitten durch die Bäume...

...an Fußgängerüberwegen vorbei (wo sollen die denn bitte aus dem Wald herauskommen)...

...an Fußgängerüberwegen vorbei (wo sollen die denn bitte aus dem Wald herauskommen)...

...und durch unbeschreibliches Grün.

...und durch unbeschreibliches Grün.

Als wir den Waipoua schließlich verließen, neigte sich der Tag schon dem Ende zu und die letzten 60 Kilometer bis Dargaville, wo sich heute unser „Liegeplatz“ befindet, waren dann eher schnell bewältigt.

Viele Dinge, die wir heute unterwegs gesehen haben, sind gar nicht auf Photos gekommen – es sind Bilder für unser geistiges Album: ein Pferd etwa, das neben der Straße durch einen Wald lief; ein weißer Hund, der in einem Vorgarten voller Orangebäumen stand; die Herde Kühe, die auf einem Bergkamm von weitem aussahen wie die Touristen auf dem Bridgeclimb in Sydney; die beiden Maori-Jungs, die uns auf Pferden ohne Sattel entgegenkamen; der Zaun auf dem Weg zum Ninety-Mile-Beach, der über hundert Meter mit alten Fahrrädern behängt war; die abgestorbenen Kauri-Bäume, die auf den hügeligen und grünen Weiden ihre weißen Arme in den Himmel strecken…

Und auch dafür sind wir schließlich unterwegs: Die Erinnerung anzufüllen mit Erlebnissen, die in der Zukunft kleine Urlaube für die Seele sind.

Heute waren wir auf dem Klo… um Photos zu machen.

Keine Sorge: Fäkalgeschichten werden hier nicht geposted! Neuseeland-Kenner werden vielmehr jetzt schon grinsen, denn es gibt hier tatsächlich ein Örtchen, das eines der meistphotographierten der Welt ist.

Viele Menschen denken, Wien sei die Friedensreich Hundertwasser-Stadt schlechthin. Stimmt aber nicht ganz. In Wirklichkeit liegt Kawakawa ganz weit vorne. Ist nicht schlimm, wenn einem jetzt ein Fragezeichen auf dem Gesicht steht, denn Kawakawa ist ein kleines Nest an der Kreuzung zwischen M1 und M11 hier in Neuseeland. Hunderwasser hat von 1973 bis zu seinem Tod 2000 hier gelebt und ist auch hier begraben (wie Wikipedia uns wissen lässt: “unter einem Tulpenbaum, ohne Sarg und nackt, eingehüllt in die von ihm entworfene Koruflagge“). Und er hat die öffentliche Toilette von Kawakawa entworfen – und die lohnt wirklich einen Besuch.

Schöner pullern - die Hundertwasser-Toilette in Kawakawa

Schöner pullern - die Hundertwasser-Toilette in Kawakawa

Etwas irritierend ist es allerdings schon,

Etwas irritierend ist es allerdings schon,

...in einem kleinen "Kiwi"-Städchen die typischen Hundertwasser-Zutaten zu finden...

...in einem kleinen "Kiwi"-Städchen die typischen Hundertwasser-Zutaten zu finden...

...nur eben auf einem Abort.

...nur eben auf einem Abort.

Manche lässt das allerdings kalt und sie gehen mal eben so “um’s Eck”:

Too much art - da geht mancher lieber stiften

Too much art - da geht mancher lieber stiften

Irgendwann am Nachmittag hatten wir das Gefühl, der Blog könnte heuer eine ziemlich wortkarge Veranstaltung werden. Denn als wir heute morgen aufwachten, strahlte uns blauer Himmel ohne die kleinste Wolke entgegen und als wir unterwegs waren, bekamen wir den Mund nicht zu vor Staunen über die Bilder, die wir sahen. Es wäre also einfach mal ein “Bilderbuch” geworden…

Unser ertser Zwischenstopp: Aussicht auf dem Weg an die Tutukaka Bay

Unser ertser Zwischenstopp: Aussicht auf dem Weg an die Tutukaka Bay

Auf dem Weg zum Woolley Bay

Auf dem Weg zum Woolley Bay

Zwischen Woolleys Bay und Waipaipai: In Neuseeland sagt man, wenn Du ein Haus im Norden hast, hast Du viele Freunde... uns etwa :o)

Zwischen Woolleys Bay und Waipaipai - In Neuseeland sagt man: Wenn Du ein Haus im Norden hast, hast Du viele Freunde... uns etwa :o )

Wir fuhren von Whangarei zunächst über die M1 in Richtung Norden, bogen dann aber nach Osten Richtung Tutukaka und Matapouri ab. Und dann kamen wir an den Pazifik… Sorry, es kling immer wieder wie ein Stoßseufzer, aber man muss es sich einfach so vorstellen, dass man über eine gewundene Straße durch eine Mischung aus Urwald, Berglandschaft und grünen Wiesen fährt und hinter einer Kurve eröffnet sich plötzlich dieser unglaubliche Ozean. Und man sieht so etwas:

Der Pazifik in seiner vollen Pracht...

Der Pazifik in seiner vollen Pracht...

...und seiner berauschenden Kraft.

...und seiner berauschenden Kraft.

Und heute waren wir zumindest bis zu den Knien auch einmal drin, es war kalt, aber nicht so kalt, dass man nicht auch noch mal tiefer rein könnte. Allerdings haben andere da das bessere Equipment:

Surfing NZ

Surfing NZ

Nachdem wir heute morgen endlich und glücklich eine Bialetti für unseren Espresso gefunden hatten, war am Woolley Bay erst einmal Rast angesagt: In Neuseeland am Strand sitzen, die Füße im Sand, einen Cappuchino in der Hand und diesen Blick vor Augen…

...noch Fragen?

...noch Fragen?

Wir fuhren weiter, denn als Tagesziel war eigentlich der letzte Campingplatz vor dem 90-Mile-Beach angesetzt. Dieses Ziel haben wir verfehlt, dafür aber in Paihia bzw. in Waitangi die Geburtsstätte des modernen Neuseeland besucht, die Waitangi Treaty Grounds.

Das 35 Meter lange Kriegskanu Ngatokimatawhaorua ist erst von 1940.

Das 35 Meter lange Kriegskanu Ngatokimatawhaorua ist erst von 1940.

Hier schlossen 1840 der britische Gesandte William Hobson und 42 Maori-Häuptlinge einen Vertrag, der das Zusammenleben der Maori und der (meist britischen) Einwanderer regelt und Neuseeland als Teil des Commonwealth etabliert. Er ist immer noch eine der Grundlagen der neuseeländischen Gesellschaft. Interessanterweise zeigt sich in diesem Vertrag ein komplett anderer Umgang mit den Ureinwohnern als das etwa in Australien der Fall war… die Gründe mögen mal dahingestellt bleiben, aber es steht zu vermuten, dass die Maori nicht zuletzt aufgrund der Siedlungsdichte eben nicht einfach zu übergehen waren.

Birth of a Nation - hier unterzeichneten die Maori-Häuptlinge den Waitangi Treaty

Birth of a Nation - hier unterzeichneten die Maori-Häuptlinge den Waitangi Treaty

Morgen werden wir etwas früher aus den Federn müssen, denn dann ist der Ritt bis zum Cap Reinga angesagt, dem nördlichsten Punkt Neuseelands und eine der heiligsten Stätten der Maori. Und bis dahin sind es immerhin 184 Kilometer.

Die Nacht war erstaunlich.

Um uns herum tobte der Sturm, der Regen trommelte ununterbrochen auf unser Dach, die Palme neben uns bog sich im Wind und klatschte immer wieder gegen unseren Camper und wir beide lasen einen Tess Gerittsen-Krimi. Es wäre zu erwarten gewesen, dass wir kein Auge zumachen. Aber im Gegenteil: Heute morgen erwachten wir ziemlich erholt und eine zwar warme, aber ungeheizte Dusche tat dann das übrige:

Schön macht das sicher nicht... Camper am Morgen.

Schön macht das sicher nicht... Camper am Morgen.

Wir verließen den Campground um 10 Uhr, doch ein kleines Warnsignal an unserem Fahrzeug zwang uns, noch einmal die Anmietestation aufzusuchen. Das Signal erwies sich als unbedeutend (”Das haben die Fords manchmal…”) und so konnten wir Auckland mit einiger Verspätung Richtung Norden verlassen.

Erste Station war Whangaparaoa Halbinsel, auf deren Spitze der Shakespear Regional Park liegt. Unterwegs ließen wir uns von einem Hinweisschild auf frischen Fisch anlocken, das uns nach Gulf Harbour führte, einem etwas generischen Stätdchen, das ganz offensichtlich als Wochenenddomizil und Alterssitz für viele Aucklander geplant wurde. Und obwohl man hätte erwarten können, dass es hier eher anonym zugeht, gab es einen kleinen Markt am Yachthafen, der gut besucht war und auf dem wir uns tatsächlich frischen Snapper für das Abendessen kauften.

Wir stoppten erneut kurz vor dem Einganz zum Regional Park und wandten uns zunächst der Nordküste der Halbinsel zu: Ein kleiner Sandstrand (schwarzer Sand, obwohl man den eigentlich mehr an der Küste zur Tasmanischen See hin findet), an dem sich stimmungsvoll die Wellen brachen.

Einsamer Sandstrand am Shakespear Reginal Park

Einsamer Sandstrand am Shakespear Reginal Park

Anscheinend hatte es sich herumgesprochen, dass an der Südküste anlandiger Wind wehte und so sammelten sich dort immer mehr Kite-Surfer, die ihre Runden drehten (@Tom und Jörg: Hier hat es wirklich unter 10°C und das Wasser ist nicht viel wärmer – ist also nicht so eine Warmduscherveranstaltung wie zum Beispiel in Ägypten :P ).

Kite-Surfer mit Blick auf Auckland

Kite-Surfer mit Blick auf Auckland

Hochbetrieb bei 10° Celsius

Hochbetrieb bei 10° Celsius

Wir fuhren zurück auf die M1, die uns weiter in Richtung Norden bringen sollte. Obschon es ein “Highway” ist, führt die Straße doch in der meisten Zeit einspurig durch wunderbare Landschaften. Im Vergleich zu den anderen Stationen unsere Reise ist Neuseeland ganz anders, was zum Teil daran liegt, dass wir den ganzen Tag über wirklich von A nach B unterwegs sind und die Erlebnisse damit “auf der Straße liegen”. Und Neuseeland ist auch insofern ganz anders, als hinter jeder Kurve ein neuer Blick und eine neue Landschaft wartet. So sind wir heute manchmal einfach mit großen staunenden Augen unterwegs gewesen.

Seitenblick: Der M1-Highway in Richtung Norden

Seitenblick: Der M1-Highway in Richtung Norden

Großartige Rückblicke...

Großartige Rückblicke...

...und spannende Ausblicke.

...und spannende Ausblicke.

Wir übernachten in Whangarei, das vielfach als das Tor zu den Northlands bezeichnet wird. Auf dem Weg hierher hielten wir kurz am kleinen Weingut Ransom, das uns mit seinem “Aushängeschild”, dem 2005er Dark Summit, ein Cuvee vornehmlich aus Cabernet Sauvignon und Carmenere, Cabernet Franc, Merlot und Malbecaus, beglückte.

Hier wuchs unser Wein von heute Abend: Ransom Wineyard in Warkworth

Hier wuchs unser Wein von heute Abend: Ransom Wineyard in Warkworth

Und morgen geht es an die Bay of Islands.

It’s raining cats and dogs!

Und eigentlich wäre das schon fast alles, was über heute zu sagen ist. Aber wir sind ja auch unterwegs gewesen und das soll nicht unter den Tisch fallen.

Unsere verschiedenen Reiseführer (und viele Leute, mit denen wir gesprochen haben) sagen, die Menschen in Neuseeland legten großen Wert darauf, anders zu sein als die Nachbarn im Nordwesten. Wenn der Abschied in Australien und die Begrüßung in Neuseeland bereits einen Vergleich zulassen (bei der Stichprobengröße ist eine allgemein-verbindliche Aussage natürlich eher abenteuerlich), dann stimmt das: Australien verabschiedete uns mit einem erneuten logistischen Chaos und einigen pampigen Offiziellen – Neuseeland begrüßte uns mit gut gelaunten Offiziellen bei der Immigration und am Zoll, mit einem sehr netten Shuttle-Dienst zu unserer Wohnwagenvermietung… und mit absolutem Sauwetter.

Aktuell sitzen wir direkt am Pazifik in einem sehr geräumigen Campervan, haben unser erstes selbstzubereitetes Abendessen seit vier Wochen hinter uns, trinken neuseeländischen Rotwein (2006er Hawkers Bay Merlot von Goldridge) und hören dem Regen und dem Sturm zu, die um uns herumbrausen.

Bilder gibt es heute keine, wir sind hier angekommen und haben erst einmal eine Stunde lang eine technische Einführung am Gerät (sprich: an unserem Campervan) bekommen, bevor wir den erstbesten Supermarkt und danach den erstbesten Campingplatz ansteuerten.

Morgen wird es richtig losgehen, wenn wir uns nach Norden machen, wo es hoffentlich ein bisschen wärmer ist – auch wenn es sich für einen Mitteleuropäer seltsam anfühlt, davon zu schreiben, dass man in den warmen Norden fahren werde.

Unsere Route wird uns kaum weiter südlich als Rotura bringen, aber sie wird uns einen ersten Eindruck dieses Lands geben, das einen ganz eigenen, weniger lauten Nationalstolz hat, der irgendwie auch ein bisschen augenzwinkernd ist (eines der Nationalgetränke etwa wirbt mit „World famous in New Zealand“). Die bereits Kiwi-erprobten unter Euch haben es damit schon erkannt: Wir haben im Flieger L&P getrunken… und sind dem Gesöff verfallen!

Mehr also demnächst von hier, wo es sich im Augenblick nach „land under“ anfühlt.