7. USA Westküste

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Amerika VII – Grand Canyon, great show

Für Donnerstag hatten wir uns einen Besuch des Grand Canyon vorgenommen. Obgleich die erste Nacht in Las Vegas spät begann, versuchten wir, uns möglichst früh auf den Weg zu machen, denn immerhin war eine 3,5 stündige Fahrt (one-way) zu erwarten.

Wir verzichteten auf ein „gesetztes Frühstück“ (die Verdauungsarbeiten des „All-you-can-eat-Dinners“ am Vorabend liefen noch) und machten uns auf den Weg. Erster Stop war der Hoover-Damm, rund 50 Meilen von Las Vegas entfernt.

Gebaut in den 1930er Jahren, versorgt er die Glitzerstadt mit Wasser und zum Teil auch Strom. Denn, und darüber hatten wir noch nicht geschrieben, Las Vegas liegt bekanntermaßen in der Mojave-Wüste und nur ein paar Kilometer vom Death Valley entfernt. Wahrscheinlich ist das auch einer der Punkte, die an dieser Stadt so faszinierend (oder absurd) sind: Dass sie an diesem lebensfeindlichen Ort steht und trotzdem grünt, glitzert, mit Pools und Wasserspielen in allen Formen und Farben aufwartet, kurz: eine Oase in der wortwörtlichen Wüste ist, die ein bisschen wie eine Fata Morgana wirkt.

Ein Blick ins Lake Mead, das vom Hoover-Damm aufgestaut wird, zeigt aber, dass auch Las Vegas sehr wohl ein Wasserproblem hat:

Große Dürre - das Lake Mead mit aktuellem Wasserstand und bisherigen Markierungen

Große Dürre - das Lake Mead mit aktuellem Wasserstand und bisherigen Markierungen

Ein älterer Mann, der sich zu uns gesellte, während wir auf dem Damm entlangspazierten, meinte, er wäre nun schon ein paar Mal dagewesen, aber so wenig Wasser habe der Lake noch nie gehabt… nicht, dass es den Wasserkonsum in Las Vegas wirklich einschränken würde.

Im Augenblick führt die Bundesstraße direkt über den Damm, aber in einer beeindruckenden Baustelle entsteht einige hundert Meter entfernt eine Brücke über den Canyon und wir bestaunten den gewaltigen Bogen, der sich jetzt schon über die Schlucht spannt.

Die Brücke über den Canyon am Hoover-Damm ist wahrscheinlich aus dieser Perspektive un din diesem Zustand noch viel spannender als nachher einfach darüber zu fahren.

Die Brücke über den Canyon am Hoover-Damm ist wahrscheinlich aus dieser Perspektive un din diesem Zustand noch viel spannender als nachher einfach darüber zu fahren.

Die Strecke zum Westrand des Grand Canyon sind dann noch einmal knapp 100 Meilen, die zunächst auf einem ausgebauten Freeway verlaufen. Nach ungefähr 40 Meilen biegt man dann auf eine kleinere Straße ab, die sich durch ein Indianer-Reservat schlängelt. Die Eindrücke entlang dieser Straßen sind nicht wirklich überzeugend: Schrottplätze, verrottende Mobil-Homes, extrem herunterkommene Trailer-Siedlungen – ein wenig, als würde man in den Hinterhof der USA schauen.

Wir waren unterwegs zum Skywalk, einer 2005 eröffneten Aussichtsplattform am Grand Canyon. Es ist wichtig, das vorab zu sagen, denn dann versteht man unsere Irritation besser, als wir nach weiteren 30 Meilen von der schmalen Straße auf eine Sand- und Schotterpiste abbogen, die dafür sorgte, dass man für die letzten 25 Meilen fast eine Stunde braucht. Aber: Der Mustang ist voll rallyetauglich – und leichte Drifts durch die Kurven sorgten für den Adrenalinlevel, den wir  für den Skywalk brauchten.

Alles Dakar? Mustang auf der Piste

Alles Dakar? Mustang auf der Piste

Der Grand Canyon fällt wieder einmal unter die Kategorie “muss man selbst gesehen haben, um es zu begreifen”. Fotos dieses Naturwunders geben nur sehr unzureichend wieder, was man dort wirklich sieht und empfindet.

Ohne Worte 1

Ohne Worte 1

Ohne Worte 2

Ohne Worte 2

Ohne Worte 3

Ohne Worte 3

Und der Grand Canyon ist auch einer der Plätze, an denen man zwar mächtig beeindruckt ist, aber zunächst einmal gar nicht begreift, vor was man da eigentlich steht: “Naja, ist halt ein mächtiges Tal und ein paar abgefahrene Erosionsformationen.”

Und dann sieht man die Helikopter:

Helikopter im Canyon, oder: Die Stecknadel im Heuhafen.

Helikopter im Canyon, oder: Die Stecknadel im Heuhafen.

Für alle, die ihn nicht gesehen haben, hier die Vergrößerung:

Kleine Hilfe zum Bild davor: Es ist die rechte Hälfte.

Kleine Hilfe zum Bild davor: Es ist die rechte Hälfte.

Und dann beginnt man zu realisieren, dass die Schluchten, in die man schaut, unfassbar groß sind; dass die gegenüberliegenden Wände fünf oder sechs Kilometer entfernt sind; dass der Boden des Grand Canyon 1.200 Meter weit weg ist und dass der Colorado, der auf dem folgenden Bild wie ein Bach aussieht, in Wirklichkeit viereinhalb Kilometer entfernt und über 100 Meter breit ist – breiter als der Main in Frankfurt. Und das ist der Moment, in dem es einem ein bisschen schwindlig wird.

Winzige Menschen auf kleiner Brücke über riesigem Canyon: Der Skywalk

Winzige Menschen auf kleiner Brücke über riesigem Canyon: Der Skywalk

Auf diesem Bild ist auch schon der Skywalk zu sehen, eine hufeisenförmige Aussichtstrecke, die in den Grand Canyon hineinragt. Das besondere daran ist, dass der Skywalk (natürlich!) einen Glasboden hat, man also über den Rand des Canyons hinausschwebt und die senkrechte Felswand nach unten wegbrechen sieht, bis sie dann eben in 1.200 Metern Entfernung den Boden des Canyons berührt. Für Melissa war es kein leichtes Unterfangen, aber wir haben es gemeinsam durchgestanden. Und es gibt sogar Fotos davon, die wir aber erst zu Hause zeigen können (eigene Kameras sind auf dem Walk nicht gestattet). Nur den Eagle Jump haben wir dann ausgelassen :)

Nachdem wir uns deutlich über unserem Zeitplan am Grand Canyon aufgehalten hatten, kamen wir erst gegen 20 Uhr wieder in Las Vegas an. Für den Abend hatten wir Karten für die “O”-Show des Cirque du Soleil besorgt, und eigentlich sah unser Plan vor, im Bellagio ein weiteres der “all-you-can-eat”-Buffets zu stürmen. Die Schlange vor dem Eingang war mehr als 60 Meter lang und so begnügten wir uns mit einer Kleinigkeit in einem der anderen Restaurants im Haus und besuchten dann die Vorstellung. @Laura und Simon und @Doro: Der Tipp mit “O” war genau der richtige – fantastisches Setting, grandiose Performance, erstklassige Artisten. Danke!

Und mit einem “Heimweg” zu Fuß ging unser zweiter (und letzter) Tag in Las Vegas zu Ende.

Aber etwas fehlt doch noch, oder? In Las Vegas geht es doch im Wesentlichen um Gambling und Shopping. Ein bisschen schämen wir uns, aber wir müssen gestehen, dass wir nicht einen einzigen Cent ge-(und ver-)spielt haben. War es Mangel an Gelegenheit? Sicher nicht, sondern wohl eher der Überfluss davon und die Faszination des Zuschauens.

Am Morgen unserer Abreise zum Beispiel haben wir nach dem Frühstück noch einen Augenblick an einem der Roulette-Tische im Wynn gestanden und einem jungen Mann dabei zugesehen, wie er innerhalb von kanppen 10 Minuten 400 bis 500 Dollar verspielte – und das mit einer offenbar ausgeklügelten Methode, mit der er den Tisch jeweils zu drei Vierteln bestückte… dumm nur, dass im Wesentlichen Zahlen aus dem Viertel fielen, das er nicht besetzt hatte.

Wie dem auch sei – wir sind einfach nicht dazu gekommen, selbst in die Spiele einzusteigen. Haben wir deshalb etwas verpasst? Wahrscheinlich schon.

Aber Las Vegas ist ja nicht aus der Welt…

Las Vegas liegt schon wieder hinter uns und wir sind mit unserem Reisebericht ein wenig ins Hintertreffen geraten. Das liegt vor allem an zwei Dingen:

  1. Die Abende hier sind doch eher lang gewesen und wir waren eigentlich nie vor 1/2 2 Uhr Nachts in unserer Suite.
  2. Und nach 5 oder 6 Abendstunden Las Vegas leidet man an akuter Gehirnerweichung… was ein einigermaßen inhaltsschwangeres Bloggen nicht erleichtert.

Jetzt jedenfalls sitzen wir gerade in L.A. am Flughafen, von wo aus es heute Nacht nach Costa Rica weitergeht (nur am Rande: Das ist mit Abstand der unfreundlichste Airport, an dem wir bislang waren!). Die Berichte der beiden letzten Tage sollen aber dennoch einigermaßen chronolgisch aufgearbeitet werden.

Am Mittwoch verließen wir Bishop Richtung Las Vegas. Vor uns lagen rund 270 Meilen, von denen uns ein großer Teil durch das Death Valley führen sollte. Um es vorweg zu schicken: Unser Mustang ließ uns im tiefen Tal des Todes nicht im Stich und auch die ewig weiten Highways davor, darin und danach waren nach seinem Geschmack.

Lange Gerade - Kurvenlage war auf dieser Strecke zunächst einmal nicht gefragt

Lange Gerade - Kurvenlage war auf dieser Strecke zunächst einmal nicht gefragt

Auch Death Valley ist, wie die meisten geologischen Besonderheiten in den USA, ein Nationalpark, der eigentlich aus zwei Tälern. Da wir von Westen kamen, erreichten wir zunächst das Panamint Valley, das diesseitig dem eigentlichen Death Valley vorgelagert ist.

Man gelangt zunächst an eine dieser Abbruchkanten, die es im Westen der USA zuhauf gibt und die einem erst einmal den Atem rauben, weil man meistens in einen riesigen Canyon blickt.

Noch nicht ganz tot - Blick über die Kante ins Panamint Valley

Noch nicht ganz tot - Blick über die Kante ins Panamint Valley

Über steile Serpentinen geht es dann auf den Grund des Tals und in unserer Unbedarftheit (und dank des unglaublich miesen Reiseführers, den wir haben (hatten wir das schon erwähnt?)) wähnten wir uns schon im Death Valley. War aber nicht so. Die Talsole gibt aber dennoch einen guten Eindruck, wie lebensfeindlich das Gebiet insgesamt ist.

Unter der heißen Sonne Amerikas

Unter der heißen Sonne Amerikas

Als wir ausstiegen, um die Bilder zu machen, waren wir zunächst natürlich von der Temperatur und der Trockenheit erschlagen. Sehr schnell aber war da noch etwas anderes, was unglaublich irritierte: In Panamint Valley gibt es fast keine Geräusche. Man steht vor seinem Auto, schaut sich die Berge rundherum an und ist wie in Watte gepackt – nicht der kleinste Laut oder Windhauch ist zu hören…

…bis der Tiefflieger über uns hinweg jagte.

Wir hatten gerade über dieses Phänomen gesprochen, da fauchte ein Kampfjet ungefähr 100 Meter über uns hinweg, jagte über die Ebene und vollführte dann eine 360°-Kehre, um das Tal wieder nach Norden zu verlassen. Es war ein bisschen wie in Top Gun oder einer der noch schlechteren Epigonen der “Superhelden-Flieger-Filme” der 1980er Jahre.

Wir erklommen die Hügelkette, die Panamint und Death Valley voneinander trennt und waren dann im Stovepipe Wells Villiage wirklich auf dem Nullpunkt angekommen (wohlgemerkt: Nicht auf em tiefsten Punkt des Valleys, denn der liegt in Badwater bei minus 85,5 Metern).

Zurück auf Meeresniveau: Der Nullpunkt in Stovepipe Wells

Zurück auf Meeresniveau: Der Nullpunkt in Stovepipe Wells

Hier wartete die nächste Überraschung auf uns: Ein Teil der Straße war wegen Überschwemmung gesperrt… Im trockensten Tal der USA hatte es ausgerechnet in der Nacht vor unserem Besuch mehr geregnet als sonst an Niederschlag in zwei Jahren fällt. Wir haben den neuseeländischen Regen übrigens nicht mitgebracht!

Überschwemmung in Death Valley - wahrscheinlich mussten die Park-Ranger die Warnschilder erst einfliegen lassen

Überschwemmung in Death Valley - wahrscheinlich mussten die Park-Ranger die Warnschilder erst einfliegen lassen

Wir waren noch mit dem Blick auf die “Überschwemmung” (Pfütze trifft es wohl eher) beschäftigt, da tauchte im Rückspiegel ein Fahrzeug mit kunterbunter Lackierung und Münchner Kennzeichen auf. Und wenn nicht alles täuscht, dann ist das hier der neue Mini Offroad als Erlkönig im Belastungstest in Death Valley :)

Wer reitet so früh durch Sonne und Sand - es ist der neue Mini in Ami-Land (kalau!)

Wer reitet so früh durch Sonne und Sand - es ist der neue Mini in Ami-Land (kalau!)

Wir ließen die beiden Testfahrer mit ihrer schweißtreibenden Tätigkeit alleine (es hatte 118 Fahrenheit oder 48°C im Death Valley) und machten uns weiter nach Las Vegas. Unterwegs und schon wieder auf dem Ausweg aus dem Tal des Todes liegt der Zabriskie Point, ein Feld voll bizzarer Felsgrate, die über Jahrmillionen durch starke Erosion entstanden sind und die man von einem Aussichtspunkt betrachten kann.

Bekannt aus Film und Fernsehen - der Zabriskie Point

Bekannt aus Film und Fernsehen - der Zabriskie Point

Um mal einen Eindruck zu geben, welche klimatischen Bedingungen hier herrschen: Wir waren etwa 15 Minuten draußen, um Bilder zu machen – und die Kameras wurden dabei so heiß, dass man nicht mehr durch den Sucher schauen konnte, ohne sich die Wangen zu verbrennen. Wie gesagt: fast 50°C und kein Schatten, nirgends.

Nach Las Vegas waren es nur noch rund 80 Meilen, die wir in einem durschrutschten. Dort angekommen, waren wir zunächst einigermaßen geplättet, dass die Temperaturen nicht wesentlich niedriger als im Death Valley lagen – es hatte um die 111 Fahrenheit oder 43°C. Zum anderen waren wir natürlich von der Stadt selbst geplättet. Ohne hier gewesen zu sein, ist es schwierig, sich das schiere Ausmaß an Größe, Geräuschpegel und Glitzer vorzustellen, das den Besucher empfängt und (siehe oben) zu spontaner EEG-Flatline führt.

Wir fuhren über den Las Vegas Boulevard, den Strip, in die Stadt ein: vorbei am Luxor, am Saladin, am MGM Grand, am New York, am Planet Hollywood, am Monte Carlo, am Bellagio, am Paris, an Cesar’s Palace, am Flamingo, am Venetian, am Mirage, am Treasure Island, am Wynn, an zwei oder drei Baustellen, die auch noch Casino-Hotels werden, bis wir schließlich in eine etwas ruhigere Seitenstraße abbogen und zu unserem Hotel gelangten.

Das ist ein Hotel / Casino: "New York" nimmt die besten Elemente des Big Apple auf und verwurstet sie zu einem einzigen Gebäudekomplex mit umlaufender Achterbahn

Das ist ein Hotel / Casino: "New York" nimmt die besten Elemente des Big Apple auf und verwurstet sie zu einem einzigen Gebäudekomplex mit umlaufender Achterbahn

Das Trump bietet nur Suiten und die zu einem echt unschlagbaren Preis (wir waren mit knapp über 100 Dollar pro Nacht/Suite dabei!). Das Modell dahinter ist ganz spannend (und natürlich auch ein Steuersparansatz): Die Suiten werden einzeln verkauft und der Eigentümer kann sie dann entweder selbst bewohnen oder über das Hotel vermieten, wobei er die Zimmermiete einstreicht. Unsere Suite jedenfalls lag im 56. Stock und bot diesen Blick sowohl aus dem Schlafzimmer als auch (!) von der Badewanne aus :)

So lässt es sich baden

So lässt es sich baden

Wir besuchten kurz den Pool und machten uns dann auf die Rolle, um am sagenhaften Dinnerbuffet im Wynn (all you can eat für schlappe 34 Dollar) so den Bauch vollzuhauen, dass Sebastian den ganzen Abend lief, als hätte er einen Medizinball verschluckt.

Danach ging es durch’s Venetian, am Paris vorbei, ins Bellagio und in Cesars Palace, wo wir staunend durch die Casinos und die Shopping Malls liefen und erst einmal die Atmospähre einatmeten.

Das Venetian mal als Beispiel für ein Themenhotel: Die schönsten Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt in der Außenanlage zusammengewürfelt...

Das Venetian mal als Beispiel für ein Themenhotel: Die schönsten Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt in der Außenanlage zusammengewürfelt...

...den Markusplatz mit künstlichem Himmel als Teil der Shopping-Mall im Innern...

...den Markusplatz mit künstlichem Himmel als Teil der Shopping-Mall im Innern...

...und das alles inklusive Gondelfahrt aus dem Grande Canal.

...und das alles inklusive Gondelfahrt aus dem Grande Canal.

In Paris waren wir ja schon in echt... da mussten wir also nicht rein :)

In Paris waren wir ja schon in echt... da mussten wir also nicht rein :)

Aber antike römische Fassaden im Cesar's Palace haben wir uns doch angeschaut - die Wendeltreppen sind übrigens Rolltreppen

Aber antike römische Fassaden im Cesar's Palace haben wir uns doch angeschaut - die Wendeltreppen sind übrigens Rolltreppen

Und als wir schließlich vor die Tür traten… regnete es in Las Vegas wie aus Kübeln.

Vielleicht haben wir doch die neuseeländischen Unwetter im Gepäck.

Hier ist es jetzt kurz nach 1 Uhr nachts und wir sind gerade von einer ersten staunenden Runde durch die Casinos (heute: Venetian, Wynn, Palazo, Bellagio , Cesar’s Palace) zurückgekommen. Deshalb nur die kurze Zwischenmeldung: Wir sind gut angekommen.

Zur Reise sollen für den Anfang drei Bilder genügen, morgen folgt dann der ausführliche Bericht:

Abschied vom Great Basin am Morgen: Über Straßen bis zum Horizont.

Abschied vom Great Basin am Morgen: Über Straßen bis zum Horizont.

Da hatten wir Death Valley schon hinter uns: Blick zurück vom Zabriskie Point in das "Tal des Todes"

Da hatten wir Death Valley schon hinter uns: Blick zurück vom Zabriskie Point in das "Tal des Todes"

Welcome to Las Vegas - Blick aus unserem Hotelzimmer

Welcome to Las Vegas - Blick aus unserem Hotelzimmer

Eine lange Fahrt liegt hinter uns.

Wir hatten gestern vergessen zu schreiben, dass wir die Strecke nach Las Vegas natürlich nicht in einem Rutsch durchfahren werden, sondern auf dem Weg zwei der großen Sehenswürdigkeiten Kaliforniens besuchen wollten: Zunächst heute den Yosemite Nationalpark und morgen dann Death Valley. Dennoch waren es von San Francisco bis Bishop, wo wir heute Nacht untergekommen sind, fast 300 Meilen und wir knapp 12 Stunden auf der Bahn.

Wir verließen San Francisco über die “kleine Schwester”, die Bay Bridge, die in Wirklichkeit deutlich länger als die Golden Gate ist, allerdings eben nicht in so schöner Lage und vor allem nicht so schön rot. Frisco verabschiedete uns mit dem Wetter der letzten zwei Tage: kalter Nebel – wir haben die Stadt trotzdem schätzen gelernt.

Die ersten Meilen begleitete uns das Wetter, doch kaum hatten wir die Küstenregion hinter uns gelassen und waren über die Coast Range, den Gebirgszug an der Küste, hinweg, waren die Wolken wie weggeblasen und wir fuhren durch ein ausgetrocknetes, staubiges Land unter gleißender Sonne.

Die Ausläufer der Coast Range sind gepflastert mit Windrädern

Die Ausläufer der Coast Range sind gepflastert mit Windrädern

Bis zum Eingang des Yosemite Nationalparks sind es rund 170 Meilen, die sich ziehen: Fährt man zunächst bequem auf 6-spurigen Bahnen, so verengt sich die Straße immer mehr, bis man etwa ab Manteca auf einer einspurigen Strecke unterwegs ist, die sich in wilden Serpentinen vom Meeresniveau auf gut 1.000 Meter nach oben schraubt.

Die ersten Kilometer im Park führten uns durch einen grünen Tunnel, der dann und wann aufriss und den Blick nach Osten hin preisgab in einen Teil des Parks, der offenbar in den vergangenen Jahren brandgerodet wurde – ob geplant oder ungeplant.

Die grüne Hölle von Kalifornien - hatten wir das am anderen Ende der Welt nicht schon einmal?

Die grüne Hölle von Kalifornien - hatten wir das am anderen Ende der Welt nicht schon einmal?

Irgendwann jedoch machte die Straße dann eine Kehre und Sebastian, der den Park ja noch nicht gesehen hatte, wäre fast in den Graben gefahren: Es ist eben für uns doch auch die Reise der großartigen Ausblicke – und dieser gehört definitiv dazu.

Da stockt einem kurz der Atem - Blick ins Yosemite Valley von der Big Oak Flat Road

Da stockt einem kurz der Atem - Blick ins Yosemite Valley von der Big Oak Flat Road

Yosemite ist der wahrscheinlich bekannteste Nationalpark der USA. Ob damit anderen Naturspektakeln Unrecht getan ist, sei einmal dahingestellt. Aber die geologische und biologische Vielfalt, die man hier findet, ist so beeindruckend, dass einem die Worte fehlen. Viele Eindrücke des heutigen Tages sind wieder einmal nur für das “Seelenarchiv”, denn die Photos können nur unzureichend zeigen, welche Majestät und Großartigkeit von den Felswänden ausgeht, die das Yosemite Valley umrahmen.

"Detail" am Rande der Straße - ein Felssturz mit Wasserfall

"Detail" am Rande der Straße - ein Felssturz mit Wasserfall

Das Valley macht mit 18 Quadratkilometern zwar nur  ungefähr 1% der gesamten Fläche des Parks aus, aber hier spielt sich hauptsächlich der Tourismus ab. Man kann das Valley auf einer gut 14 Meilen langen Einbahnstraße befahren (im Süden hinein, im Norden heraus) und wird an den faszinierenden Naturwundern vorbeigeführt:

 

Der Yosemite-Fall... im Sommer eher ein dünnes Rinnsal

Der Yosemite-Fall... im Sommer eher ein dünnes Rinnsal

Der "lower brother" gegen die Nachmittagssonne gesehen

Der "lower brother" gegen die Nachmittagssonne gesehen

El Capitan - mit 2.307 Metern einer der größten nackten Granitfelsen der Welt und ein El Dorado für Freeclimber

El Capitan - mit 2.307 Metern einer der größten nackten Granitfelsen der Welt und ein El Dorado für Freeclimber

Im Valley selbst fließt auch ein kleiner Bach, der “schwimmbar” ist und von vielen Gästen auch als Schwimmbad genutzt wird. Wir hielten zumindest einmal die Füße und den Kopf hinein – klar und kalt!

Kaltes, klares Wasser - bei fast 40 Grad eine Erholung!

Kaltes, klares Wasser - bei fast 40 Grad eine Erholung!

Um Bishop zu erreichen, mussten wir zurück auf den Highway 120, der den Park von West nach Ost durchschneidet. Wir kämpften uns durch einen einstündigen Stau hindurch zurück auf die Berge und machten uns auf den Weg.

Blickfang auf dem Rückweg - der Südosten des Parks

Blickfang auf dem Rückweg - der Südosten des Parks

Die verbleibenden 70 Meilen im Nationalpark führen den Besucher dann auf über 3.000 Meter Höhe (Der Ausgang am Tioga Pass liegt bei genau 9.945 Fuß, also 3.031 Metern) und offenbaren einen ganz anderen Charakter des Yosemite-Parks: Rau, zerklüftet und immer karger in der Vegetation, bis man irgendwann tatsächlich höher als die Baugrenze unterwegs ist.

Über derBaugrenze: das Tioga Lake

Über derBaugrenze: das Tioga Lake

 Und kurz vor dem Ausgang bekommt man an einem der letzten Aussichtspunkte noch einmal in voller Wucht die überwältigende Schönheit der Landschaft präsentiert.

 

Rückblick über die Wunderwelt: Half Dome und der Rest des Valleys vom Olmstedt Point aus gesehen

Rückblick über die Wunderwelt: Half Dome und der Rest des Valleys vom Olmstedt Point aus gesehen

Von den Grenzen des Parks geht es dann bis zum Mono Lake steil nach unten. Es erschlägt einen förmlich, denn man sieht vom Pass aus fast die komplette Straße an den Berghängen nach unten führen. Wir hatten das Glück, diesen Blick im Licht der Nachmittagssonne erhaschen zu können und das ist an Dramatik fast nicht zu toppen.

Ausblick auf eine steile Abfahrt: Vom Tioga Pass zum Mono Lake

Ausblick auf eine steile Abfahrt: Vom Tioga Pass zum Mono Lake

Ab Lee Vining geht der Weg nach Bishop dann auf dem Highway 395 entlang – einem zweispurigen Asphaltband, das dazu einlädt, den Tempomat auf 65 Meilen einzustellen und es einfach rollen zu lassen. Und damit man dabei nicht einschläft, hat die Natur als großer Baumeister eine beeindruckende Kulisse geschaffen, durch die man seinem Ziel entgegenrollt: das Great Basin, eine trockene Hochebene, die sich bis nach Nevada erstreckt und die wir im Sonnenuntergang und bei sich aufbauenden Gewittern durchfuhren.

Dramatischer Abschied: Das Great Basin im Sonnenuntergang...

Dramatischer Abschied: Das Great Basin im Sonnenuntergang...

...und bei aufziehendem Gewitter

...und bei aufziehendem Gewitter

Kulinarisch blieben wir heute sehr auf dem Boden: Ein Bagel-Frühstück im Auto und einen (vegetarischen) Burger heute abend. Und davon gibt’s auch keine Bilder…

Morgen steht dann der Weg durch das “Tal des Todes” in die Glitzerwelt Las Vegas’ auf dem Programm. @Reinhold und Christian: Wie ist denn die offizielle Glückzahl für den 23.?

Dann machen wir auch so weiter…versprochen!

Der Tag begann mit Nebel. Das ist hier in Frisco offenbar nicht so ungewöhnlich – aber muss es denn dann auch noch so kalt sein? Wir hatten eigentlich gehofft, mit der Südhalbkugel auch die klappernden Zähne hinter uns gelassen zu haben. Dem ist nicht ganz so und wir freuten uns heute Abend über eine sehr heiße Dusche.

Ansonsten starteten wir in den Tag mit einem ausführlichen amerikanischen Frühstück mit Omlett und Hashbrowns aber ohne Pancakes in einem der klassischen Restaurants der Stadt: im Sears. Als wir ankamen, war die Schlange vor dem Eingang gute 5 Meter lang – als wir gingen, war sie bei knappen 30… das Sears muss also einen Ruf haben.

Hashbrowns und eine bottomless cup of coffee - American Breakfest

Hashbrowns und eine bottomless cup of coffee - American Breakfest

Gestärkt machten wir uns daran, die Stadt mit dem üblichen Verkehrsmittel zu erkunden: per Pedes. Wir begannen im San Francisco Museum of Modern Art, das aktuell eine Richard Avedon-Retrospektive zeigt und eine sehr ausführliche Sonderausstellung zu Robert Franks “The Americans”. Beide Schauen sind erstklassig und lohnten den Besuch – jetzt haben wir allerdings weitere 4 Kilo an Gepäck, denn die Kataloge konnten wir natürlich nicht liegenlassen.

Als wir das Museum verließen, hatte sich die Sonne auch einigermaßen durch den Nebel gekämpft. Wir arbeiteten uns nach China-Town vor, das einen kleinen Flashback an Hong Kong bereit hielt, als uns die Gerüche der chinesichen Gewürz- und Medizinläden umwehten und die gelackten Enten durch die Schaufenster funkelten.

"and I remember when I was a child, lost in the streets of chinatown"

"and I remember when I was a child, lost in the streets of chinatown"

Obschon es vom Gewühle her natürlich nicht mit Hong Kong zu vergleichen ist, ist San Franciscos Chinatown nach Manhatten das am dichtesten besiedelte Stadtviertel der USA. Wenn man es durchstreift, hat man allerdings mehr das Gefühl, es wäre das am dichtesten mit Touristen vollgepackte Viertel…

Neben der Golden Gate Bridge, Alcatraz, den Cable Cars und den Hippies (die wir aber nicht gefunden haben) sind es in San Francisco natürlich vor allem die Häuser und die Straßenzüge, die faszinieren. Wenn man nicht selbst einmal die Lombard-Street bis zu den Serpentinen hinaufgelaufen ist, kann man sich schwer vorstellen, wie steil die Straßen hier wirklich sind… und wenn man die Straßen befährt, merkt man, dass es nur ein wenig Gas bräuchte, um die spektakulären Autosprünge aus den amerikanischen Krimis der 1960er und 70er Jahre hinzubekommen. Aber wir haben ja nur einen uncoolen neuen Mustang unter dem Hintern…

Berge und die Cable Cars - und wo ist Michael Douglas?

Berge und die Cable Cars - und wo ist Michael Douglas?

Gute Handbremse? Caddy vor einem Wohnhaus in der Shakton Street

Gute Handbremse? Caddy vor einem Wohnhaus in der Shakton Street

Normale Touris fahren da tagsüber runter - wir haben es Nachts gemacht: Die Serpentinen in der Lombard Street

Normale Touris fahren da tagsüber runter - wir haben es Nachts gemacht: Die Serpentinen in der Lombard Street

Urbane Architektur - das jewish museum in San Franscisco

Urbane Architektur - das jewish museum in San Franscisco

Die Transamerica Pyramid steht zum Erdbebenschutz auf riesigen Gummikugeln - und inspirierte das Team um George Lucas zur Architektur in den Star Wars-Filmen

Die Transamerica Pyramid steht zum Erdbebenschutz auf riesigen Gummikugeln - und inspirierte das Team um George Lucas zur Architektur in den Star Wars-Filmen

Wir ließen uns treiben, besuchten die erwähnten Serpentinen der Lombard-Street und machten einen Zwischenstopp an der Columbus Street in Höhe des Washington Squares in einem netten französischen Imbiss, wo wir völlig unfranzösich eine Orangina tranken.

Columbus Street - eine Orangina...

Columbus Street - eine Orangina...

 

...im Angesichts des einzigen Hippie-Vans, den wir hier gesehen haben - und der war kommerziell...

...im Angesichts des einzigen Hippie-Vans, den wir hier gesehen haben - und der war auch noch kommerziell...

Schließlich landeten wir im Fisherman’s Wharf an, dem “Hafenviertel” San Franciscos. Man muss es offenbar gesehen haben – aber man muss es nicht schätzen: In Wirklichkeit ist es eine laute Ansammlung von Läden mit schreiend bunten und fürchterlichen Souvenirs, kitschigen Wachsfigurenkabinetten, überteuerten Elektronikramsch und (vermutlich!) schlechten Restaurants. Das Ganze dann durchzogen von den üblichen touristischen Horden, gespickt mit einigen christlichen Fundamentalisten, die per Lautsprecher ihre Botschaft von der ewigen Verdammnis allen zurufen, die es hören wollen (oder auch nicht) – und vor allem: begleitet von einer so großen Anzahl Obdachloser, dass es einen betroffen macht. Vermutlich ist es insbesondere der krasse Gegensatz von überbordendem (und schlechtem) Konsum einerseits und dem absoluten “Nichts-Haben” andererseits: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

Diese Krabben hätten besseres verdient als die Fast Food-Butzen im Hafenviertel von San Francisco

Diese Krabben hätten besseres verdient als die Fast Food-Butzen im Hafenviertel von San Francisco

Wir verließen das Hafenviertel sehr rasch wieder. Und weil sich die Golden Gate nach wie vor in den Nebel hüllte und wir Alcatraz wegen der Gefangenen doch nicht besuchen konnten (*grins*), haben wir uns auf ein Cable Car gestürzt, um damit den Rückweg in unser Hotel anzutreten. Fazit: Es ist amüsant, ziemlich kitschig und kann auch ziemlich frisch werden.

Wir im Cable Car

Wir im Cable Car

Kein Tag ohne Essen: Da die French Laundry auch für das On-the-beaten-Track-Team keine Ausnahme macht (hatten wir auch nicht erwartet) und aktuell nur noch Reservierungen für September oder Oktober annimmt, mussten wir auf “second best” ausweichen. In diesem Falle war es das Waterfront Restaurant, das wir besuchten. Im Hafen gelegen, bietet es einen großartigen Blick auf die “kleine Schwester” der Golden Gate, die Bay Bridge. Die Karte ist Seafood-fokussiert und wir starteten mit einem Lobster-Salat und einem halben Dutzend Austern. Die Hauptgänge waren auf den Punkt gegart und wunderbar aromatisiert:

Marinierter und gegrillter Thunfisch auf mashed potatoes mit frischem Spinat und einer Rotweinreduktion

Marinierter und gegrillter Thunfisch auf mashed potatoes mit frischem Spinat und einer Rotweinreduktion

Gegrillter hawaianischer Schwertfisch ebenfalls auf mashed potatoes mit frischem Spinat und Limonen-beurre-blanc

Gegrillter hawaianischer Schwertfisch ebenfalls auf mashed potatoes mit frischem Spinat und Limonen-beurre-blanc

 Und der Nachtisch ließ uns nach einem Schokoladen-Brownie und einem warmen Pfirsisch-Törtchen restlos zufrieden zurück.

Danch versuchten wir noch einmal, einen Blick auf die Golden Gate zu erhaschen, aber die Diva hüllte sich weiter in ihr feuchtes Gewand.

 

Keine Pfeiler, nix rotes: Es ist trotzdem die Golden Gate.

Keine Pfeiler, nix rotes: Es ist trotzdem die Golden Gate.

Morgen geht es auf den Weg nach Las Vegas… wir müssen die Kosten für die Reise ja schließlich irgendwie wieder hineinbekommen :)

Vorwarnung: Dieser Blog ist ziemlich foody-lastig und sicher nichts für Leute mit dem Montags-Blues.

Für alle anderen: Enjoy!

Der Tag begann mit einem kleinen und eigentlich feinen Frühstück in unserem Hotel, das dieses Mal deutlich besser war (Best Western). Wir machten uns relativ früh auf den Weg – offenbar etwas zu früh, denn der 17-Mile-Drive war noch ziemlich nebelverhangen, so dass die Aussichtspunkte zwar toll, aber eben doch nicht sonnenbeschienen waren (@Elke und Kurt noch einmal: Vielen Dank für den Tip! Denn unser Reiseführer sagte keinen Piep über diesen Drive – wir waren kurz davor, das Buch einfach in die nächste Tonne zu kloppen.).

Seevögel am 17 Miles Drive

Seevögel am 17 Miles Drive

Der Drive ist ein wunderbares Stück Straße, das sich in einem Teil der Monterey Peninsula zum Teil an der Küste entlangschlängelt und tatsächlich alle 200 Meter einen Aussichtspunkt bietet, der einem den Atem raubt: Von Steinen, Seevögeln, Robben, wasserumtostend Klippen und geschwungenen Buchten ist man ganz benommen.

Detail an einem der vielen Aussichtspunkte auf dem 17 Mile Drive

Detail an einem der vielen Aussichtspunkte auf dem 17 Mile Drive

Das alles war schön und gut und der Tag begann (trotz des Nebels) wunderbar.

Doch dann entdeckte Melissa etwas, das den Tag beinahe ruiniert hätte und dafür sorgte, dass Sebastian eine ganze Weile leicht sabbernd im Auto saß und irgendetwas von “one of the things to do before you die” vor sich hinbrabbelte. Was war geschehen?

An einem der Aussichtspunkte sieht man das tobende Meer, einen Felsen mit Seevögeln und das hier:

Der Damenabschlag (und im Hintergrund das Grün)

Der Damenabschlag (und im Hintergrund das Grün)

...und der Herrenabschlag - versteckt hinter den Felsen.

...und der Herrenabschlag - versteckt hinter den Felsen.

Das müsste, wenn nicht alles täuscht, der Abschlag zum Loch 16 des “Links at the Spanish Bay“-Golfcourse sein: Ein Abschlag über eine Bucht hinweg auf ein schmales und mit drei Bunkern verteidigtes Grün… jetzt müssten eigentlich die Golfer unter Euch auch erhöhten Speichelfluss erleben.

Weiter ging es an der betördenden Küstenlinie entlang, vorbei an den Wohnstätten der Reichen und Schönen – einige mit viel Geld und viel Geschmack gestaltet, einige mit noch mehr Geld und dafür umso weniger Geschmack.

Wenn Geld und Geschmack sich treffen! Die üblen Sachen zeigen wir lieber nicht - die heißen dann "Casa del Mare" oder so und sehen aus, als wäre eine mallorquinische Finca über Disneyland nach Kalifornien verschifft worden.

Wenn Geld und Geschmack sich treffen! Die üblen Sachen zeigen wir lieber nicht - die heißen dann "Casa del Mare" oder so und sehen aus, als wäre eine mallorquinische Finca über Disneyland nach Kalifornien verschifft worden.

Auch die berühmte einsame Zypresse auf dem Hügel haben wir gesehen (@Karsten: Nicht mit Cypress Hill zu verwechseln…) und uns vor Ort wieder einmal mit hunrigen Streifenhörnchen herumgebalgt.

Eines der Wahrzeichen von Kalifornien: Die "lone cypress" auf der Monterey Peninsula

Eines der Wahrzeichen von Kalifornien: Die "lone cypress" auf der Monterey Peninsula

Die abgestorbene Zypressen-Schwester gibt in der Nähe immerhin ein ziemlich dramatisches Fotomotiv ab

Die abgestorbene Zypressen-Schwester gibt in der Nähe immerhin ein ziemlich dramatisches Fotomotiv ab

Die 17-Meilen-Fahrt endet am Pebble Beach, einem langgezogenen Sandstrand kurz vor Carmel by the sea. Wir stellten den Wagen ab und spazierten zum Wasser, um unsere Zehen auch auf dieser Seite kurz in den Pazifik zu halten. Es mag an der insgesamt wärmeren Umgebung gelegen haben, aber hier ist der Ozean noch ein Stück kälter als in Australien – oder es kommt einem nur so vor.

Vielleicht erinnert sich der Ozean doch an unsere Füße?

Vielleicht erinnert sich der Ozean doch an unsere Füße?

Danach ging es auf die Bahn Richtung San Francisco und obschon die 120 Meilen landschaftlich auch nicht zu verachten sind, können sie doch mit den Erlebnissen von gestern nicht mithalten. Wir haben also Kilometer (respektive: Meilen) geschrubbt und kamen gegen 15 Uhr in San Francisco an.

Dank der überlegenen Vorbereitung hatten wir keine Ahnung, wo genau unser Hotel lag und sind deshalb erst einmal in Richtung Golden Gate Bridge gefahren. Wir kämpften uns durch den Stau und konnten unser Glück kaum fassen, denn kaum waren wir in der Stadt angekommen, riss der Himmel auf und wir fuhren mit strahlendem Sonnenschein durch die “Straßen von San Francisco”. Sollte uns die divenhafte Golden Gate tatsächlich hold gesonnen sein und sich ohne Nebel unter blauem Himmel zeigen?

...nicht ganz!

...nicht ganz!

Wir stoppten am East Beach, genossen den Blick auf die wolkenverhangene Brücke und überlegten uns, wie wir weitermachen. Danach ließen wir uns treiben – aber was kann es schöneres geben, als unter blauem Himmel (denn in der Stadt selbst war er es) mit einem offenen Wagen durch diese bunte, lebendige, liberale und vibrierende Stadt zu fahren und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen???

Cable Cars und Berge - wir sind in San Francisco

Cable Cars und Berge - wir sind in San Francisco

Der Sound der Straße: Musiker am Union Square

Der Sound der Straße: Musiker am Union Square

Ein erneuter Erfolg der “emotionalen Navigation” brachte uns direkt vor die Eingangstür unseres Hotels (sehr zu empfehlen: Campton Place).

Und ein großartiger Tipp unserer Concierge führte uns heute Abend in eines der besten Seafood-Restaurants in San Francisco. Das Farallon, geführt von Mark Franz, Chef Ryan Simas, bescherte uns einen vollendeten Abend (@Christian: Die Laundry haben wir im Auge, allerdings haben die einen strengen Dresscode, den wir vermutlich nicht treffen – dennoch: Daumen drücken!). Unserer unmaßgeblichen Meinung nach war das stern-verdächtig… aber wir sind nur ambitionierte Dilettanten und vielleicht zu leicht zu beeindrucken :)

Als Amuse bouche bekamen wir eine kleine Hummercremesuppe mit einem Tropfen Hummeressenz. Danach ging es mit den Appetizern los:

Melissa 1

Melissa startete mit einem Sashimi aus Ahi Thunfisch mit einer Vinaigrette aus Frühlingszwiebeln, Balisikum und Kaviar – nach Tokyo sicher das zweitbeste Thunfisch-Sashimi, das wir gegessen haben.

Sebastian 1

Sebastian startete mit einem halben Dutzend Totten Inlet-Austern mit einer Apfelvinaigrette (wunderbar frisch und mit zartem Biss)

Die Entrees:

Melissa 2

Melissa begann die warme Mahlzeit mit einem pouchierten Ei mit Kaviar und in Olivenöl geröstetm Brioche (passte hervorragend zum vorgeschlagenen Elsässer Riesling, der eher halbtrocken war)…

Sebastian 2

Sebastian genoss soutierten Thunfisch mit geräucherten Palmherzen, Friseesalat und gegrillten Tomaten – das Highlight heute abend!

Die Hauptgänge: Wir gingen beide auf Heilbutt,

Melissa 3

Melissa nahm ihn in Milch pouchiert und mit hausgemachten Gnocchi, grünen Bohnen und einem Kaviarfondue (ein Hammer!)…

Sebastian 3

während Sebastian ihn soutiert verspeiste, mit getrüffelten Gnocchi in einem Relish aus geschmolzenem Lauch (Hach!).

Als Dessert erlebten wir einen mit Rosengeranium parfümierten Pana Cotta mit frischen Beeren (Melissa) und einen Limonenkäsekuchen mit Kirschgelee (Sebastian).

Melissa 4

Sebastian 4

Der einzige Makel am Essen war, dass es jetzt schon wieder vorbei ist…

Der erste Eindruck von Frisco ist eigentlich ein rundherum positiver – auch wenn uns aufgefallen ist, dass hier unglaublich viele Obdachlose doch die Straßen ziehen. Der Kontrast könnte also wieder einmal kaum größer sein, sind wir doch heute morgen durch Gegenden gefahren, in denen Geld keine Rolle zu spielen scheint.

Dennoch war der Augenblick, in dem die Golden Gate im Nebel (nicht) auftauchte, so besonders wie der Moment, als wir in Sydney um die Felsnase bogen und die Oper zum ersten Mal vor uns liegen sahen: Es ist die Realität und in solchen Situationen muss man sich manchmal kneifen, um zu glauben, dass man wirklich hier ist. Ein seltsames Gefühl.

Seltsam… und mächtig schön!

Heute morgen erwachten wir mit Mühe. Wir hatten nicht damit gerechnet, mit 5 Stunden (plus 1 Tag) Zeitverschiebung solche Schwierigkeiten zu haben, aber da waren sie - und nicht wegzuleugnen.

Wir erwachten also mit dicken Augen und verspätet, nahmen ein (erstaunlich gutes) Frühstück im Hotel und beluden den Wagen für den Tag. Die Petrolheads unter Euch werden sicher schon gefragt haben, was das wohl für eine Karre ist und ja, es ist eine Proll-Schüssel: Wir haben einen Mustang Convertible genommen, leider nur einen neuen, dem das “Cool”-Potenzial des Originals entscheidend fehlt, motorisiert mit einer 4 Liter-V6-Maschine, die  angeblich 210 PS und 240 NM liefert… begegnet sind die beiden uns jedenfalls noch nicht :o )

Dicker Auftritt...

Dicker Auftritt...

...wenig dahinter? Auf der Suche nach der Leistung...

...wenig dahinter? Auf der Suche nach der Leistung...

Aber er hat ein Dach zum abnehmen und “mit ohne” ging es dann auf die knapp 170 Meilen, die wir heute vor uns hatten.

Zunächst blieben wir auf der 101, um uns dann bei San Luis Obispo auf den Highway 1 einzusortieren, der eine der Traumstraßen der Welt ist.

Bis zum Horizont und weiter: Der Highway 1

Bis zum Horizont und weiter: Der Highway 1

Die meiste Zeit geht er direkt am Pazifik entlang, manchmal auf Meeresniveau, häufig aber in bis zu 150 Metern Höhe, die man in wunderbaren Serpentinen erklimmt. Die Aussichten sind eigentlich an jeder Kehre wieder von neuem begeisternd: Schroffe Felsklippen, gegen die auch an ruhigen Tagen der Pazifik anrollt, als gelte es, einen Kampf zwischen Wasser und Land auszufechten; ein steter Wechsel in der Landschaft von brauen, trockenen Hügeln zu einem Urwald, in den man kurz vor Ende von Big Sur einfährt.

Blick nach Süden: das haben wir schon hinter uns

Blick nach Süden: das haben wir schon hinter uns

Blick nach Norden: Der tobende Pazifik und ein Schwarm Pelikane

Blick nach Norden: Der tobende Pazifik und ein Schwarm Pelikane

150 Meter können ganz schön hoch sein - Blick in den Abgrund am Highway 1

150 Meter können ganz schön hoch sein - Blick in den Abgrund am Highway 1

Strand am Pacifik Coast Highway - zum Baden dann doch ein bisschen frisch

Strand am Pacifik Coast Highway - zum Baden dann doch ein bisschen frisch

Nicht am Meer, aber mitten im Big Sur - Highway 1 im Julia Pfeiffer Burns National Park

Nicht am Meer, aber mitten im Big Sur - Highway 1 im Julia Pfeiffer Burns National Park

Wir hatten mit dem Wetter wieder einmal Glück und so erlebten wir erneut einen der Kontraste, die wahrscheinlich nur eine Weltreise bieten kann: So, wie wir aus dem Kulturland Japan in das Landschafts-Land Australien kamen und von dem kargen Australien in das üppige Neuseeland, so sind wir jetzt vom kalten und feuchten Land der Kiwis in den ausgetrockneten und “zündelbaren” Hügel Kaliforniens angekommen – und haben uns erst einmal einen Sonnenbrand geholt :)

Die Post im Nirgendwo - Briefkastensiedlung am Pazifik

Die Post im Nirgendwo - Briefkastensiedlung am Pazifik

An Haltepunkten mangelt es auf der Strecke nicht und einige haben sogar einen anderen Zweck, als nur die Schönheit der Strecke und der Landschaft, in die sie eingebettet ist, zu zeigen.

Etwa 45 Meilen nördlich von San Luis Obispo liegt das Hearst Castle, das Schloss, das sich William Randolph Hearst von 1919 an erbauen lies. Bemerkenswert ist das Gebäude wohl vor allem deshalb, weil hier der Eklektizismus der amerikanischen Wirtschaftselite zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Reinform vorliegt. Der Speisesaal (das “Refektorium”) etwa ist eine Mischung aus flämischen Gobbelins aus dem 15. Jahrhundert, einem spanischen Chorgestühl aus dem 14. Jahrundert, einer Holzdecke aus Italien und dem 16. Jahrhundert und Tafelsilber aus Frankreich und England vom 16. bis 18. Jahrhundert. Und natürlich ist das Castle bzw. die Person, die es erbauen ließ, für Cineasten ein Begriff: Orson Welles’ “Citizen Kane” ist von der Geschichte Hearsts inspiriert. 
Wir waren da, aber nicht darin, denn die nächste Tour (und man muss eine Tour machen, um überhaupt hineinzukommen) ging erst in 2 Stunden und wir hatten noch einiges an Strecke vor uns… so ist uns wohl eine der Sehenwürdigkeiten hier entgangen.

Kurz hinter Hearst Castle liegt ein Aussichtspunkt, bei dem man keine Tour buchen muss, da die “Ansichtssachen” eigentlich immer herumliegen: See-Elefanten.

Sind faul, nicht schön und machen komische Geräusche: See-Elefanten in echt.

Sind faul, nicht schön und machen komische Geräusche: See-Elefanten in echt.

Sehr amüsant an diesem Haltepunkt sind auch die Streifenhörnchen, die so zutraulich (und verfressen) sind, dass sich sich Knabbereien bei den Besuchern aus der Hand abholen.

Der Hunger macht's möglich - sonst hätte sich Sebastian das nicht getraut :)

Der Hunger macht's möglich - sonst hätte sich Sebastian das nicht getraut :)

Ein weiterer Besichtigungspunkt, den wir nicht gesehen haben, ist die Henry Miller Library kur vor Nepenthe. Miller hat hier dann und wann bis in die 1960er Jahre gewohnt und nun gibt es hier eine Ausstellung – oder aber private Feiern, so dass man also Touri eben nicht hineindarf…

Nachdem wir Big Sur, also die 90 Meilen Küstenabschnitt, an dem der Pacific Coast Highway am schönsten ist, hinter uns gelassen hatten, trafen wir in Monterey ein, wo wir heute die Nacht verbringen. Ein leckeres Abendessen beim “Fishwife” beschloss den Tag, der uns wieder einmal mit Eindrücken erfüllt hat, die noch sehr lange wirken werden.

Talapia Cancun im Fishwife in Monterey

Talapia Cancun im Fishwife in Monterey

Morgen geht es zunächst über den 17-Mile-Dive (@Elke und Kurt: Vielen Dank für den Tip!) und dann nach San Francisco.

Der Abschied aus Neuseeland fiel uns schwer. Aber er eröffnete uns die Möglichkeit, eine völlig neue Erfahrung zu machen: Nach einem 12-Stunden-Flug zeitlich früher zu landen als wir abgeflogen sind.

Das “Geheimnis” ist natürlich schlicht die Datumsgrenze, die wir irgendwo im Pazifik überflogen haben. So konnten wir am 17. Juli um 19:15 Uhr in Auckland starten und am 17. Juli um 12:15 Uhr in Los Angeles landen… und das fühlt sich wirklich seltsam an.

Der Flug selbst war sehr angenehm und nach den bisherigen Erfahungen hat Air New Zealand die beste Businessclass (@Andreas: die haben auch die schönsten “Schlappen-Beutel”).

Schon wieder oder immer noch der 17. Juli?? Egal, der obligatorische Sparkling Wine an Board.

Schon wieder oder immer noch der 17. Juli?? Egal, der obligatorische Sparkling Wine an Board.

Das Essen (von Peter Gordon (”dine” in Auckland und “The Providores und Tapa Room” in London) und Geoff Scott (Vinnies Restaurant in Auckland)) war sehr lecker und auch in der Darbietung bislang einmalig:

Geoff Scott: In Vanille pouchierter Lachs mit Kirschtomaten, Endiviensalat und Dill-Creme fraiche

Geoff Scott: In Vanille pouchierter Lachs mit Kirschtomaten, Endiviensalat und Dill-Creme fraiche

Peter Gordon: Neuseeland-Snapper auf Yuzu-Fenchel mit Kartoffeln, grünen Bohnen und roten Pfeffer, Kapern und Macadamia-Salsa

Peter Gordon: Neuseeland-Snapper auf Yuzu-Fenchel mit Kartoffeln, grünen Bohnen und roten Pfeffer, Kapern und Macadamia-Salsa

Das Coolste bei ANZ sind aber deren Sitze bzw. Betten, denn man kann wirklich ein richtiges (=waagrechtes!) Bett aus dem Sitz machen:

Na dann: Gute Nacht! Das Bett bei Air New Zealand

Na dann: Gute Nacht! Das Bett bei Air New Zealand

Das alles ist, wie vermutet, einigermaßen erholsam und lässt die zwölf Stunden gut herumgehen. Und auch die Einreise gestaltete sich viel einfacher als erwartet (wir hatten Befürchtungen wegen der verschiedenen alten Visa in unseren Pässen (Vietnam, Kambodscha, Indien, Indonesien etc.)).

Doch als wir auf dem Highway Richtung Santa Barbara waren, kamen erst der Jetlag und dann ungefähr 10 Staus zusammen und machten unsere Augenlider schwer. Daran konnten auch die wunderbaren Strände von Venice (Stau), Santa Monica (Stau!), Malibu (Stau!!), Santa Barbara (Stau!!!) nichts ändern.

Auf dem Highway...

Auf dem Highway...

...und noch gut gelaunt (hinten übrigens der Pazifik von der anderen Seite)

...und noch gut gelaunt (hinten übrigens der Pazifik von der anderen Seite)

Wir kamen also in Santa Barbara an, gingen eine Kleinigkeit essen (japanisch mit kalifornischem Einschlag) und fielen dann ins Bett – im garstigsten Hotel, das wir bislang hatten (Ramada Santa Barbara - wir ersparen uns und Euch die Bilder!).