5. Australien

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Australien IX – Meer davon

Unser letzter (ganzer) Tag in Australien begann mit einem ausführlichen Frühstück im Convent. Es bleibt übrigens nachzutragen, dass die Kommentare zu diesem Hotel bei Tripadvisor uns fast von der Buchung abgehalten hätten: Dort berichtet eine Dame aus Sydney, sie werde nie wieder in Peppers Convent übernachten, weil es da spuken würde… das verdächtige Zimmer sei die Nummer 8.

Unglücklicherweise hatten wir die 18, die genau nebenan lag. Wir haben weder eine weiße Frau noch eine unschuldig gemeuchelte Nonne in der Nacht angetroffen und auch die Geräusche aus dem Nebenzimmer gingen über ein herzhaftes Schnarchen nicht hinaus… schade, es wäre sicher eine nette Geschichte geworden.

Spooky? Nicht wirklich...

Spooky? Nicht wirklich...

...dafürmit echtem Südstaaten-Flair: Unser Hotel im Hunter Valley

...dafürmit echtem Südstaaten-Flair: Unser Hotel im Hunter Valley

Wir durchstreiften das untere Hunter Valley ein wenig mit dem Auto, hielten bei Tyrells, einem der ältesten und empfohlenermaßen besten Weingüter im Valley und nahmen eine Flasche 2005 Brokenback Shiraz mit, den wir heute Abend hier in Sydney im Airporthotel genossen haben – weitere Mitnahmen machen wegen der besonderen Sensibilität sowohl der Aussies als auch der Kiwis bei Lebensmittelim- und -exporten keinen Sinn.

Tyrells Wineyard

Tyrells Wineyard

Das Valley selbst verabschiedete uns mit großartigen Ausblicken über die kahlen Wein“felder“ (denn von –bergen kann man hier nicht sprechen) – und mit einem „Abschiedskommittee“ aus vier Wallabies, die seelenruhig an einer der Straßen vor sich hin mümmelten und sich auch von hysterischen Mitteleuropäern in zu kleinen Autos nicht aus der Ruhe bringen ließen.

Kahl aber stimmungsvoll - Weinstöcke im Hunter Valley

Kahl aber stimmungsvoll - Weinstöcke im Hunter Valley

German tourists? Not interestet at all!

German tourists? Not interestet at all!

Über den Pacific Highway ging es dann wieder in Richtung Sydney. Wir fuhren ab Newcastle bis kurz hinter Gosford die Küstenstraße entlang und hielten immer wieder einmal an, um den Blick auf den Pazifik und den Geschmack des Meeres zu genießen. Hier sind im Augenblick Schulferien und man hat schon Mitleid mit den australischen Schulkindern, die in den Winterferien so erbärmlich frieren müssen und nur mit Neoprenanzügen zum Wellenreiten gehen können… barfuß übrigens.

...und dann waren wir am Meer.

...und dann waren wir am Meer.

Uns Warmduschern war es dann doch etwas zu frisch, einen Sprung oder auch nur einen Schritt in den unglaublich klaren und sauberen Pazifik zu machen – auch wenn es uns reizte, denn schließlich werden wir ihn in knapp eineinhalb Wochen in L.A. und San Francisco von der anderen Seite begrüßen können.

Wild, kalt und klar - offenbar das Richtige für australische Schulkinder

Wild, kalt und klar - offenbar das Richtige für australische Schulkinder

Ein Regenbogen aus dem Meer...

Ein Regenbogen aus dem Meer...

Wir haben in den vergangenen Tagen einiges über Australien gelernt. Es ist in gewisser Hinsicht ähnlich wie Deutschland: Auch hier neigen die (männlichen) Bewohner eher ländlicher Regionen zum Einbau von „Benjamin Blümchen“-Auspuffanlagen (sprich: „Töööööörrrrööööö!“) in ihre aufgemozten, gechoppten, tiefergelegten Pick-ups. Auch hier ist die Mehrzahl der Leute freundlich und bemüht, aber es gibt auch jede Menge „Muffköppe“. Und auch hier kauft man gerne günstig ein:

Deutsche Exportschlager für den Endverbraucher: Luxusautos und Aldi...

Deutsche Exportschlager für den Endverbraucher: Luxusautos und Aldi...

Jetzt sitzen wir am Flughafen und sind auf dem Sprung nach Neuseeland. Zeit also für ein Resümee: Hat uns Australien – oder besser: der kleine Teil, denn wir davon gesehen haben – gefallen? Lasst uns ehrlich sein: Die Antwort ist ein eindeutiges „Jein“.

Wir waren (und sind) begeistert von der Natur, den unbeschreiblichen Landschaften, der Weite, die man auf Photos nur schwer vermitteln kann und der Freiheit, die all das einem vermittelt. Wir haben spannende Architektur und interessante Kultur in Sydney erleben können, haben einige Male wunderbar gegessen und immer gut übernachtet. Wir haben uns (naja, im Wesentlichen ja nur Melissa) überwunden und etwas gemacht, das eine einmalige Erfahrung war (und auch bleiben wird). Und wir werden am anderen Ende der Welt gewesen sein.

Aber wir haben Australien auch als ein Land erlebt,

  • in dem das „Hey mate“-Geplänkel viel Floskel ist, die überspielen soll, dass man miteinander eigentlich nichts zu tun haben will,
  • in dem es unglaublich viele Vororte, Dörfer und alleinstehende Behausungen gibt, die auf den Punkt gebracht: schrottreif und mit unzureichender Infrastruktur verbunden sind
  • und in dem es vor allem ein kulturelles Problem gibt: Ureinwohner, die immer noch eine Gruppe am alleräußersten Rand der Gesellschaft sind.

Und wir haben eine Form von Einsamkeit und Weite erlebt, die einen auch bedrücken kann und befangen macht.

Gerade weil unser Eindruck von diesem Land so zwiespältig ist, sind wir froh, hier gewesen zu sein. Die Erfahrungen, Bilder und Gefühle von hier werden uns jedenfalls noch sehr lange beschäftigen…

…und dafür macht man sich schließlich auf die Reise.

Die Blue Mountains waren uns nicht wohlgesonnen. Denn fast über die gesamten eineinhalb Tage, die wir nun dort zugebracht haben, hüllte sich der Nationalpark in Nebel und Nieselregen.

Das hinderte uns nicht daran, es heute morgen noch einmal damit zu versuchen, den Sonnenaufgang am Echo Point zu erleben. Und, siehe da, der frühe Vogel fängt tatsächlich den Wurm – oder anders: Der Frühaufsteher sieht tatsächlich ein bisschen was von der großen Kulisse, die uns am Dienstag so in ihren Bann gezogen hatte.

Das Aufstehen lohnte sich...

Das Aufstehen lohnte sich...

...denn für einen kurzen Moment...

...denn für einen kurzen Moment...

...tauchten die Blue Mountains im Licht der aufgehenden Sonne auf...

...tauchten die Blue Mountains im Licht der aufgehenden Sonne auf...

...um dann aber doch wieder im Nebel zu verschwinden.

...um dann aber doch wieder im Nebel zu verschwinden.

Zurück im Hotel holten wir eine Stunde Schlaf nach, um danach festzustellen, dass der Ausblick heute morgen wohl der einzige für den Rest des Tages bleiben würde. Wir verzichten darauf, das Bild von gestern zu recyceln, aber der Nebel hatte erneut die Herrschaft übernommen.

So ging es zu unserer nächsten Station ins Hunter Valley. Wir nahmen einen kleinen Umweg über Sydney, wo wir noch eine Kleinigkeit erledigten und die Brücke, die wir so mühsam erklommen hatten, nun auch einmal befuhren.

Von oben hoch, von unten beeindruckend: Die Harbour Bridge in Sydney

Von oben hoch, von unten beeindruckend: Die Harbour Bridge in Sydney

Über den Freeway ging es zunächst Richtung Newcastle, irgendwo hinter Gosford wechselten wir dann aber auf den Highway 33, der als Tourist Route nach Cessnock ausgeschildert war, das ja den Mittelpunkt des Lower Hunter Valley bildet. Der Highway entpuppte sich schnell als ziemlich kleine Straße, die uns aber einen Teil von Australien zeigte, den wir bislang noch überhaupt nicht zur Kenntnis genommen hatten: Das eher sehr dünn besiedelte Hinterland, also den fruchtbaren Streifen an den Küsten des Landes, in dem die Mehrzahl der 10% Australier wohnen, die nicht in den großen Städten leben. Und weil’s eben ein großes Land ist und diese Streifen doch ziemlich breit, ist es hier eher sehr einsam:

Einsame Landstraße durch ein Meer aus Grün

Einsame Landstraße durch ein Meer aus Grün

Wir begegneten wenigen Menschen, dafür umso mehr Briefkästen, die sich an der “Hauptstraße” sammeln und für Häuser stehen, die so weit abseits liegen, dass man sie schon längst nicht mehr sieht.

Auch eine "Ortschaft" - elf Briefkästen=elf Farmen=ein Dorf?

Auch eine "Ortschaft" - elf Briefkästen=elf Farmen=ein Dorf?

Und uns begegnete einer Menge neuer Alfa Romeos (”Hey” an Tim und die Gang…), die einem Maserati folgten - ein Bild, das im, wie gesagt: dünn besiedelten Hinterland Australiens eher verwirrt. Ratlos lies uns allerdings ein Hinweisschild auf “kreuzende Tiere” zurück: Wir wurden beim besten Willen nicht schlau daraus wurden (Koalas? Lemminge?? Meerschweinchen???) – deshalb hier ein Photo mit der Bitte um Identifizierung: 

Opossum?

Opossum?

Wir erreichten Cessnock und damit das untere Hunter Valley gegen Nachmittag und konnten einen ersten Eindruck dieses großen und großartigen Weinanbaugebiets im Südosten Australiens gewinnen. Auch wenn die Reben im Augenblick sämtlich blattlos sind (es ist ja Winter hier), ist es doch ein faszinierender Landstrich, der vor allem so unvermittelt nach einer Kurve auftauchte, während wir die zwei Stunden und 150 Kilometer zuvor durch eine “grüne Hölle” gefahren waren.

Im Licht der untergehenden Sonne...

Im Licht der untergehenden Sonne...

...erreichten wir Hunter Valley.

...erreichten wir Hunter Valley.

Wir haben uns um Peppers Convent eingemietet, einem ehemaligen Nonnen-Konvent von 1909, das ursprünglich in Coonamble stand und in den 1990er Jahren abgerissen werden sollte. In einer ziemlich umfangreichen Aktion ist das Gebäude dann zerlegt und in Einzelteilen 600 Kilometer weit transportiert worden, um hier wieder orginalgetreu aufgebaut zu werden.

Auch das Kulinarische kam nicht zu kurz. Wir aßen in Roberts Restaurant und obschon hier irgendwie jedes Restaurant mit irgendwelchen Auszeichnungen wirbt, waren wir doch sehr begeistert. So sehr, dass wir das photographieren drangaben. Nur eine kurze Menufolge, um den Foodies unter Euch den Gaumen “lang” zu machen:

  • Sashimi vom Yellow Fin Tuna mit Wakabe, Limette und Wasabi (und: ja, er hat den Vergleich zu Tokyo bestanden!)
  • Gorgonzola-Gnocchi mit gedünsteten Zucchiniblüten, Trüffelöl und Thaibasilikum
  • Gebratener Baramundi mit Garnelen auf einem Safrankartoffelpüree
  • Tasmanische Ozean-Forelle auf Sellerie mit gebratenen Jakobsmuscheln
  • Ein Fondant mit belgischer Schokolade, pochierten Pflaumen und Nusseiscreme
  • Vanille-Buttermilch-Panna Cotta mit Mus aus frischen Erdbeeren 

Hach!

Und morgen geht Australien mit einer Erkundung des Valleys auch schon zu Ende.

Selbst wenn es uns schwerfällt, aber die tägliche “Berichterstatterpflicht” gebietet es, auch heute offen zu sein: Wir haben fast nichts gemacht!

Das hat allerdings nur bedingt seine Ursache darin, dass wir einfach einmal faul sein wollten, sondern liegt viel mehr daran, dass der Blick vom Look Out “Echo Point” heute genau so aussah:

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts! (Und das ist wirklich ein Photo!!)

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts! (Und das ist wirklich ein Photo!!)

Zum Vergleich: Das ist exakt die gleiche Perspektive, die wir gestern abend in diesem Bild festgehalten haben:

Es hätte auch so aussehen können... begeisterter Blick in eine grandiose Landschaft

Es hätte auch so aussehen können... begeisterter Blick in eine grandiose Landschaft

Mit den besten Vorsätzen hatten wir uns den Wecker auf 6 Uhr gestellt, waren auch aufgestanden und mit “leichtem Marschgepäck” (=Kameras) vor die Tür getreten, um dann festzustellen, dass man die Hand kaum vor Augen sah – was aber nicht an der Dunkelheit lag. Es regnete und war nebelig faktisch den ganzen Tag.

Gegen Abend hatten wir noch einmal das Glück, ein paar Blicke über diesen großartigen Naturpark erhaschen zu können. Vom Echo Point aus hat man (bei gutem Wetter!) einen Ausblick, der einem wirklich den Atem raubt.

...und dann riss die Wolkenwand auf und gab den Blick frei.

...und dann riss die Wolkenwand auf und gab den Blick frei.

Auch wenn man sicher nicht die kompletten knapp 2.500 Quadratkilometer überblickt, die als Nationalpark geschützt sind und 2000 zum Weltnaturerbe erklärt wurden, so steht man doch vor der senkrecht nach unten stürzenden Klippe und sieht bis an den Horizont ein Gebiet, das unberührt zu sein scheint: eine grandiose Kulisse!

Eine Momentaufnahme nur - zwei Minuten später war bereits wieder alles zugezogen

Eine Momentaufnahme nur - zwei Minuten später war bereits wieder alles zugezogen

Aus der Tiefe des Urwalds dringen die Schreie der verschiedenen Vogel- und Säugetierarten nach oben und da die sich auch vom Nebel nicht abhalten lassen, ergab das heute eine ganz eigentümliche Atmosphäre, in der man sich abgeschieden vom Rest der Welt fühlte.

Zumindest eine Ahnung von der Großartigkeit, in die wir blicken konnten.

Zumindest eine Ahnung von der Großartigkeit, in die wir blicken konnten.

Unsere Pläne, die Blue Mountains zu Fuß zu durchstreifen, waren also hinfällig geworden. Mal abgesehen davon, dass wir keine Regenbekleidung dabei haben, macht ein Streifzug durch den Urwald ja auch nur begrenzt Sinn, wenn man den Urwald dabei überhaupt nicht sieht…

 

Wir fuhren also nach Leura, das mit Katoomba, wo uns Hotel liegt, eine Gemeinde bildet. Die örtliche “Einkaufsstraße” ist ziemlich genau 100 Meter lang. Also auch keine wirklich nachmittagsfüllende Veranstaltung. Wir erstanden zwei Bücher (@Anke und Christian: Es gibt einen 10. Tess Gerritsen-Krimi… Melissa ist komplett abgetaucht…) (@Martin: Falls Du das noch nicht kennst: “The world according to Clarkson” - can’t avoid to have a big laugh!) und ein paar Kuchenstücke und zogen uns auf unser Zimmer zurück.

Schöne Begegnung am Rande: Melissa trug einen Krama, also einen der Schals, die wir aus Kambodscha mitgebracht hatten, und prompt sprach uns die Dame an, die in der Bäckerei den Laden schmiss und selbst aus Kambodscha kam. Man erwartet ja  nicht unbedingt, im australischen Hinterland auf kambodschanische Einwanderer zu treffen (die australischen Einwanderungsbestimmungen mal ganz außen vor gelassen)…

Unser Abendessen nahmen wir im Hotel ein, was sich als gute Idee erwies. Die Atmosphäre stimmte, die Location war schön und auch das Essen hatte Klasse:

Entree 1: Räucherlachs-Mousseline auf einem Kartoffel-Limetten-Rösti mit einer schwarzen Jakobsmuschel-Tortelloni

Entree 1: Räucherlachs-Mousseline auf einem Kartoffel-Limetten-Rösti mit einer schwarzen Jakobsmuschel-Tortelloni

Entree 2: Souflet-Tartelet von Lobster und Garnelen mit Juliennes von Erbensschoten, Ingwer und Limette

Entree 2: Souflet-Tartelet von Lobster und Garnelen mit Juliennes von Erbensschoten, Ingwer und Limette

Kleiner Nörgler: Der Fisch in der Hauptspeise war ein bisschen trocken...

Kleiner Nörgler: Der Fisch in der Hauptspeise war ein bisschen trocken...

...aber die Nachspeisen holten's raus: Chocolate Box mit einer Rosen-Mousse au chocolate auf warmen Feigen...

...aber die Nachspeisen holten's raus: Chocolate Box mit einer Rosen-Mousse au chocolate auf warmen Feigen...

...und ein (unterbelichtetes...) Trio aus Vanille-, Kaffee-Kaluha- und Weißer Schokolade Creme Brulee. Noch Fragen???

...und ein (unterbelichtetes...) Trio aus Vanille-, Kaffee-Kaluha- und Weißer Schokolade Creme Brulee. Noch Fragen???

Und so haben wir heute fast nichts gemacht außer zu lesen und zu essen… ob wir das wieder aufholen können? :o

Es ist einmal wieder an der Zeit, Euch allen “Danke schön” zu sagen – für die Treue beim Lesen und Kommentieren… es ist ein bisschen der Draht in die Heimat und dass der weiter glüht, macht uns froh.

Sydney verabschiedete uns mit einer Mischung aus Regen und Sonnenschein bei nochmals deutlich reduzierten Temperaturen.

Nachdem wir zunächst noch einmal beim MCA vorbeigefahren waren, um dann doch den Katalog zur Ricky Maynard-Ausstellung zu kaufen… es gibt ja glücklicherweise auch aus Australien eine “stehende Postverbindung”, über die wir das Übergewicht unserer Koffer in Form von Reiseführern und sonstigen Büchern abbauen können :)

Schon auf dem Weg zum MCA hatten wir eines der drängenden Probleme Sydneys etwas näher erfahren können: das übliche Verkehrschaos. Ein Teil der Stadt ist mit mehrspurigen Fahrbahnen untertunnelt, doch wirklich genutzt hat das offenbar nichts – wir jedenfalls brauchten mit dem Auto fast so lange wie zu Fuß. Und auch bis zur nächsten Station waren wir einen Augenblick unterwegs.

Der Fischmarkt in Sydney entlockt jemandem, der Tokyo gesehen, gerochen, gefühlt und vor allem genossen hat, natürlich eher ein müdes Lächeln, aber er ist dennoch einen Besuch wert. Im Gegensatz zu Tokyo ist Sydney offenbar ein reiner Auktionsmarkt, in den die Ware zur einen Seite direkt aus dem Schiff hineingeht, auktioniert und zur anderen Seite sofort in die Lieferwagen umgepackt wird. Ein größeres Angebot für Endkunden oder kleinere Restaurants gibt es in dem Sinne nicht.

Was es allerdings gibt, ist eine ganze Reihe von Seafood- und Frischfischanbietern, die sich in einem Teil des Marktes auf ”hungrige Mäuler” spezialisiert haben.

Kleine Auswahl frischer australischer Austern - das Dutzend für 14 AU$

Kleine Auswahl frischer australischer Austern - das Dutzend für 14 AU$

Natürlich konnten wir nicht abseits stehen und nahmen ein Dutzend frischer australischer Austern und eine Lobster Platte, die mit allerlei frittierter und gegrillter Seafood aufwartete. Dazu ein kaltes Bier… prima!

Eigentlich hätte man danach einen Schnaps gebraucht... die Lobster Platter im Fischmarkt in Sydney

Eigentlich hätte man danach einen Schnaps gebraucht... die Lobster Platter im Fischmarkt in Sydney

Die Austern verdrückten wir dann ganz unpretenziös im Auto – Hautsache: Lecker!

Ordentliche Schlürfgeräusche - Austern im Dutzend und im Auto

Ordentliche Schlürfgeräusche - Austern im Dutzend und im Auto

Für heute und morgen hatten wir ein Hotel in den Blue Mountains gebucht und es auch hier sehr gut getroffen: das Echoes Hotel in Katoomba erwartete uns mit wunderbaren Zimmern (insgesamt nur 14 übrigens), einem tollen Service und einem atemberaubenden Blick.

Auch wenn wir uns eine besonders günstige Rate ausgehandelt hatten - am Ausblick ist ganz sicher nicht gespart worden

Auch wenn wir uns eine besonders günstige Rate ausgehandelt hatten - am Ausblick ist ganz sicher nicht gespart worden

Zur Fahrt noch ein Wort: Wir waren etwa zwei Stunden unterwegs und auf dem Highway waren wir uns zwischenzeitlich nicht sicher, ob wir wirklich noch down under sind. Die Unterschiede zu den USA sind insbesondere in den eher kleinen Ortschaften kaum zu merken – die gleichen Holzhäuser und in etwa die selbe Infrastraktur (McDonalds, KFC etc. am Wegesrand). Es ist außerhalb also sehr amerikanisch, während uns Sydney eher an UK erinnerte (wie Glasgow, nur ohne die Hochhäuser).

Unser erster Spaziergang heute abend noch führte uns zum Sonnenuntergang an den Aussichtspunkt Echo Point. Wir werden morgen mehr darüber berichten, wenn wir uns die Blue Mountains erwandern. Denn heute fehlen uns noch ein bisschen die Worte, weil der erste Eindruck einfach überwältigte.

Unbeschreiblich!

Unbeschreiblich!

Heute war irgendwie seltsam. Man kann die Erlebnisse des Tages wohl recht simpel in dem Satz zusammenfassen: „We’ve made it through…“

Als erstes stand heute das Sidney Aquarium auf dem Programm. Wir frühstückten unterwegs und kamen dann doch vielleicht etwas spät dort an – zusammen mit mindestens einer Schulklasse pupertierender Australierinnen und unzähligen Kinderwagen, Tourifamilien etc.. Das Sidney Aquarium hat im Augenblick „Besuch“ vom ziemlich unsäglichen Spoonge Bob, was den Geräuschpegel zusätzlich erhöhte.

Der Besuch war empfohlen worden von a. jemandem aus unserem Freudes- (und ergo: Leserkreis) und b. von einem australischen Ehepaar (naja: Er war aus Singapore, sie war aus Sydney, aber ihr Vater war Deutscher und ihre Mutter Russin – und die Tochter des Paares hieß Gretchen), das wir am Ayers Rock getroffen hatten. @Andrea: Wir sind also dankbare Abnehmer von Empfehlungen…

Gleichwohl hat uns der Besuch wenig behagt: Zum einen war es beschriebenermaßen voll – was wir uns allerdings selbst zuzuschreiben haben, weil wir eben etwas spät da waren. Zum anderen waren die ersten Aquarien unerträglich klein und man fragt sich schon, wie die Tiere sich in 2×2 Meter großen Becken einigermaßen artgerecht fühlen sollen. Und zum dritten ist der Einsatz von Kameras mit Blitz erlaubt – und wir wollen uns nicht vorstellen, wie es ist, den ganzen Tag angeblitzt zu werden, wenn man ein Fisch in einem zu kleinen Becken ist… die Suizidrate unter den Bewohnern muss ziemlich hoch sein.

Also: Eine klare Empfehlung unsererseits, sich das Aquarium zu schenken, wenn man hier ist!

Weiter ging es mit dem Bridge Climb: Yes, we did it!
@Laura und Simon: Danke für den Tipp.
Und @Carina, Jörg und Felix: Danke für den Tipp und viele Grüße retoure von Eurer Brücke :) .

Das Erlebnis war zwiegespalten: Melissa hatte ziemlich mit der Höhe und damit verbunden auch mit der Sinnfrage zu kämpfen („Warum, zur Hölle, mache ich das, wenn es mir dabei nicht gut geht?!?!“), während es Sebastian eher gut ging, er sich aber dann zunehmend Gedanken um seine bleicher werdende Frau machte.

Einer kämpft hier mit der Höhe...

Einer kämpft hier mit der Höhe...

...aber so viel Erleichterung ist dann doch übertrieben.

...aber so viel Erleichterung ist dann doch übertrieben.

Der Blick von der Brücke ist aus verschiedenen Gründen atemberaubend: Zum einen hat man right from the start einen wunderbaren Blick auf das Opernhaus und ganz oben dann auch auf die Skyline Sydneys. Zum anderen aber klettert man an einigen Stellen auch über ziemlich schmale Gitterroste oder über ein paar freistehende Leitern und ist eben nur über ein dünnes Stahlseil gesichert, während unter einem entweder 50 Meter Luft bis zum Wasser oder 50 Meter Luft bis zur Fahrbahn und darunter dann 60-70 Meter Luft bis zum Wasser sind. Ist nicht jedermanns Sache… aber: Wir haben es gemacht!

Der Climb dauert rund 3,5 Stunden und zusammen mit dem Aquarium und den diversen Fußwegen dazwischen wurde es langsam eng mit unserem Theaterbesuch. Wir fuhren ins Hotel, machten uns frisch und nahmen ein Taxi zum Opernhaus. Dabei entspann sich folgender Dialog mit dem Taxifahrer:

Er: „Your come from Frankfurt?“

Wir: „Yes, but how do you know?“

Er: “Well, I am turkish.”

Wir: “??!!??”

Es stellte sich heraus, dass sein Onkel in Frankfurt einen Business hat (“No Kebap!”), er aber mit seiner Mutter uns seinen Geschwistern hier lebt, weil die Mutter Sängerin an der Sydney Opera und sein Bruder Ballett-Tänzer unter anderem bei Nurejev war. Und wieder einmal: Die Welt ist ein Dorf!

Wir sahen Shakespeares Pericles – und, ehrlich gesagt: wir waren in der Pause kurz davor, das Theater zu verlassen. Die Aufführung lag irgendwo zwischen Berliner Volksbühne (ohne deren Ironie), Aida in Verona (ohne deren Ernsthaftigkeit in der Kostümierung), Laienspielschar (ohne deren Unbedarftheit) und Musical (ohne dessen „Gassenhauer“). Das lag gar nicht so sehr an den Schauspielern (die gut waren) oder daran, dass ein Taiko-Esemble das Stück mit japanischen Trommeln unterlegte.

Es lag vielleicht einfach daran, dass sich das Stück anfühlte, als hätte irgendein Dödel den Zettelkasten Shakespeares durchgeflippt, Versatzstücke aus mindestens 10 halbfertigen Dramen zusammengewürfelt und das Ganze auf die Bühne gestellt: Inzest, Intrige, Mord, Tuniere, Piraten, Schiffbruch, wunderbare Rettungen, Göttereingreifen, Bordelle und Jungfräulichkeit in einem Stück – und dann ist auch noch unklar, ob es ein Drama, eine Tragödie oder ein Komödie ist. Das war dann ein bisschen viel von allem…

Versöhnung am Abend - Blick von unserer Late Dinner Location über den Hafen zur Habour Bridge

Versöhnung am Abend - Blick von unserer Late Dinner Location über den Hafen zur Habour Bridge

 Macht aber nix, denn schließlich wollen wir ja etwas erleben und das muss nicht immer das sein, was wir uns erwarten. Sonst wäre es ja langweilig…

Australien IV – A day at the Opera

Sydney begrüßte uns heute Morgen mit diesem Ausblick:

Da macht das Aufstehen Spaß: Blick über die Woolloomooloo Bay auf die Skyline

Da macht das Aufstehen Spaß: Blick über die Woolloomooloo Bay auf die Skyline

Wir beschlossen, ein „sitzendes“ Frühstück dranzugeben und uns statt dessen mit einem Kaffee und einem Keks auf die Hand gleich auf den Weg zu machen, um über den Mrs. Macquaries Point den ersten Blick auf die beiden Wahrzeichen der Stadt zu erhaschen. @Wolfgang: Wir sind Deiner Empfehlung nicht gefolgt und sind die Runde nur gegangen, nicht gejoggt – was mindestens ebenso beeindruckend war…

In die Sonne hinein - unser "Frühstücksspaziergang"

In die Sonne hinein - unser "Frühstücksspaziergang"

Und als es nach gut einem Kilometer dann um die Kurve ging, war der Blick tatsächlich überwältigend: Die „Orangenspalten“ des Operhauses strahlten in der Sonne, während die Streben der Harbour Brigde dahinter den geometrischen Kontrast bildeten.

Ähnlich imposantes Panorama? Fällt uns im Augenblick nichts ein.

Ähnlich imposantes Panorama? Fällt uns im Augenblick nichts ein.

In den vergangenen Wochen haben wir nun schon einiges gesehen und hatten eigentlich nicht damit gerechnet, dass uns dieser Anblick doch so faszinieren würde. Aber es war in gewisser Weise noch einmal eine „anfassbare“ Bestätigung der Tatsache, dass wir auf Weltreise sind und uns eben auf der anderen Seite des Globus befinden… auch das eine unwirkliche Erfahrung, die wir unbedingt festhalten mussten:

Wir sind wirklich hier!!!

Wir sind wirklich hier!!!

Unser Weg führte uns durch die Royal Botanic Gardens, die uns mit einer Botschaft begrüßten, die für Deutsche zumindest gewöhnungsbedürftig ist: Man soll in diesem Park auf dem Gras laufen und nicht nur das:

Seltsame Wünsche haben die hier...

Seltsame Wünsche haben die hier...

Wir haben es versucht,die Rosen waren allerdings (jahreszeitlich) verhindert, beim Rest waren wir leidlich erfolgreich…

Mein Freund, der Baum - wir haben uns heute jedenfalls mal gedrückt...

Mein Freund, der Baum - wir haben uns heute jedenfalls mal gedrückt...

...die Möwe zeigte sich allerdings weniger begeistert von meinen Ansprechversuchen.

...die Möwe zeigte sich allerdings weniger begeistert von Sebastians Ansprechversuchen.

Das Opernhaus bietet verschiedene Führungen an – die „essential tour“, die auch wir gewählt haben, erläutert einem die wesentlichen Stationen der Entstehung und die „facts & figures“ rund um das Haus. Steve, unser Guide, war so sehr mit Stolz und Herzblut bei der Sache, dass das fantastische Gebäude uns noch lebendiger vorkam.

Steve, die gute Seele des Opernhauses

Steve, die gute Seele des Opernhauses

Im Innern ist photographieren nur an einigen wenigen Stellen erlaubt, aber man darf sich an der Architektur „gütlich tun“ und allein die ist schon zwei bis drei Filme wert. Schon aus heutiger Perspektive ist dieses Gebäude bewundernswert, faszinierend und großartig, aber wenn man sich einmal vor Augen führt, wann die Entscheidung für den Bau gefällt wurde, muss man den Architekten und die damaligen Entscheidungsträger für ihren Mut und ihre Konsequenz umso mehr bewundern. Der Bau wurde 1959 begonnen und war mit drei Jahren Bauzeit und  einem Budget von 7 Millionen Dollar veranschlagt. Eröffnet wurde die Oper 1973 und hatte am Ende 120 Millionen gekostet… now that’s what you call a budget overrun, isn’t it? Aber was hat man dafür auch bekommen.

Die Formen sollen an "Spalten einer Orange" erinnern...

Die Formen sollen an "Spalten einer Orange" erinnern...

...oder an eine Muschel...

...oder an eine Muschel...

...die sich zum Hafen und zur See hin öffnet...

...die sich zum Hafen und zur See hin öffnet...

... und einem dabei immer neue Perspektiven aufzeigt.

... und einem dabei immer neue Perspektiven aufzeigt.

Wir jedenfalls konnten uns gar nicht losreißen und haben erst einmal in Ruhe ein Glass sparkling wine am Pier vor der Opera getrunken, die Sonne genossen und uns von den Menschen umspülen lassen, die das wunderbare Wetter für einen Spaziergang genutzt haben.

Übrigens, Melissa sitzt gerade vor dem Opernhaus in Sydney... just to remind you.

Übrigens, Melissa sitzt gerade vor dem Opernhaus in Sydney... just to remind you.

Interessant war dabei übrigens die Bandbreite der getragenen Kleidungen: Vom Wintermantel mit Handschuhen bis zur Badehose haben wir heute alles gesehen…

Danach haben wir die Stadt (wieder einmal zu Fuß) erlaufen, die Pitt Street hinauf bis zum Tower, den wir nicht erklommen, über die St. George-Street zurück zu Circular Quay, wo wir das Museum of Contemporary Art besuchten, das eine sehr sehenswerte Ausstellung des indogenen Photographen Ricky Maynard zeigte.

Im Museumscafe hatten wir Besuch von ein paar gefiederten Leckermäulern, die sich über die Zuckerpakete am Tisch hermachten… in der Farbenpracht sicher ein Vorgeschmack auf Costa Rica und in der Intelligenz und „Verfressenheit“ sicher ein Vorgeschmack auf die Keas in Neuseeland…

Berühmte Filmzitate: "Gib mir Zucker! ... Mehr... Zucker!"

Berühmte Filmzitate: "Gib mir Zucker! ... Mehr... Zucker!"

Hier in Australien geht übrigens im Augenblick so gegen 17:00 Uhr das Licht aus, will sagen: die Sonne plumpst mit einem Mal hinter den Horizont und es ist dunkel. Damit sind die Beschäftigungen am Abend dann auch eher limitiert.

Und schon ist das Licht ausgeknipst - Sonnenuntergang ist hier eine flotte Sache

Und schon ist das Licht ausgeknipst - Sonnenuntergang ist hier eine flotte Sache

Wir jedenfalls haben etwas für unsere Foody-Seele getan und sind um die Ecke unseres Hotels zu einem famosen Inder gegangen: Akis Indian wartete mit wirklich wunderbarer, frischer und überraschender Küche auf. Wir starteten mit einer Seafood Platter, die mit Tandori-Garnelen, Salt&Pepper Squids und einem grandiosen „signature dish“(Krebsfleisch mit schwarzen Senfsamen, Tomaten, Ingwer und wirklich süßer Kokosmilch) daher kam. Danach ging es mit einem Klassiker (Palak Paneer mit frischem Spinat und hausgemachtem Paneer) und einem exzellenten Fischcurry (Baramundi mit einer Soße aus Erdnuss, brauner Kokosmilch, Tamarind und Weißweinessig) weiter. Und zum Abschluss einen Massala Chai, denn in unsere vollen Mägen passte nun wirklich nichts mehr.

Morgen steht das Aquarium, die Habour Bridge und Shakespeares Pericles in der Opera auf dem Programm… fully packed.

Heute gibt es nicht viel zu berichten: Der Tag stand komplett im Zeichen der Rückreise vom Ayers Rock nach Sydney.

Unser Flug ging erst gegen Mittag und obschon man immer das Gefühl hat, sowohl Uluru als auch Sydney seien ja in Australien, übersieht man dabei doch, dass zwischen beiden etwa 3.000 Kilometer liegen, für die man mit dem Flieger dann doch 3 Stunden braucht.

Blick zurück aus der Luft auf Kata Tjuta

Blick zurück aus der Luft auf Kata Tjuta

So kamen wir erst gegen Abend hier in Sydney an, haben unser Auto übernommen und sind durch die schon dunkle Stadt zu unserem Hotel gefahren.

Mit dem haben wir es sehr gut getroffen: Das Blue Sydney Taj liegt in Woolloomooloo, einem alten Hafenviertel, das sich in den letzten Jahren wohl wunderbar entwickelt hat und nun mit Jachthafen und einigen schicken Appartments und Ausgehmöglichkeiten aufwarten kann.

Wir haben nur gut gegessen und uns den Rest der Erkundung für morgen aufgespart.

Hier ist es kalt!

Um nicht zu sagen: sch…kalt!

Wir frieren uns wirklich einen ab, denn der australische Winter ist kälter, als wir uns das eigentlich vorgestellt hatten: Am Tag wird es so zwischen 15 und 20 Grad warm, wobei immer noch ein ziemlich fieser Wind weht, und in der Nacht fällt die Quecksilbersäule gerne mal auf niedrige einstellige Grade.

Wir merkten das bereits gestern bei der Ankunft, als uns wundervolles Licht und eigentlich sehr angenehme Temperaturen empfingen. Heute Nacht haben wir wirklich gefroren und als wir uns dann auf den Weg zum Sunrise am Rock machten, hatten wir Zwiebelmuster an (2 Paar Socken, Leggings (Melissa), T-Shirt, Langarmshirt, Hoody, Fleecejacke) – die ersten Bilder vom Rock sind trotzdem verwackelt, weil wir so gezittert haben…

Doch auch hier der Reihe nach.

Man kann den Ayers Rock und auch Kata Tjuga und den Rest des Nationalparks auf zwei Weisen erkunden: Auf eigene Faust oder mit geführten Touren, die von ungefähr vier Anbietern hier in Yulara veranstaltet werden. Wir hatten uns für den zweiten Weg entschieden und bereits gestern abend die Uluru Sunset-Tour gemacht. Das war nett, man wird vor dem Hotel eingesammelt, an einen guten Photospot gefahren, bekommt dort Wein und Knabberzeugs und kann sich das Schauspiel in aller Ruhe anschauen (… und sich bei unpassender Kleidung eine dicke Erkältung holen :) ).

Heute standen zwei Touren auf dem Programm: Heute morgen waren wir zum Sunrise am Uluru und hatten im Anschluss eine Tour mit einem Aborigine-Guide gebucht. Für heute Nachmittag hatten wir Kata Tjuta und die Valley of the Winds Tour gebucht.

Wir starteten also unseren Tag um 5:45 Uhr, Sunrise war für 7:32 Uhr vorhergesagt. Und wieder waren wir vom Farbspiel des Uluru begeistert: Die Farben des Himmels in der Dämmerung spiegelten sich in dem riesigen Felsbrocken vor uns und er fing an zu leuchten, als wäre in seinem Innern eine gigantische Glühbirne am Werk.

Glühender Fels in der Dämmerung - Sunrise am Ayers Rock

Glühender Fels in der Dämmerung - Sunrise am Ayers Rock

Die wirklich spannenden Momente sind die vielleicht 10 oder 15 Minuten, bevor die Sonne dann tatsächlich hinter dem Horizont auftaucht. Denn ab dem Moment, in dem der Feuerball sich für den Tag erhebt, ist das Spiel der Farben erst einmal beendet und Uluru hat seine graurote Farbe, die erst am Abend wieder variiert.

Die aufgehende Sonne im Rücken und doch geblendet

Die aufgehende Sonne im Rücken und doch geblendet

Hier im Nationalpark ist ein Cultural Center gebaut worden, in dem sich einerseits ein Cafe befindet und in dem andererseits die Aboriginal-Kultur erläutert wird – außerdem kann man sich hier mit originalen Souvenirs eindecken. Wir hatten hier unser Frühstück – einen warmen Kaffee mit Blick auf den erleuchteten Uluru… irgendwie unwirklich und sehr schön.

Im Anschluss trafen wir uns mit Cassidy, unserem Aboriginal Guide, der zusammen mit einem Übersetzer die Tour führte. Er zeigte uns unterwegs verschiedene Holzwerkzeuge, die die Anangu (= „Wir, die Menschen“, wie sich die Ureinwohner selbst nennen) verwenden: Einen Stock zum Graben, Speere, Trageschalen, Knüppel.

 

Unser Cultural Guide

Unser Cultural Guide

Und er erzählte uns anhand von Sandzeichnungen einige Mythen seines Volkes: Die Geschichte von Lungkata, die natürlich auch einen erzieherischen Kern hat: Nicht stehlen, nicht lügen und nicht auf den Uluru klettern. Spannend dabei ist das Wissen im Hinterkopf, dass die Geschichten eben wirklich 20 bis 40 Tausend Jahre alt und Teil des mythologischen Kerns der Aboriginal-Kultur sind – sie gehören zur Schöpfungsgeschichte der Aborigines, der sogenannten Traumzeit. So ist ein Faszinosum hier sicher auch, einen Blick zu werfen in die steinzeitliche Lebensweise, die irgendwie immer noch gelebt wird – touristisch-folkloristisch zwar und in den Dörfern der Anangu sicher nicht in dieser Weise, aber immerhin war sie bis vor knapp 220 Jahren die herrschende Kultur.

Sandzeichnungen aus dem Entstehungsmythos der Aborigines

Sandzeichnungen aus dem Entstehungsmythos der Aborigines

 

Spiritueller Mittelpunkt - der Uluru

Spiritueller Mittelpunkt - der Uluru

Nach einer Pause um die Mittagszeit machten wir uns auf, Kata Tjuta zu erkunden. Die Formation aus 36 Felsendomen ist von den Ausmaßen her noch größer als Ayers Rock und einer der Guides heute brachte es auf den schönen Punkt: „Uluru is more spiritual, while Kata Tjuta is more mystical.“ Dem ist fast nichts mehr hinzuzufügen.

Kata Tjuta - die Olgas erwarten uns

Kata Tjuta - die Olgas erwarten uns

Während die Aborigines die Legenden, die sich mit Uluru beschäftigen, einigermaßen weitgehend mit den Einwanderern und Touristen teilen, sind sie bei Kata Tjuta eher zurückhaltend. Man weiß also sehr wenig über den spirituellen Gehalt dieses Ortes und über die mythologische Interpretation seiner Entstehung. Was man weiß ist, dass hier der erste Teil des Initiationsritus für die männlichen Anangu stattfand: Früher wurden 15-jährige Jungs hier ohne jedes Hilfsmittel ausgesetzt und mussten eine gewisse Zeit in den Bergen überleben. Wie lange diese Aussetzung war, ist unklar – aber es muss lange genug gewesen sein, denn es gab auch einige, die das nicht überlebt haben.

Mystisches Zentrum - Ausblick im Walpa Gorge

Mystisches Zentrum - Ausblick im Walpa Gorge

Die Wanderung durch die Olgas, wie Kata Tjuta von den europäischen Entdeckern genannt wurde, ist faszinierend: Die schiere Größe erschlägt einen und die geologischen Formen sind verblüffend.

Zeigt einem klar die Grenzen: Größenvergleich im Walpa Gorge

Zeigt einem klar die Grenzen: Größenvergleich im Walpa Gorge

Wir hatten zudem noch das Glück, einem wildlebenden Känguru zu begegnen, was offenbar gar nicht so leicht ist – dafür kommen wir aber ohne ein Bild von einem „Kangaroos ahead“-Straßenschild zurück… dem sind wir nämlich bislang noch nicht begegnet.

Eher scheu, aber anscheinend durstig: Unser Känguru

Eher scheu, aber anscheinend durstig: Unser Känguru

Sunset haben wir an den Olgas erlebt und auch hier das Farbspiel bewundern können, obwohl der Himmel zunächst sehr wolkenverhangen war.

Kata Tjuta im Sonnenuntergang - fast noch spannender als Uluru?!?

Kata Tjuta im Sonnenuntergang - fast noch spannender als Uluru?!?

Und um einen Eindruck zu geben, wie sich die Situation verändert: Die drei folgenden Bilder sind im Abstand von knapp 30 Sekunden aufgenommen worden…

Die Olgas im Sunset: Als hätte jemand...

Die Olgas im Sunset: Als hätte jemand...

...mit einem Mal...

...mit einem Mal...

...den Lichtschalter umgelegt.

...den Lichtschalter umgelegt.

 

Und morgen geht es weiter nach Sydney.

Viele Grüße aus Down Under, wo wir in der Zwischenzeit angekommen sind.

Hier wird kein Kalauer ausgelassen! Schließlich stehen wir ja jetzt auf dem Kopf...

Hier wird kein Kalauer ausgelassen! Schließlich stehen wir ja jetzt auf dem Kopf...

Diese und die kommende Station in Neuseeland sind die am weitesten entfernt liegenden Reiseziele auf unserem Trip – und danach geht es eigentlich schon wieder Richtung Heimat.

 Doch der Reihe nach, denn hinter uns liegen knapp 24 Stunden Anreise, die auch aufgearbeitet sein wollen. Für die nächsten Zeilen gilt: Achtung, Yuppie-Alarm – dafür also im Voraus schon einmal die Bitte um Verständnis…

Wir checkten am 1. Juli in Tokyo Narita in unseren Singapore Airlines-Flug zunächst nach Singapore und dann weiter nach Sydney ein. Die „dicke Berta“, unser Airbus A 380, stand zum Boarden bereit und wir begaben uns auf’s „Upper Deck“, wo wir unsere Sitze vorfinden sollten. 

Der ist so groß, dass er hinter Gitter muss - der "Überjumbo"

Der ist so groß, dass er hinter Gitter muss - der "Überjumbo"

Reisen auf dem Sonnendeck...

Reisen auf dem Sonnendeck...

Aber was für Sitze das waren! Singapore Airlines macht damit Werbung, dass sie den größten Sitz in der Business Class zu bieten hätten – nicht zu viel versprochen: Die Sitze waren so breit, dass wir beide nebeneinander in einem Sessel Platz fanden. 

Kann selbst Sebastian nicht alleine ausfüllen: Business Class-Sitze der Singapore Airline

Kann selbst Sebastian nicht alleine ausfüllen: Business Class-Sitze der Singapore Airline

Der Clou: Mit Umlegen der Sitzlehne entsteht ein komplett ebenes Bett, auf dem ein Mensch bis zu 1 Meter 85 ziemlich bequem die Nacht verbringen kann. Das sollte auf dem zweiten Teil der Strecke (Singapore – Sydney) dann auch wirklich hilfreich sein.

 

Entspannter ankommen - ausgeschlafen nach einer Nacht im Bett über den Wolken.

Entspannter ankommen - ausgeschlafen nach einer Nacht im Bett über den Wolken.

Auf der ersten Runde unterhielten wir uns einen Augenblick mit dem Purser und ließen uns über den A 380 aufklären. Das gipfelte darin, dass wir nach der Landung in Singapore von ihm und noch einem Kollegen durch die Suites der ersten Klasse geführt wurden. Voller Stolz zeigten uns die beiden, wie sich in den Abteilen – es sind wirklich Einzelkabinen in der First – die Betten machen lassen und welche Gimmicks es sonst noch gibt („No pictures, please!“). Ganz wichtig: Die Kabinen sind nach oben offen – und bei Emirates, die den 380 auf fliegen, sei über den Kabinen eine Überwachungskamera angebracht. „So, with Singapore you have a lot more privacy than with any other airline in the world…” – Alles Marketing, oder was??

 Kulinarisch kamen wir auch nicht zu kurz. Zwei Beispiele:

Hanagayomi-Auswahl: Ein Hauptgericht zwischen Tokyo und Singapore

Hanagayomi-Auswahl: Ein Hauptgericht zwischen Tokyo und Singapore

Singapore Laksa - eine Hauptspeise zwischen Singapore und Sydney

Singapore Laksa - eine Hauptspeise zwischen Singapore und Sydney

Und die Getränke?

Champagner zwischen Tokyo und Singapore...

Champagner zwischen Tokyo und Singapore...

...in der Lounge in Singapore...

...in der Lounge in Singapore...

...in der Lounge in Singapore (wir hatten etwas Aufenthalt)...

...in der Lounge in Singapore (wir hatten etwas Aufenthalt)...

...und von Singapore nach Sydney.

...und von Singapore nach Sydney.

In Sydney angekommen, hatten wir gleich einen Weiterflug an den Ayers Rock gebucht, den wir heute gegen frühen Nachmittag erreichten. Um den Rock bzw. den Naturpark, der den Uluru, wie der Felsen bei den Abourigines heißt, und die Felsformation Kata Tjuta, die auch „the Olgas“ genannt wird, umgibt, hat sich ein Resort mit verschiedenen Hotelkategorien angesiedelt: Das Ayers Rock Resort, in dessen „Lost Camel Hotel“ wir uns ein Zimmer genommen haben.

Den Sunset haben wir uns ganz klassisch am Ayers Rock selbst angesehen und dabei das Spektakel der Rottöne bewundert, in die die untergehende Sonne diesen Monolithen taucht. Es ist, als würde der Felsen von innen heraus selbst leuchten, denn sogar die Reflektionen der bereits untergegangenen Sonne in ein paar Wolkenschleiern am Himmel ließen Uluru noch einmal erglühen – faszinierend!

Nur eine Momentaufnahme im Lichterspiel des Sonnenuntergangs

Nur eine Momentaufnahme im Lichterspiel des Sonnenuntergangs

 Ein kurzes Zwischenfazit:

Der Trip von Tokyo an den Ayers Rock bzw. nach Australien war vermutlich der größte Schritt auf unserer Reise. Wir haben uns aus einem Land mit einer so umfassend kodifizierten, abstrahierten und auch „kultivierten“ Kultur verabschiedet und sind in einem Land angekommen, bei dem uns zunächst einmal die Natur die Hauptattraktion zu sein scheint und dessen dominierende Kultur ja eigentlich der Mischimport der verschiedenen europäischen Einwanderergruppen ist, die hier im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte angekommen sind. Man mag einwenden, es gäbe mit den Abourigines-Mythen, -Riten und der –Kunst sehr wohl eine originär australische Kultur – aber hat diese hier wirklich die „Leitkultur“ durchdrungen?

Wir haben es nach der kurzen Zeit, die wir hier sind, noch nicht feststellen können, aber wir sind unglaublich gespannt, was uns Australien alles über sich erzählen wird. Die Natur, ihre Farben und das unglaubliche Licht hier haben jedenfalls schon eine aufregende Einleitung vorgelegt.

Willkommen in Down Under!

Willkommen in Down Under!

Noch ein kurzer Eintrag am Flughafen. Wir sitzen nun hier und warten darauf, mit dem größten Flugzeug der Welt zu fliegen. Und obwohl das sicher sehr lustig werden wird, sind wir doch traurig, dass damit Japan erst einmal hinter uns liegt.

Wir haben ein unglaublich spannendes, kulturreiches, kulinarisch inspirierndes und lebendiges Land erlebt mit freundlichen, höflichen und auch sehr lustigen Menschen, mit denen man trotz aller Sprachbarrieren (wir können kein Japanisch und viele Japaner können zwar einigermaßen englisch, trauen sich aber nicht, es anzuwenden) wunderbar zurecht kommen kann.

Die vergangenen 12 Tage haben uns viel gegeben und sie haben die Tür in eine neue Kultur zumindest einen Spaltweit aufgemacht. Wir werden sicher wiederkommen und die ersten Eindrücke noch einmal vertiefen. Und bis dahin werden wir sie im Geist behalten und wirken lassen.

Domo arigato gozeimasu! Sayonara!

And looking forward to down under – oder, wie es eine Weile in der Imagewerbung Australiens hieß: “So, where the bloody hell are you?!?”